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14.02.2019 | Hannover

Im Gespräch mit Management-Beraterin Claudia Schrader

New Work: Neue Formen der Arbeit in der digitalisierten Welt

Wer meint, dass sich das „New Work“-Konzept nur auf bunte Arbeitswelten der Silicon-Valley-Unternehmen anwenden lässt, lebt außerhalb der Realität. Darin waren sich die Teilnehmer des „New Work“-Workshops an der FOM Hochschule in Hannover einig. Und mehr noch: „Neue Arbeit“ zwingt Unternehmen und Institutionen zum Wandel in Organisation und Unternehmenskultur.

Frau Schrader, „New Work“ hat viele Facetten. Sie aber rücken den Menschen ausdrücklich in den Mittelpunkt. Das ist etwas romantisierend, oder?

Management-Beraterin Claudia Schrader (Foto: FOM)
Claudia Schrader (Foto: FOM)

Der Begründer von „New Work“, der Anthropologe Frithjof Bergmann, hat schon in den 1970er-Jahren Automobilarbeitern die Frage gestellt: Was willst Du wirklich tun? Das galt damals noch mehr als heute als mindestens merkwürdige Frage. Und dennoch ist sie für viele von uns heute ein Thema, denen es nicht allein um Karriere und Geld geht, sondern um ein sinnerfülltes Leben.

Und wer sich dieser neuen Unternehmenskultur verweigert?

Der wird erleben, dass Mitarbeiter innerlich kündigen, so wie es jetzt bereits 15 bis 25 Prozent in vielen Unternehmen tun.“ In Einzelfällen sind es bis zu 60 Prozent, die sich nicht mehr engagieren. Der Schaden für die Unternehmen allein in Deutschland geht in die Milliarden, von den Gesundheitskosten für die Allgemeinheit ganz abgesehen. Und das wirkliche Drama: Das sind Menschen, die ihr Potential nicht leben und nicht wirklich wirksam sind.

Was haben Unternehmen davon, als Helfer bei der Sinnsuche aufzutreten?

Zufriedene, erfüllte Mitarbeiter, die sich mit ihrer Arbeit identifizieren und nicht nur Dienst nach Vorschrift machen. Die neue Wissensgesellschaft braucht kreative Mitarbeiter und Kreativität braucht Freiräume.

Eine neue Unternehmenskultur ist notwendig?

Exakt. Es braucht eine Unternehmenskultur, die dem Mitarbeiter Freiräume schafft: durch flache Hierarchien, teamorientiertes Arbeiten, durch die Möglichkeit, sich in Prozesse des Unternehmens kritisch-konstruktiv einzubringen. Das äußere Zeichen der Veränderungen sind dann die quietschbunten Bürolandschaften. Da können Mitarbeiter frei entscheiden, ob sie sich in eine Ecke zum stillen Arbeiten zurückzuziehen oder mit anderen den Austausch suchen – im Besprechungsraum oder in einer Raumecke, die zum kreativen Querdenken anregt.