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Köln – China – Australien: Teil 1

Als Tutor nach Tai‘an: Insiderwissen aus China

Das weltbeste Popcorn, Schnorcheln mit Schildkröten und weit und breit kein Deo zu kaufen: Kleine Überraschungen, die die Reisen von FOM Studentin Babette Michaelis geprägt haben. Die 29-Jährige verbrachte fünf Monate als Tutor in China, reiste anschließend für ein weiteres vierwöchiges Auslandsprogramm der FOM nach Australien. Ihr Fazit: „Ich hab schon wieder Fernweh!“

05.06.2019

Babette Michaelis macht derzeit ihren Master in Human Resource Management an der FOM in Köln. Aktuell schreibt sie ihre Masterarbeit und wird ab Juli in einer Beratungsfirma arbeiten. Bevor das „richtige Leben“ losgeht, entschied sich die Kölnerin dazu, nochmal über den Tellerrand zu schauen – einen neuen Studienort, neue Kulturen, neues Essen und neue Menschen kennen zu lernen.

Der heilige Berg Taishan (Foto: Privat)

Mit der FOM als Tutor nach China

10 Stunden Wanderung, 1.545 Höhenmeter, ca. 6.300 Stufen bis zum Gipfel des heiligen Berges Taishan. Die Reise von Babette Michaelis ist geprägt von Höhepunkten. Von August bis Dezember verbrachte die 29-Jährige ihre Zeit als Tutorin in China – Tai‘an. „Ich bin per Zufall auf das Programm gestoßen, es hing im Hochschulzentrum am schwarzen Brett.“ Michaelis beschreibt Tai‘an als wunderschön und grün: „Trotz der 5.500.000 Einwohner wirkt es irgendwie gemütlich.“

Morgens um 8 Uhr ging es los zur Arbeit – zur Agraruniversität – College of International Education Shandong Agicultural University. Dort hielt die Kölnerin in der Regel drei Tutorien in Human Resource Management, Quantitative Datenanalyse und Handelsmarketing. Anschließend erledigte sie bis 18 Uhr „Bürosachen“, also Klausurvorbereitungen, Klausuraufsicht, Erstellung von Leitfäden und Erledigungen für Dozenten. Von 12 bis 14 Uhr war jedoch immer Mittagspause angesagt: „In den zwei Stunden essen und schlafen die Chinesen, um Energie zu tanken.“ Die Kölnerin lernte noch einige andere Sitten, Gebräuche und Verhaltensweisen kennen, weiß heute, was den chinesischen Alltag ausmacht.

Cheeeeeseeee! Ein Kurs der Agraruniversität in Tai‘an (Foto: Privat)

„Ich habe viel für mich gelernt“

Heute hinterfragt die Weltenbummlerin ihren deutschen Sprachgebrauch häufiger und versucht, Dinge herunter zu brechen: „Ich neige zum Perfektionismus, plane alles. Die Chinesen machen einfach und das hat mich sehr inspiriert.“ Bis zu drei Tage vor der Abgabe einer Seminararbeit hätten viele chinesische Studierende in einem Bearbeitungszeitraum von drei Monaten oft noch keinen Finger gerührt – und kriegen letztendlich doch alles rechtzeitig fertig. „Spontanität bekommt hier eine ganz neue Bedeutung“, so Michaelis.

Auch auf die Frage danach, was wirklich wichtig ist im Leben, konnte sich die Tutorin besinnen: „Die Chinesen haben ein anderes Leben als wir in Deutschland. Da stellt man sich nochmal die Frage – worauf lege ich eigentlich wert? Ich bin nach dieser Erfahrung definitiv dankbarer.“

Was Michaelis besonders beeindruckt hat, war das Überwinden der Sprachbarrieren. Ohne ein einziges Wort Chinesisch sprechen zu können, konnte sie sich mit Händen und Füßen unterhalten: „Mit Gestik, Mimik, Lachen, Kopfschütteln und Zeigen konnten wir uns verständigen.“ Hinzu kam hier und da noch eine Übersetzer-App.

