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Bayerischer VDE-Award für „Bee Digital“

Nürnberger FOM Absolvent erfindet digitalen Bienenstock

Beruflich beschäftigt er sich mit Antriebstechnologien, studiert hat er Business Administration und Technologie- & Innovationsmanagement. Den Bayerischen VDE-Award jedoch erhielt Stephan Röß jetzt für die Erfindung eines digitalen Bienenstocks. Mit „Bee Digital“ möchte der 38-jährige Ingenieur aus Herzogenaurach Bienenvölker vor dem Befall der Varroa-Milbe schützen. Wie dieses spezielle Vorhaben mit seinem Studium, seinem Job und seiner Forschung zusammenhängt und was es mit dem digitalen Bienenstock auf sich hat, verrät er im Interview.

02.12.2019 | Nürnberg

Herr Röß, herzlichen Glückwunsch zum VDE-Award in der Kategorie Wissenschaft! Wie kommt man als Competetive Intelligence Manager eines Nürnberger Automobilzulieferers auf die Idee, neue Wege zum Schutz von Bienen zu erforschen?

Im berufsbegleitenden Master-Studium „Technologie- & Innovationsmanagement“ an der FOM Hochschule ging es unter anderem um das Thema Nachhaltigkeit. Eine Hausarbeit über die Rolle der Biene in unserem Ökosystem war der Auslöser, mich tiefer in das Thema einzuarbeiten. Die Idee für den digitalen Bienenstock ergab sich letztlich sowohl aus dem Studium als auch aus meinem Beruf, bei dem digitale Technologien und Künstliche Intelligenz ebenfalls sehr präsent sind.

Der technologische Ansatz für den Schutz von Bienen ist eine Seite der Medaille. Was fehlt, ist das Wissen aus der Biologie und der Imkerei…

Dazu gibt es zum Glück sehr umfangreiche Literatur. Das Bienensterben und dessen Auswirkung auf unser Ökosystem ist ja nichts Neues. Forscher beschäftigen sich seit einigen Jahren mit der Entwicklung von Methoden, um den Befall der Bienen durch Varroa-Milben zu bekämpfen. Ich habe mir deren Ideen und Forschungsergebnisse angeeignet und dies mit digitaler Fotografie und dem Einsatz Künstlicher Intelligenz verknüpft.

Wie genau funktioniert der digitale Bienenstock?

„Bee Digital“ ist ein sensorgestützter Bienenstock. Sensoren liefern Daten zu den Umweltbedingungen, digitale Kameras machen Fotos der Bienen beim Ein- und Ausflug. Die Sensor- und Bilddaten werden dann mithilfe Künstlicher Intelligenz ausgewertet, der Grad des Milbenbefalls wird anhand von Deep-Learning-Verfahren festgestellt. Sobald der Befall kritisch für den Fortbestand des Bienenvolkes wird, startet eine natürliche Methode der Schädlingsbeseitigung: die Bienen-Sauna. Dafür werden Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Bienenstock erhöht, was weder den Bienen noch deren Larven schadet, die Milbe aber tötet.

In der Theorie klingt das einleuchtend und ökologisch sinnvoll. Inwieweit ist Ihr Modell denn schon in der Praxis umsetzbar?

Ein minimal funktionsfähiger Prototyp ist entwickelt und er funktioniert auch. Was zur umfassenden Umsetzung der Idee noch fehlt, sind Daten. Tausende Bilder gesunder und befallener Bienen sind für das Anlernen der KI ebenso nötig wie ausreichender Speicherplatz. Dazu werden weitere Fördermittel benötigt. Mit meinem System können über die Milbenthematik hinaus auch weitere Themen analysiert werden, z.B. geeignete Standorte und Bienenstockarten sowie nachhaltige Entnahmemengen für Honig und die Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft auf die Bienen.

Stephan Röß, Absolvent der FOM Hochschule in Nürnberg, kombiniert digitale Technologien für den Bienenstock der Zukunft (Foto: privat)

Es scheint, als ob dieses Thema ein längeres Projekt für Sie wird.

Mein Plan ist die Einwerbung von Fördermitteln, um das Projekt weiter voranzubringen. Ich bin davon überzeugt, dass es großes Potenzial besitzt. Mir ist aber bewusst, dass ich das nicht alleine und nebenbei stemmen kann, deshalb habe ich auf die Beantragung eines Gebrauchsmusterschutzes verzichtet und bin für wissenschaftliche Kooperationen offen. Schließlich ist das Thema wichtig für uns alle. Vielleicht gelingt es mir, ein Open-Science-Projekt daraus zu machen.

Ihre wissenschaftliche Karriere neben dem Beruf geht also weiter…

Auf jeden Fall. In meiner Dissertation, für die ich gerade ein Exposé formuliere, möchte ich mich mit Künstlicher Intelligenz und Nachhaltigkeit befassen und unter anderem moralische, und ökonomische Ansätze im Zusammenhang mit digitalen Technologien erforschen. KI-Forschung interessiert mich persönlich sehr, da ich diese als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts betrachte, gleichzeitig hilft mir die wissenschaftliche Denkweise und Expertise auch in meinem Beruf.

Zur Person

Stephan Röß ist Competitive Intelligence Manager bei Vitesco Technologies, ehemals Continental Division Powertrain. Seinen Master of Science in Technologie- und Innovationsmanagement absolvierte er an der FOM Hochschule in Nürnberg. Aufgrund seiner Leidenschaft für Mobilität kam er vor 18 Jahren zu Continental. Lange Zeit lag sein Fokus im Qualitätsmanagement auf statistischen Methoden zur Optimierung von Prozessen und Produkten. Nach einem Zwischenstopp in der Forschung und Entwicklung ist er aktuell im Business Development tätig. Seine Forschungsschwerpunkte sind Autonomes Fahren, Blockchain, Elektrifizierung, Künstliche Intelligenz, Mikromobilität und Smart Grid Technologien.

Der VDE-Award

Der VDE Bayern gehört zum Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik e.V. und fördert den Technologie- und Forschungsstandort Bayern. Mit dem VDE-Award werden herausragende technische, wissenschaftliche und schulische Leistungen sowie innovative Firmengründungen ausgezeichnet.