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Dr. Peter Preuss, Professor für Wirtschaftsinformatik an der FOM:

Warum die Digitalisierung Finanzbuchhalter und Controller nicht überflüssig machen wird

18.03.2021 | Stuttgart

Die Digitalisierung im Rechnungswesen und im Controlling bietet Unternehmen neuartige Möglichkeiten und Chancen. Sie ersetzt allerdings auch manuelle Tätigkeiten und führt so zu völlig neuen Aufgabenbeschreibungen für die Mitarbeitenden in der Finanzbuchhaltung. Wir sprachen mit Dr. Peter Preuss, Professor für Wirtschaftsinformatik an der FOM Hochschule in Stuttgart, über zukünftige Anforderungen an die Spezialisten von Morgen.

FOM Hochschule: Welche Veränderungen ergeben sich für den Berufsstand der Finanzbuchhalter durch die Digitalisierung?

Prof. Dr. Peter Preuss: Die Digitalisierung führt dazu, dass es immer weniger manuelle Tätigkeiten im Rechnungswesen gibt und wiederkehrende Aufgaben sukzessive von IT-Systemen übernommen werden. Buchhaltungsbelege werden beispielsweise nicht mehr händisch von einem Finanzbuchhalter in einem IT-System erfasst, sondern automatisch gebucht. Dadurch gibt es weniger Fehler im Buchwerk und die Prozesse im Rechnungswesen werden schneller und kostengünstiger durchgeführt. Das Tätigkeitsfeld des Buchhalters wird damit anspruchsvoller, aber auch interessanter. Unterstützt von virtuellen Assistenten geht es zukünftig darum, die maschinell erzeugten Buchhaltungsdaten zu prüfen. Die Buchhalter von Morgen müssen deshalb breiter ausgebildet werden. Gute IT-Kenntnisse und die Offenheit gegenüber modernen Technologien sind von zentraler Bedeutung, um diese neue Aufgabenstellung bewältigen zu können.

FOM: Wie soll diese Automatisierung konkret funktionieren, wenn beispielsweise ein Lieferant eine Papierrechnung oder eine Rechnung per E-Mail schickt? Diese Eingangsrechnung muss doch weiterhin händisch von einem Kreditorenbuchhalter in ein Buchhaltungssystem eingegeben werden.

Preuss: Wenn eine Eingangsrechnung nur in Papierform vorliegt, muss sie natürlich vorab mit einer Texterkennungssoftware digitalisiert werden. Die anschließende Prüfung und Erfassung der Rechnung in einem Buchhaltungssystem kann aber vollautomatisch durchgeführt werden. Diese Arbeit wird von virtuellen Buchhaltern, die eine Robot-Process-Automation-Software zur Verfügung stellt, übernommen. RPA-Softwarelösungen sind darauf spezialisiert, repetitive manuelle Tätigkeiten im Back-Office-Bereich zu übernehmen. Wenn also eine Eingangsrechnung per E-Mail geschickt wird, öffnet der virtuelle Buchhalter die E-Mail, prüft die Rechnung im Mailanhang, startet das Buchhaltungssystem und überträgt die Rechnungsdaten in das System. Das macht der virtuelle Buchhalter nach einer Einarbeitungszeit nicht nur fehlerfreier und schneller als ein Mensch, sondern auch 24 Stunden am Tag und sieben Tage pro Woche.

Prof. Dr. Peter Preuss lehrt Wirtschaftsinformatik an der FOM Hochschule in Stuttgart (Foto: FOM)

FOM: Hat die Digitalisierung auch Auswirkungen auf das Tätigkeitsfeld der Controller?

Preuss: Ja, die Arbeitsweise der Controller wird sich ebenfalls grundlegend ändern. Die zeitaufwendige Erstellung Excel-basierter Berichte und Grafiken wird immer mehr an Bedeutung verlieren. Stattdessen werden die entscheidungsrelevanten Daten in interaktiven Dashboards visualisiert und die Controller können sich darauf konzentrieren, den Datenbestand zu interpretieren und daraus wichtige Handlungsempfehlungen für die Unternehmensführung abzuleiten. Hierbei werden sie ebenfalls von virtuellen Assistenten, die mithilfe von Machine-Learning-Verfahren Zusammenhänge und Trends im Datenbestand erkennen, unterstützt. Die verarbeitete Datenbasis wird auch immer größer und vielfältiger. Daten von Social-Media-Plattformen gewinnen beispielsweise immer mehr an Bedeutung. Hieraus lassen sich wichtige Indikatoren zukünftiger Umsatzerlöse ableiten.

FOM: Welchen Beitrag leistet die FOM Hochschule, um Finanzbuchhalter und Controller bei diesem Wandel zu begleiten?

Preuss: An der FOM Hochschule haben Digitalisierungsthemen in allen Studiengängen einen hohen Stellenwert. In dem berufsbegleitenden Master-Studiengang „Finance & Accounting“ wird nicht nur umfassendes Wissen im Finanz- und Rechnungswesen vermittelt. Die Studierenden setzen sich auch mit betrieblichen Anwendungssystemen, IT-Architekturmodellen, Business-Intelligence-Lösungen und Machine-Learning-Verfahren auseinander. Nur so bekommen sie das notwendige Fachwissen und erlernen den Umgang mit modernen IT-Lösungen, damit sie ihren Beruf optimal ausüben können.