Mensa-Essen frisch aus dem Wok

„Das Essen ist köstlich, aber man darf nicht empfindlich sein“, meint Michaelis. Ihr Lieblingsessen in der Mensa: Gebratene Reisnudeln mit Gemüse und Pulled Chicken für gerade mal einen Euro. „In der Mensa wurde alles ganz frisch im Wok zubereitet – an einem Tag lebt man mit gerade mal fünf Euro wie ein König.“ Ihr persönliches Highlight war das Popcorn: „An einem heruntergekommenen Stand auf der Straße gleich neben der Universität gab es das beste Popcorn, das ich jemals gegessen hab. Schokoladengeschmack, Honig oder Pistazie!“ Aber auch Gehirn, Insekten, 1000-jährige Eier, Seegurken und Esel probierte die mutige Reisende während ihrer Zeit in China und meint: „Es schmeckt tatsächlich besser, als man denkt.“

Babette Michaelis reiste mit der FOM als Tutor nach China (Foto: Privat)

„10 Dinge, die man laut Babette Michaelis über China wissen sollte“

  • Spontanität ist das A & O.
  • Mahlzeiten sind heilig – Die Vorbereitungen dauern Stunden und das Essen wird in vielen chinesischen Familien regelrecht zelebriert.
  • Bargeld ist veraltet und nicht beliebt – jeder bezahlt elektronisch.
  • Alles ist übersüßt.
  • Viele Chinesen sind bis in das hohe Alter aktiv und Frühaufsteher, treiben schon vor acht Uhr morgens Sport.
  • Züge fahren immer pünktlich ab.
  • Schon ein einziges chinesisches Wort bricht das Eis.
  • Aufgaben werden fast immer auf den letzten Drücker erledigt.
  • Zum Frühstück gibt es meistens pürierte Bohnen, Nudeln, Reis, Gemüse und Wraps.
  • China ist sehr vielfältig – an jedem Ort ist es anders.
Michaelis hat viele Kontakte und Freundschaften geknüpft - bald kommen einige chinesische Studierende auch nach Deutschland (Foto: Privat)

Tipps für den Aufenthalt in China:

  • Mutig sein und ausprobieren.
  • Selfielächeln üben – denn Ausländer sind selten und ein beliebtes Fotomotiv.
  • Eine gute Übersetzungsapp benutzen.
  • Kosmetikprodukte selber mitbringen.
  • Zur Ameise werden und einfach mal mit dem Strom laufen.
  • Gestik und Mimik benutzen, besonders Lächeln öffnet Türen.
  • Die deutschen Maßstäbe in allen Bereichen des Lebens ablegen.
  • WeChat statt WhatsApp – Netzwerken ist heilig!

Selfie-Rekord

„Ich kann nur jedem ans Herz legen, einmal nach China zu fahren – bestenfalls als Tutor.“ Die Studierenden seien neugierig, hilfsbereit und pflegen immer noch Kontakt zu der Kölnerin. „Bald kommen sie nach Deutschland, freuen sich schon am meisten auf die deutschen Weihnachtsmärkte und Feste.“

Das Leben in China sei einfach entspannt. „Auf dem Weg zur Uni hab ich morgens an jeder Ecke Frauen beim Tanzen oder beim Tai-Chi gesehen – es ist eine andere Welt.“ Außerdem habe sie sich als Europäerin wie ein kleiner Star gefühlt. Mit blonden Haaren und als einzige Ausländerin, habe sie noch nie so viele Selfies geschossen wie dort.

Ansprechpartner vor Ort

 „Die FOM hat uns in jeder Hinsicht super betreut. Wir wurden immer unterstützt – wenn es um das Visum, chinesisches Essen oder alltägliche Dinge wie Post verschicken ging.“

Zu Michaelis Reise nach Australien, zu den Summer Studies in Sydney, erscheint bald Teil 2. Darin berichtet sie über das Notensystem in Australien, das Leben als Vollzeitstudentin und die schönsten Lernorte Sydneys.