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02.09.2016

Aktuelles

Logistik-Weiterbildung 4.0: Im Rahmen des Forschungsprojektes MARTINA entsteht ein mobiles Lernspiel

Was kommt heraus, wenn Logistik und Kreativwirtschaft mit dem Ziel zusammenarbeiten, Inhalte für Trainings- und Schulungsprojekte zu entwickeln? Ein mobiles Lernspiel, mit dessen Hilfe praxisorientierte Inhalte rund um Sicherheit und Compliance in der Logistik vermittelt werden. So lautet die Zwischenbilanz zum im Januar 2016 gestarteten Forschungsprojekt „CreateMedia in Mobility and Logistics – Innovative Weiterentwicklung der Logistik-Aus- und Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen“ – kurz: MARTINA. Warum die Entscheidung für eine Gamification-Anwendung gefallen ist und welche weiteren Schritte geplant sind – dazu äußert sich Thomas Neukirchen, wissenschaftlicher Mitarbeiter des ild Institut für Logistik- & Dienstleistungsmanagement der FOM Hochschule, im Interview.

Thomas Neukirchen bei einem MARTINA-Workshop (Foto: Tom Schulte)
Thomas Neukirchen bei einem MARTINA-Workshop (Foto: Tom Schulte)


Kurz zur Orientierung: Wer ist – neben dem ild – noch in das Projekt MARTINA eingebunden?

Thomas Neukirchen: Bei dem Projekt handelt es sich um ein Verbundvorhaben, an dem das Institut für Kunst- und Designwissenschaft der Folkwang Universität der Künste, die TÜV Rheinland Akademie, die T.W.O.-Agentur für Werbung und Markenprofil sowie paluno – The Ruhr Institute for Software Technology (Universität Duisburg-Essen) beteiligt sind. Wir haben es also mit einer Cross-Cluster-Kooperation zwischen der Medien- und Kreativwirtschaft auf der einen und dem Logistik- und Mobilitätszweig auf der anderen Seite zu tun. Gefördert übrigens im Rahmen des NRW-Leitmarktwettbewerbs „Medien und Kreativwirtschaft“ unter Einsatz von Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) 2014-2020 „Investitionen in Wachstum und Beschäftigung“.

Mit welcher Zielsetzung sind Sie im Januar 2016 angetreten?

Thomas Neukirchen: Unser Plan war, eine Lernplattform für Trainings- und Schulungsprojekte im Logistikbereich zu entwickeln. Und zwar vor dem Hintergrund, dass dort gerade einiges in Bewegung ist. Mit GPS, RFID, Social Media & Co. tauchen nach und nach immer mehr Themen auf, in denen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Logistik und Distribution geschult werden müssen.

Statt an einer Lernplattform sitzen Sie aber aktuell an dem Prototyp eines Lernspiels. Warum der Gamefication-Ansatz?

Thomas Neukirchen: Um eine Schwierigkeit zu bewältigen, die wir von Anfang an hatten: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen freiwillig auf unsere Inhalte zugreifen. Die besten Chancen – so unsere Überlegung – haben wir dabei mit einem spielerischen Ansatz. Der Impuls dazu kam von den Kolleginnen und Kollegen vom TÜV. Sie arbeiten in Weiterbildung und Schulung bereits seit längerem mit Spielen und haben sehr positive Erfahrungen gesammelt: Spiele sind motivierend und liefern einen Anreiz, neue Dinge zu erkunden.

Wie sieht Ihr Spielkonzept aus?

Thomas Neukirchen: Das Spiel setzt sich aus verschiedenen Ebenen zusammen. Auf jeder Ebene warten neue Aufgaben auf den Nutzer oder die Nutzerin, so dass sie oder er das Gefühl hat, an einer wachsenden Geschichte beteiligt zu sein. Zu Beginn fungiert man noch als Angestellte oder Angestellter, die oder der Aufträge seines Arbeitgebers erfüllt. Später wird ein eigenes Unternehmen gegründet, für das u.a. Kundennetze aufgebaut werden müssen.

Mit welchen Themen werden die Nutzerinnen und Nutzer dabei konfrontiert?

Thomas Neukirchen: Als Einstieg – und quasi Einleitung für das gesamte Spiel – geht es um das Thema Erste Hilfe. Dabei wird zum Beispiel die Frage gestellt, welche fünf Schritte zuerst erledigt werden müssen, wenn man an eine ungesicherte Unfallstelle kommt. Angezeigt werden zwölf unterschiedliche Punkte, von denen fünf ausgewählt werden können. Beim Thema Ladungssicherung – um ein weiteres Beispiel zu nennen – erscheint zunächst ein Einleitungstext, in dem eine Führungskraft erläutert, dass es in der vergangenen Zeit häufig zu Problemen kam. Die Nutzerin oder der Nutzer soll nun einen Kontrollgang durch das Lager machen und dabei nach dem Rechten sehen. Angezeigt wird dann ein Bild mit mehreren unsicheren Ladungssituationen, die identifiziert werden müssen.

Wie kam es zu der Themenauswahl?

Thomas Neukirchen: Bereits im Vorfeld zum Projekt haben wir eine Literaturrecherche durchgeführt, um herauszufinden, mit welchen Themen sich Logistikunternehmen immer wieder konfrontiert sehen und wo Weiterbildungsbedarf besteht. Zusätzlich haben wir 45 Expertinnen und Experten um eine Einschätzung gebeten. Als Top 3 Themen konnten wir auf diese Weise Ladungssicherheit, Gefahrgut und Kundenservice identifizieren, die wir unter dem Oberthema „Sicherheit und Compliance in der Logistik“ zusammengefasst haben. Weitere Punkte, die wir später noch aufgreifen können, lauten Nachhaltigkeit, Automatisierung und Risikomanagement.

Wie geht es jetzt weiter mit dem Prototyp?

Thomas Neukirchen: Am 28. Oktober findet von 15:00 bis 18:00 Uhr in Duisburg das FOM Logistik Forum statt. Dort werden wir den Prototypen vorstellen und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch Gelegenheit zum Testen geben. Das Feedback fließt direkt in die weitere Arbeit ein.

Geplant ist zudem die – eingangs erwähnte – Lernplattform. Dort sollen alle Inhalte auch zum Nachschlagen und Vertiefen zur Verfügung gestellt werden. Ende 2018 soll das Ganze dann soweit sein, dass es auch auf andere Branchen übertragen werden kann.