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Gesundheitsforum zum Thema Selbsthilfe

Allein in Duisburg gibt es 194 Gruppen, in denen Menschen Hilfe bekommen

„In Selbsthilfegruppen sitzt man doch nur jammernd im Stuhlkreis.“ Viele Menschen haben noch immer ein falsches Bild von Selbsthilfegruppen. Das hat die FOM Hochschule in Duisburg zum Anlass genommen, beim diesjährige Gesundheitsforum aufzuklären: Was heißt eigentlich Selbsthilfe? Wie arbeiten Selbsthilfegruppen? Und welche Rolle spielen Angehörige?  Über 100 Betroffene, Familienmitglieder und Experten kamen zusammen, nahmen an Workshops teil, tauschten sich über ihre Erfahrungen aus und erhielten einen intensiven Einblick in die Arbeit und gesellschaftliche Bedeutung von Selbsthilfegruppen.

11.03.2020 | Duisburg

Selbsthilfegruppen von A-Z

Marina Nickel, stellvertretende Geschäftsleiterin der FOM in Duisburg und Organisatorin des Gesundheitsforums, betonte bei ihrer Begrüßung: „Mir ist in der Vorbereitungszeit auf diesen Tag das Thema Selbsthilfe ständig begegnet. Umso mehr freue ich mich, dass Selbsthilfegruppen heute im Fokus dieser Veranstaltung stehen!“ Auch Vertreter der Selbsthilfe-Kontaktstelle Duisburg waren vor Ort, darunter Kendra Zwickler: „Mittlerweile gibt es deutschlandweit rund 100.000 Selbsthilfegruppen mit ca. 3,5 Millionen Engagierten zu ganz unterschiedlichen gesundheitlichen und sozialen Themen. Allein in Duisburg haben wir 194 Gruppen. Trotzdem gibt es immer noch Vorurteile gegenüber der Selbsthilfe.“ Nicht wie oft vermutet, besuchen nur alte Menschen diese Gruppen. Denn: Adipositas, Süchte, Depressionen, Angststörungen, Trauer oder Krebserkrankungen – Probleme verschiedenster Art seien oft auch für viele junge Menschen nicht allein zu lösen. Selbsthilfegruppen bieten Menschen mit ähnlichen Schicksalen daher die Möglichkeit, sich auszutauschen und auf Verständnis zu treffen.

„Wie das Wir in der Selbsthilfegruppe zu einem gesunden Ich führen kann“

In Workshops zu acht verschiedenen Themengebieten berichteten Betroffene und Experten von ihren Erfahrungen, Ängsten und davon, wie sie selbst zur Selbsthilfe gekommen sind. Am b­esten besucht: der Workshop zum Thema Depression, Angst und Panik. Dietmar Reinberger von dem Bündnis gegen Depression kritisierte: „Sätze wie ‘Reiß dich mal zusammen, iss doch einfach Schokolade‘ helfen wirklich niemandem.“ Er verglich eine Depression mit Krebs: „Es ist eine Krankheit, die jeder bekommen kann. Nur, dass sie für Außenstehende oft nicht offensichtlich ist und nicht nachvollziehbar.“ Eine der Teilnehmerinnen stellte beispielsweise eine Frage zum Umgang mit ihrer Tochter, die seit rund zwei Jahren depressiv ist: „Wie geh ich richtig mit ihr um? Muss ich sie in Watte packen, darf ich auch mal streng sein?“ Reinberger erklärte, dass Angehörige nichts falsch machen können. Man solle lebendig sein, Gefühle zeigen und die Betroffenen nicht mit Samthandschuhen anfassen. „Jeder muss für sich selbst ein Gefühl entwickeln, wie man beispielsweise jemanden dosiert auffordert, etwas zu unternehmen, ohne ihn zu etwas zu zwingen“, so der Redner.

Teilnehmende konnten neben den Workshops in sogenannten „Rauschparcours“, die die Selbsthilfegruppe Dro-med-A e. V.  (Drogen, Medikamente und Alkohol) aufgebaut hat, erleben, wie sich die Sinneswahrnehmung unter Einfluss von Alkohol und LSD verändert. Auf einem Roller versuchten die Besucher durch eine Rauschbrille, die 1,2 Promille simuliert, keinen Verkehrskegel umzunieten und mit einem Hammer den Nagel auf den Kopf zu treffen. Fazit: „Gar nicht mal so einfach!“ Bei einer Entspannungspädagogin gab es außerdem die Möglichkeit, an einer „mentalen Massage“ teilzunehmen. Kendra Zwickler: „Die Gruppen und Organisationen der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe bekommen inzwischen in Fachwelt, Politik und Gesellschaft immer mehr Respekt und Anerkennung. Es ist wichtig, weiter daran zu arbeiten.“

Wer auf der Suche nach einer Selbsthilfegruppe ist, kann sich sich bei der Selbsthilfe-Kontaktstelle in Duisburg unter der Rufnummer 0203- 60 99 041 oder per Mail unter selbsthilfe-duisburg@paritaet-nrw.org melden.

Die FOM in Duisburg bietet im Hochschulbereich „Gesundheit & Soziales“ fünf Studiengänge an. Dazu zählen Gesundheits- und Sozialmanagement, Gesundheitspsychologie & Medizinpädagogik, Pflege, Pflegemanagement und Soziale Arbeit.

Beim 7. Gesundheitsforum in Duisburg ging es um das Thema Selbsthilfe (Foto: FOM/Tom Schulte)
Im "Rauschparcours" konnten die Teilnehmenden erleben, wie sich die Sinneswahrnehmungen unter Einfluss von Alkohol und LSD verändern (Foto: FOM/Tom Schulte)
V.l.n.r.: Marina Nickel, stellvertretende Geschäftsleiterin der Duisburger FOM, Kendra Zwickler und Anja Hoppermann von „Der Paritätische“ Selbsthilfe-Kontaktstelle Duisburg und Sandra Seidler, Geschäftsleiterin der FOM in Duisburg (Fotos: FOM/Tom Schulte)