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New Work: Good Job!

Was hat Hunger mit Erfolg zu tun?

„New Work“ ist in aller Munde. Auch an der FOM Hochschule in Düsseldorf drehte sich jetzt alles um den Megatrend. Was sich hinter dem Ansatz „New Work“ verbirgt und welche Veränderungen damit einhergehen – damit setzen sich die Autoren Alexander Kornelsen, Florian Lanzer, Lucas Sauberschwarz und Lysander Weiß in ihrem Buch „Good Job! - Neue Impulse für eine absurde Arbeitswelt“ auseinander. An der FOM hielten die Autoren eine Lesung, anschließend beantwortete uns Alexander Kornelsen noch die wichtigsten Fragen im Interview:

22.07.2019 | Düsseldorf

Herr Kornelsen, verraten Sie uns das Geheimnis: Wie werden Mitarbeiter tatsächlich glücklich?

„Diese Frage lässt sich nicht mit standardisierten Antworten oder New Work-Plattitüden beantworten. Stattdessen gilt es, die individuellen Bedürfnisse bestmöglich zu erfüllen. Bei dem einen kann das mehr Flexibilität bedeuten, bei der anderen eine klare Work-Life Trennung und beim Dritten einen besonderen Sinn bei der Arbeit zu finden. Es gilt also erst einmal zu verstehen: Was macht mich glücklich? Dann kann man gemeinsam mit dem Arbeitgeber an dieser Vision arbeiten und personalisierte Lösungen finden. Das kann natürlich auch bedeuten, dass man sich selbstständig macht oder das "Glück" bei einem anderen Unternehmen findet.“

In Ihrem Buch sprechen Sie davon, dass Hunger und Verrücktheit in Zusammenhang mit Erfolg stehen – können Sie das erläutern?

„`Stay hungry, stay foolish`, (`Bleib hungrig, bleib verrückt`), so lautet die Kernaussage von Steve Jobs berühmter Abschlussrede an der University of Stanford. Obwohl er selbst sein Studium abbrach, um eins der wertvollsten Unternehmen der Welt zu gründen, gilt Jobs bis heute als Vorbild für viele Manager und Unternehmer. Dieser inspirierende Appell sollte idealerweise auch Schülern bereits ab der ersten Klasse mit auf den Weg gegeben werden. Die Realität sieht leider anders aus. Kritiker auf der ganzen Welt beklagen, dass Kindern bereits im frühen Alter ihre Kreativität systematisch abtrainiert wird. Wer es also heutzutage dennoch schafft neugierig, kreativ, interessiert, pfiffig zu sein, der wird auch im Beruf Erfolg haben.“

Glauben Sie, dass es möglich ist, weniger zu arbeiten und dabei mehr zu erreichen?

„Dies ist eine Frage der Effizienz. Wie viel Zeit verbringen Mitarbeiter mit dem Weg zur Arbeit, zeitraubenden Meetings und dem Erstellen von Präsentationen die am Ende eh nur im (digitalen) Papierkorb landen. Es geht darum weg von der simplen Zeitarbeit hin zur ergebnisorientierten Arbeit zu kommen. Wenn ich mich daran messen lasse, welche Ergebnisse ich erreiche, statt wie viel Zeit ich am Schreibtisch gesessen habe, ändert sich das persönliche Mindset und ich fange an, Dinge wesentlich effizienter zu erledigen. Vielleicht gibt es auch Arbeitsplätze an denen ich produktiver bin. Manche behaupten zum Beispiel im Zug zu einem Termin am effektivsten arbeiten zu können. Ganz abgesehen davon, dass unsere Leistung abnimmt, wenn wir zu viel arbeiten. Studien haben gezeigt, dass ein Mitarbeiter bei einer 70-Stunden Woche weniger erreicht als wenn dieser nur 50 Stunden arbeiten würde. Hier gilt es also viele Paradigmen zu hinterfragen und gemeinsam mit den Mitarbeitern herauszufinden wie diese persönlich am effektivsten und effizientesten arbeiten können.“

Bilder-Galerie: New Work-Lesung

Und kann ich ein Privatleben führen, wenn dieses mit dem Job verschmilzt?

„Die fortschreitende Entwicklung der Digitalisierung hat u.a. den großen Vorteil, dass wir jederzeit und von überall aus arbeiten können. Dies ermöglicht uns eine nie da gewesene Arbeitsflexibilität. Die Gefahr ist aber auch, dass Mitarbeiter gedanklich stetig bei der Arbeit sind. Selbst am Wochenende und im Urlaub. Wichtig ist, dass persönliche Regeln geschaffen werden, um auch mal richtig abschalten zu können und ein Privatleben führen zu können: Beispielsweise das Firmenhandy nach 20 Uhr ausmachen oder E-Mails im Urlaub nicht lesen. Für manche Menschen ist dies besonders wichtig, aber es gibt auch das andere Spektrum: Mitarbeiter, oft die Gründer oder Geschäftsführer, für die ihre Arbeit mehr ein Hobby ist oder gar ihr größter Lebenssinn. Für diese ist es nicht so wichtig regelmäßig abzuschalten, weil sie große Energie aus ihrer Arbeit ziehen. Aufpassen müssen natürlich alle. Der ehemalige COO von Cola Cola hat dazu eine schöne Geschichte gezeichnet: „Stellen Sie sich vor, das Leben sei die Kunst des Jonglierens mit 5 Bällen: Arbeit, Familie, Gesundheit, Freundschaft und Spiritualität müssen in der Luft gehalten werden. Schnell werden Sie verstehen, dass die Arbeit ein Gummiball ist. Wenn Sie ihn fallen lassen, springt er wieder hoch. Aber die anderen bestehen aus Glas! Wenn einer davon herunterfallen sollte, wird er zerkratzt, angebrochen, beschädigt oder sogar komplett zerbrochen. Daran müssen Sie denken, wenn Sie ihr Leben balancieren.” Auch hier gilt wieder: Jeder Mensch ist anders und muss für sich selbst entscheiden wie weit Arbeit und Privatleben verschmelzen dürfen.“