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FOM Student Oliver Zeidler: Mentales Kraftpaket und neuer Ruder-Weltmeister 2019

Ein Mann, ein Boot, ein Studium

Dieser Mann ist auf dem Wasser zuhause. Zunächst war Oliver Zeidler Schwimmer, eines Tages jedoch gewann er einen Ergometer-Wettkampf und bekam prompt einen Anruf von Ruder-Bundestrainer Ralf Holtmeyer. In dem Telefonat musste Zeidler allerdings gestehen: „Ich kann gar nicht rudern.“ Das ist jetzt gerade einmal drei Jahre her. Vor einigen Wochen ist FOM Student Oliver Zeidler bei den Weltmeisterschaften 2019 in Österreich neuer Weltmeister im Einer geworden und beeindruckte die internationale Konkurrenz mit seinem Talent und seiner mentalen Power. Wie schafft es ein Leistungssportler, der so viel Zeit mit intensivem Training und Wettkämpfen verbringt, gleichzeitig auch noch berufsbegleitend zu studieren und zu arbeiten?

11.09.2019 | München

Rudern ist Kopfsache, ein Studium auch

Dass Rudern Kopfsache ist, hat wohl kaum jemand so verinnerlicht wie Oliver Zeidler. Neben der physischen Stärke zählt vor allem die geistige Verfassung. Wenn der Hochleistungssportler im Boot sitzt, dann heißt es: Konzentration. Dann dürfen seine Gedanken nicht plötzlich zur Klausur nächste Woche abschweifen oder zur Hausarbeit, die noch geschrieben werden muss.

Andererseits ist auch höchste Konzentration gefordert, wenn Oliver Zeidler im FOM Hörsaal in München sitzt: „Ich habe mein ganzes Leben, also auch schon während der Schulzeit, sehr viel Sport gemacht und diese sportliche Karriere mit meiner schulischen, akademischen und beruflichen Karriere vereint. Ich kenne es also gar nicht anders, als mit dieser Dreifachbelastung“, erzählt Zeidler mit einem Schmunzeln.

Duales Studium in Steuerrecht

Der 23-Jährige studiert im letzten Semester Steuerrecht am Münchener Hochschulzentrum und plant, den Master in Taxation anzuschließen. Dual absolviert er außerdem eine Ausbildung bei Deloitte, einem internationalen Beratungsunternehmen mit den Schwerpunkten WirtschaftsprüfungRisk Advisory, AdvisorySteuerberatung, Consulting und Financial Advisory.

Parallel bereitete sich Zeidler die letzten Jahre intensiv auf die Teilnahme an den Ruder-Weltmeisterschaften vor. Mit überwältigendem Erfolg! In einem packenden Finale Ende August ließ er die internationale Konkurrenz hinter sich, brachte sein Boot als Erster ins Ziel und holte sich erstmals Gold. Für den neuen Weltmeister bedeuteten die letzten Jahre eine harte Belastung und eine intensive Gestaltung seines Alltags – der aus Training, Wettkämpfen, Job und Studium besteht. Oliver Zeidler: „Die körperliche Anstrengung im Sport bietet mir einen super Ausgleich zur geistigen Betätigung im Studium und bei der Arbeit. Ohne die richtige Motivation und Ehrgeiz funktioniert´s aber natürlich nicht.“

„Habt keine Angst etwas Neues zu probieren und Wege zu gehen, die vorher noch niemand so bestritten hat" - Oliver Zeidler (Foto: Privat)

Der Alltag eines Weltmeisters – abends und nachts wird gelernt

Morgens vor der Arbeit geht es für Zeidler gewöhnlich zunächst zwölf Kilometer Rudern, was etwas über eine Stunde dauert. „Anschließend schmeiß ich mich in Schale und arbeite von 8 Uhr bis 17 Uhr im Büro. Dann geht es wieder mindestens zwei Stunden ins Training“, erklärt Zeidler. An Tagen, an denen Vorlesungen bereits um 18 Uhr beginnen, trainiert er morgens länger und nimmt sich dafür den Nachmittag frei. An Samstagen läuft oder schwimmt er noch vor den Vorlesungen, anschließend wird gerudert. An Abenden ist dann tatsächlich noch etwas Zeit zur körperlichen Entspannung und zum Lernen, was laut Zeidler meist bis spät in die Nacht dauern kann. „Es ist einiges an Zeitmanagement nötig, um alles zu koordinieren, da so gut wie keine Woche wie die andere ist.“ Und er ergänzt: „Ich bin damals in ein Programm meines Arbeitgebers aufgenommen worden, welches die akademische Ausbildung an der FOM im Bereich Steuerrecht inkludiert hat. So bin ich zur FOM gekommen und es hat sich als die perfekte Möglichkeit erwiesen, ein Bachelor-Studium mit meinem Alltag zu verbinden.“

Ruder-Weltmeister und FOM Student Oliver Zeidler (Foto: Privat)

Großer Mann mit großen Zielen

Oliver Zeidler ist eine imposante Erscheinung. Mit einer Schuhgröße von 49 und einer Körpergröße von 2,03 Meter ruderte er bei der Weltmeisterschaft allen davon – und dass, obwohl er erst vor drei Jahren als Quereinsteiger im schweren Ruder-Einer startete. Die Ruder-Gene hat Zeidler wohl von seinem Großvater Hans-Johann Färber geerbt – denn der holte 1972 bei den Olympischen Spielen in München die Gold-Medaille. Heute trainiert sein Enkelsohn am gleichen Ort, auf derselben Strecke. „Mein Vater ist mein Trainer, von ihm und auch von meinem Opa erhalte ich viele wertvolle Tipps.“

Der Großvater war es auch, der seinen Enkel auf die Idee brachte, an der FOM zu studieren. „Es war die richtige Entscheidung – das Studium im Bereich Steuerrecht bereitet mich optimal auf berufliche Herausforderungen vor und gibt auch Einblicke in Themenbereiche, mit denen man nicht alltäglich zu tun hat. Die Trainingslager habe ich schon oft dazu genutzt, mich intensiv in Themen einzulesen und auch Hausarbeiten zu schreiben. Studium und Sport stehen bei mir also in einer gesunden Wechselwirkung zueinander.“

Zeidlers Tipp: Keine Angst vor etwas Neuem

Oliver Zeidler hat auch einen guten Ratschlag für alle, die in ihrer beruflichen oder privaten Entscheidung noch unsicher sind: „Habt keine Angst etwas Neues zu probieren und Wege zu gehen, die vorher noch niemand so bestritten hat. Meist ist dieses Verhalten genau das, was uns erfolgreich macht. Es ist nicht immer ein Nachteil, ein Anfänger in etwas zu sein, denn die Steigerungsraten, die man in diesem Status erzielt, kann man fast unmöglich als erfahrener Athlet oder Fachmann erreichen.“ 

Zeidler ruderte bei der Weltmeisterschaft 2019 allen davon (Foto: Privat)