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Finanzierung virtuell lehren

„Herausforderungen machen meinen Beruf so spannend“

„Corona zwingt uns dazu, unser Lehrkonzept umzustellen und didaktisch anzupassen. Das ist für alle Beteiligten eine neue Erfahrung und eine große Herausforderung. Aber genau das ist es, was meinen Beruf für mich so spannend macht.“ Auch für Prof. Dr. Holger Rekow hat die Pandemie einige grundlegende Änderungen mit sich gebracht. Er hält eine Professur für Human Resource Management und Unternehmensführung an der FOM Hochschule in Nürnberg und unterrichtet üblicherweise in Präsenzform. Doch seit Mitte März, mit Beginn des „Shutdowns“, finden seine Vorlesungen online – z.B. in Form von Webinaren – statt. Auch mit der gewohnten häuslichen Ruhe für die Vorbereitung auf Lehrveranstaltungen ist es aufgrund der Schul- und Kita-Schließung vorbei. „Wenn man der Krise etwas Positives abgewinnen möchte, dann sicher die Tatsache, dass man spürbar mehr Zeit mit der Familie verbringt. Trotzdem geht man natürlich weiterhin dem Beruf nach“, so der Professor.

12.05.2020 | Nürnberg

Aktuell lehrt Prof. Dr. Rekow u.a. das Teilmodul „Finanzierung" im Studiengang „Soziale Arbeit“. „Per se ist das Fach Finanzierung nicht unbedingt ein Lieblingsthema – von Studierenden im Allgemeinen und dieses Fachbereichs im Speziellen“, sagt er, „umso wichtiger ist es für mich, ihnen die Scheu vor diesem Thema zu nehmen und eine gute Grundlage zu vermitteln.“ Seine Abfragen zu Beginn der Lehrveranstaltung haben gezeigt: In dem Kurs war kaum Vorwissen vorhanden. „Also habe ich meine Inhalte, von denen ich zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht wusste, dass sie zum größten Teil via Videokonferenz gelehrt würden, zielgruppenfokussiert strukturiert. Wichtige Begriffe wie Bilanz, Factoring, Annuität oder auch Außenfinanzierung und Kreditformen definiere ich immer passend zu den jeweiligen Lehrinhalten sowie den studentischen Voraussetzungen. Diese Definitionen stelle ich den Studierenden im Vorfeld – z.B. als Lösung zu den im Online-Campus der Hochschule eingestellten Übungsaufgaben – zur Verfügung. Hierdurch haben die Studierenden die Möglichkeit, sich zielgerichtet, effektiv und umfassend auf die Vorlesung vorzubereiten.“

„Auch Finanzierung kann Spaß machen“

Prof. Dr. Holger Rekow lehrt derzeit über Webinare (Foto: privat)

Seit Beginn der Corona-Krise hat der Hochschullehrer für seine Studierenden im Online-Campus der FOM bereits zahlreiche Materialien hochgeladen, die für das Selbststudium geeignet sind und die virtuelle Lehre sinnvoll ergänzen. Dazu zählen Erklärungen zum Vorlesungsskript ebenso wie regelmäßige Übungsaufgaben, spannende Lehrvideos und weitere interessante Inhalte. „Auch Finanzierung kann ja durchaus ein wenig Spaß machen“, sagt er augenzwinkernd. Seine Vorlesungen hält Prof. Dr. Rekow via Webex oder Zoom. „Die Studierenden sehen und hören mich, zusätzlich zeige ich ihnen Slides zum besseren inhaltlichen Verständnis. Regelmäßig frage ich nach, ob sie alles verstanden haben bzw. meinen Ausführungen folgen konnten. Dort, wo das nicht der Fall ist, gehe ich noch einmal gezielt auf einzelne Fragestellungen bzw. Themen ein.“ Auch die Corona-Pandemie und deren wirtschaftliche Folgen gehören aktuell zu seinen Lehrinhalten: „Nach der Krise wird es in allen Bereichen der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens um Finanzen gehen. Die Frage der Liquidität wird eine immense Rolle spielen und ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass auch die Studierenden mit Tätigkeiten im sozialen Sektor darauf vorbereitet sind und die kommenden Herausforderungen einzuschätzen lernen."

Prof. Dr. Holger Rekow ist seit 2019 Professor für Allgemeine BWL, insbesondere HR und Unternehmensführung, an der FOM in Nürnberg (Foto: Tom Schulte/FOM)

„Interaktion ist für beide Seiten wichtig“

Was wir aus der Pandemie lernen können? Er lacht. „Persönlich lerne ich gerade sehr viel im Umgang mit IT-Anwendungen. Und wir erleben derzeit, welchen Wert der normale soziale Umgang miteinander für uns alle hat.“ Schon jetzt freue er sich sehr darauf, seine Studierenden hoffentlich bald wieder im Hörsaal zu treffen, betont der Professor und fügt hinzu: „Gerade wegen der Präsenzlehre haben sich sicherlich viele Studierende für das Studium an der FOM entschieden.“ Die fortwährende Interaktion mit den Studierenden sei für ihn immer sehr wichtig, „da ich über die nonverbale Kommunikation feststellen kann, ob die Studierenden die Inhalte verstehen und mir noch folgen können oder ob ihnen nach einem anstrengenden Arbeitstag vielleicht einfach die Konzentration fehlt. All diese Informationen nehme ich auf und berücksichtige sie unmittelbar in meinen Lehrveranstaltungen. Bei den virtuellen Vorlesungen fällt dieser Aspekt zu einem großen Teil weg, denn zugunsten der besseren Datenübertragungsrate sehe ich die Studierenden häufig nicht über meinen Monitor. Selbst wenn ich aktiv nachhake, ob sie alles verstanden haben, werden zumindest dem Gefühl nach während der Veranstaltung weniger Rückmeldungen gegeben, als dies in der klassischen Hörsaalsituation der Fall wäre.“

Mehr Platz für Digitalisierung, ohne auf Präsenz zu verzichten

Auf die Frage, ob er sich virtuelle Lehrveranstaltungen zukünftig dennoch für die Lehre der FOM Hochschule vorstellen könne, antwortet Prof. Dr. Rekow: „Das bewährte Unterrichtskonzept sollten wir in jedem Fall beibehalten! Aber es macht sicherlich Sinn zu überlegen, in welchen Teilbereichen wir der Digitalisierung zukünftig mehr Platz einzuräumen könnten, ohne uns von dem Präsenzmodell zu verabschieden.“