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Angela Buhne betreibt mit ihrem Mann einen Kartoffelhof und lehrt Wirtschaftspsychologie an der FOM in Bochum

Morgens an der Schälmaschine, abends im Hörsaal

Vom ersten Staatsexamen als Grundschullehrerin über eine Ausbildung als Agrar-Bürofachkraft zur Wirtschaftspsychologin und Dozentin an der FOM Hochschule: Der Berufsweg von Angela Buhne erinnert an einen Zickzack-Lauf. Und doch zeigt er sehr deutlich, dass Flexibilität eine wichtige Voraussetzung dafür ist, das eigene berufliche (und in diesem Fall auch private) Glück zu finden.

Angela Buhne ist Landwirtin und FOM Dozentin
Angela Buhne hilft vormittags im heimischen Kartoffelschälbetrieb und kümmert sich um Hof und Kinder (Fotos: privat)

„Ich bin in Münster aufgewachsen und habe nach dem Abitur das Lehramtsstudium für die Grundschule absolviert. Aus dem Referendariat wurde dann aber nichts mehr, weil sich meine private Situation um 180 Grad gewendet hatte“, erinnert sich Angela Buhne schmunzelnd. Die private Situation, das war das Angebot eines kinderlosen Ehepaares zur Übernahme eines Kartoffelhofs in Warendorf. „Mein damaliger Freund und heutiger Mann hatte Landwirtschaft studiert – dieses Angebot war die Chance seines und damit auch meines Lebens“, so Buhne.

Wie sich das auf dem Land gehört, wurde erst einmal geheiratet. Statt als Referendarin Kinder zu unterrichten, ging Angela Buhne selbst wieder unter die Lernenden: In ihrer Ausbildung zur Agrar-Bürofachkraft – und als Mitbetreiberin des Kartoffelhofes – erfuhr sie alles über die Buchhaltung und Organisation eines landwirtschaftlichen Betriebs. „Wir lebten uns schnell hier ein und beschlossen, zusätzlich zum Kartoffelanbau auch einen Kartoffelschälbetrieb zu etablieren.“

Begeisterte Mutter, Arbeitgeberin und Studentin

Nach der Geburt ihres Sohnes und ihrer Tochter stellten ihr Mann und sie fest, dass Personalgewinnung und -führung auch in der Landwirtschaft neue Qualität erfordert. „Ich erkundigte mich nach Möglichkeiten, wie ich mich auf diesem Gebiet weiterbilden könnte und schrieb mich an der FOM in Münster für den Master in Wirtschaftspsychologie ein“, berichtet sie. Einen Haken hatte das Master-Studium: „Da ich im Erststudium keine BWL studiert hatte, musste ich erst eine Klausur schreiben und bestehen.“ Sie nahm sich eine Woche Auszeit und zog sich fürs Lernen auf die Insel Borkum zurück. „Ich schaffte die Klausur und war von diesem Zeitpunkt auch begeisterte Studentin.“

Was ein berufsbegleitendes Studium für einen Menschen, der in der Landwirtschaft selbständig ist, heißt, können viele nur erahnen. Angela Buhne: „Unser Tag beginnt gegen vier in der Früh. Wochenenden ohne Arbeit gibt es nicht. Die schöne Idee einer Work-Life-Balance existiert in der Landwirtschaft nicht, weil Arbeit und Privatleben hier einfach nicht zu trennen sind. Daher war das Zeitmanagement im Studium schon eine besondere Herausforderung für mich – mit der fantastischen Unterstützung meiner ganzen Familie und der Dozenten ist mir das gut gelungen.“

Angela Buhne lehrt Wirtschaftspsychologie an der FOM
Begeistert für die wissenschaftliche Lehre: Angela Buhne bereitet sich am Schreibtisch auf ihre FOM Vorlesungen vor.

Wissen aus dem Studium in die Landwirtschaft transferiert

Auf die Frage, was ihr das Studium für den Hofalltag gebracht hat, sagt sie wie aus der Pistole geschossen: „Da gibt es so vieles. Allen voran wenden wir unglaublich viel im Personalbereich an. Bei uns gibt es jetzt Entwicklungs- und Feedbackgespräche und wir schauen, welche Benefits wir unseren Angestellten bieten können. Alles in allem achten wir viel mehr darauf, wen wir für welche Aufgaben einsetzen und wie wir Kompetenzen bei unseren Angestellten fördern können. Dazu kommen das Marketing und der Vertrieb – auch hierfür habe ich viel aus dem Studium mitgenommen.“

Für ihre Master-Thesis beschäftigte sich Angela Buhne konsequenterweise mit einem Thema der Landwirtschaft. „Ich habe erforscht, ob es das Burnout-Problem auch in der Landwirtschaft gibt und mit welchen Lösungsansätzen man dem entgegenwirken könnte.“ Sie interviewte zahlreiche Landwirte und stellte erschüttert fest: „Die Anzahl an Burnout erkrankter Landwirte steigt stetig an und auch Suizid in Folge eines Burnouts ist in der Landwirtschaft keine Seltenheit mehr. Es gibt so viele Baustellen, die dringend angegangen werden müssen. Vor allem der psychische Druck, unter dem viele stehen, muss endlich ernst genommen werden.“

Spaß daran, Wissen weiterzugeben

Damit sie ihre Leidenschaft für die Wirtschaftspsychologie weitergeben kann, hat Angela Buhne jetzt einen Lehrauftrag an der FOM in Bochum übernommen. „Ich lehre differentielle Psychologie und es macht mir unglaublich viel Spaß, mein Wissen weiterzugeben – vor allem das, was ich mir selbst hart erarbeiten musste, wie etwa die Statistik.“

29.04.2019 | Bochum und Münster