• FOM
  • 2019
  • Juli
  • Apps auf Rezept und Videosprechstunden - 10. Health Management Forum in Dortmund

10. Health Management Forum: Apps auf Rezept und Videosprechstunden

Veränderung im Gesundheits- und Sozialwesen

Das Thema Nummer 1 im Gesundheits- und Sozialwesen: Die fortschreitende Digitalisierung, Technisierung und der wirtschaftliche Druck. Welche Neuerungen sind zu erwarten? Und wie verändern sie Organisationen und Systeme? Diesen und weiteren Fragen gingen Experten des Gesundheits- und Sozialwesens an der FOM Hochschule in Dortmund beim „10. Health Management Forum“ nach. Gesundheits-Experte und FOM Professor Dr. Christoph Winter sieht Innovation als „die Herausforderung schlechthin“ an und beantwortet im Interview Fragen rund um die Veränderungen im digitalen Zeitalter.

12.07.2019 | Dortmund

Prof. Dr. Winter, welche Neuerungen sind im Gesundheits- und Sozialwesen zu erwarten?

„Der wesentliche Innovationstreiber im Gesundheits- und Sozialwesen wird die Digitalisierung sein. Auch die Politik hat dies erkannt und kürzlich einen sog. "Health Innovation Hub" eingerichtet, mit dem Digitalisierungschancen entdeckt und bewertet werden sollen. Hier erwarten wir insbesondere einen qualitativen Schub durch Künstliche Intelligenz aber auch durch Robotik bzw. neuartige patientenorientierte Smartphone-Apps, mit denen eine optimierte Patienten-Compliance durch Selbstüberwachung von Krankheiten ermöglicht werden soll.“

Wie verändern sich dadurch Organisationen und Systeme?

„Die Unternehmen des Gesundheits- und Sozialwesens sind sich der Tatsache wohl bewusst, dass die Digitalisierung Arbeitsinhalte, die Organisation und die Zuständigkeiten im Sinne einer optimalen Arbeitsteilung nachhaltig verändern wird. Hier werden digitale Kompetenzen seitens der Beschäftigten im Gesundheitswesen erwartet. Gleichwohl schreckt diese Entwicklung beispielsweise zunehmend Pflegekräfte ab, sich für den Beruf zu entscheiden, was den Fachkräftemangel noch verschärft. Also ist es unsere Aufgabe als Hochschule entsprechende Qualifizierungen und Informationen zu dem Thema zu initiieren, damit die digitale Transformation im Gesundheitswesen gelingen kann.“

FOM Professor Dr. Christoph Winter war jahrelang Geschäftsführer in verschiedenen Krankenhäusern, hat als OP-Helfer, Rettungsassistent, Pflegediensthelfer und wissenschaftlicher Projektleiter des Gesundheitswesens gearbeitet (Foto: FOM/ Tom Schulte)

Beim 10. Health Management Forum an der FOM Hochschule in Dortmund wurden einigeStart-Up-Initiativen vorgestellt. Worum ging es dabei?

„Die auf der Tagung anwesenden Start-Ups haben positive Beispiele für innovative Ideen im Gesundheits- und Sozialwesen präsentiert und diese im Plenum zur Diskussion gestellt. Es ging um digitale Lösungen für Hygiene-Kontrollen und Aufbereitungsprozesse von Medizinprodukten in Gesundheitseinrichtungen und um digitale Lösungen für die Betriebliche Gesundheitsförderung. Zentral scheint hier eine digital unterstützte Dokumentation zu sein. - Aber auch eine interessante analoge Innovation wurde präsentiert, eine einzigartiges Sitzgerät für höhenverstellbare Schreibtische, mit dem der Beschäftigte wie auf einem Fahrrad auch am Schreibtisch ständig in Bewegung ist. Einhellig hatten die Entrepreneure den Eindruck, dass Innovationswille und -fähigkeit der Unternehmen auf dem Gesundheitssektor noch nicht groß genug sind.“

Beim 10. Health Management Forum in Dortmund ging es um Veränderungen im Gesundheits- und Sozialwesen (Foto: FOM)

Es ist in aller Munde und auch der Bundesgesundheitsminister fordert „Apps auf Rezept“ – was sagen Sie dazu? Halten Sie die Nutzung für sinnvoll?

„Moderne Smartphone-Apps, die beispielsweise den Diabetiker bei der Blutzucker- und Insulin-Überwachung unterstützen, sind ein Quantensprung in Richtung Patienten-Compliance. Die Patienten-Autonomie und -Verantwortlichkeit wird mithilfe dieser Anwendungsprogramme nachhaltig gestärkt und die Qualität der Behandlung deutlich verbessert. Das gilt insbesondere für Therapien, die die Mitwirkung des Patienten erfordern. Im Sinne der Qualitätssicherung halte ich diese Entwicklung daher für äußerst positiv auch wenn ich sehe, dass nicht jeder gesetzlich Versicherte davon profitieren wird.“

Sind die Sorgen berechtigt, dass Datenschutz und Datensicherheit nicht gewährleistet seien?

„Das "Medikament Innovation / Digitalisierung" hat nicht nur positive Wirkungen. Bedenke die Nebenwirkungen einer jeden Arznei! Und überall da, wo Daten erhoben und gespeichert werden, ist die Grenze zum Datenmissbrauch niedrig. Das sehen wir beispielsweise an den aktuellen Warnungen vor der geliebten "Alexa", die Nutzer in ihrem "Smart-Home" nicht nur unterstützt, sondern von Hackern auch zum Ausspähen vertraulicher Informationen im häuslichen Umfeld genutzt werden kann. Aus diesem Grunde wollen wir hoffen, dass im Digitalen-Transformationszeitalter Datenschützer in der Lage sind, diese ungeliebten Nebenwirkungen zu beseitigen.“

Jubiläum: Zum 10. Mal fand das Health-Management-Forum in Dortmund statt (Foto: FOM)