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„Der schnellste Weg zu meinem beruflichen Ziel“

Steuerberater: Ausbildung und Berufsschule parallel zum Dualen Studium

„Man lernt über sich hinaus zu wachsen. Und das ist wichtig für das gesamte weitere Berufsleben“, sagt FOM Student Justus Borschbach über die Zeit während seines Dualen Studiums Steuerrecht (LL.B.) an der FOM Hochschule in Hannover. Gemeint ist die Kombination aus Berufsschulunterricht, praktischer Ausbildung im Betrieb und Bachelor-Studium an der FOM, mit der junge Nachwuchskräfte auf ihren Einsatz als Steuerberater oder Steuerberaterin hinarbeiten. Eine anstrengende Zeit. Und doch bereut Borschbach – wie viele seiner Kommilitoninnen und Kommilitonen – die eingeschlagene Richtung keineswegs: „Es ist schlichtweg der schnellste Weg zu meinem beruflichen Ziel.“

14.10.2021 | Hannover
Justus Borschbach absolviert an der FOM Hochschule das Duale Studium „Steuerrecht“. (Foto: Privat).
Justus Borschbach absolviert an der FOM Hochschule das Duale Studium „Steuerrecht“. (Foto: Privat).

Borschbachs Berufswunsch kommt dabei nicht von ungefähr. Seine Eltern sind ebenfalls Steuerberater – mit eigener Sozietät in Celle. „Natürlich habe ich vorab abgewogen, ob der Beruf überhaupt etwas für mich ist. Aber dann habe ich mich entschieden, den Betrieb meiner Eltern weiterzuführen. Immerhin sind die Verdienstmöglichkeiten als Steuerberater nicht schlecht und die Selbstständigkeit klang auch attraktiv.“ Ein reines Studium kam für ihn jedoch nicht infrage. „Gerade in diesem Berufszweig ist es wichtig, die Praxis und auch die Menschen zu kennen. Vor allem, um sich als junge Person ein gewisses Standing in der Kanzlei aufzubauen und zu zeigen: Ich kann nicht nur Theorie“, erzählt er. Eine klassische, praktische Ausbildung zum Steuerfachangestellten war ihm hingegen zu wenig. „Obwohl die Praxis sehr wichtig ist, wollte ich trotzdem ein Bachelor-Studium absolvieren. Denn dank des Bachelor-Abschlusses besteht die Möglichkeit, das Steuerberaterexamen nach nur drei Jahren Praxis anzugehen. Und es berechtigt mich für ein Master-Studium – zum Beispiel in Taxation“, so der 23-Jährige. Das Duale Studium an der FOM Hochschule kam ihm deshalb sehr gelegen.

Fachkräfte sichern durch Akademisierung
„Forciert wurde das Modell vor ein paar Jahren von der Steuerberaterkammer Niedersachsen“, erklärt Kai Bullmahn, Leiter des Bildungsgangs Steuern an den Berufsbildenden Schulen Hannah-Ahrendt in Hannover und selbst Steuerberater. Anlass hierfür waren die durch die Demografie abnehmende Zahl von Abiturientinnen und Abiturienten, die der Steuerbranche zur Verfügung stehen sowie die steigende Studierneigung der jungen Leute. „Schulabgängerinnen und Schulabgänger wollen immer häufiger studieren. Daher ergibt sich zukünftig die zunehmende Gefahr, dass sich die jungen Menschen vermehrt gegen eine Ausbildung in dem Berufszweig entscheiden könnten. Dabei bietet der Ausbildungsberuf ebenso gute Karrieremöglichkeiten wie ein Studium und ist hierzu eine gute Alternative. Die Verbindung von Studium und Ausbildung erhöht also die Chance, junge Menschen, die unbedingt studieren möchten, für die Steuerbranche zu gewinnen“, sagt Bullmahn.

Um den Karriereweg in der Steuerbranche wieder attraktiv zu machen und für bestmöglich ausgebildete Nachwuchskräfte zu sorgen. Dabei kooperieren die Steuerberaterkammer Niedersachsen, die Berufsbildenden Schulen Hannah-Ahrendt in Hannover und die FOM Hochschule zusammen mit den Ausbildungsbetrieben. Die dual Studierenden besuchen Vorlesungen aus dem Bachelor-Studiengang „Steuerrecht“ an der FOM und den Berufsschulunterricht der Hannah-Ahrendt-Schule. Die übrigen Werktage sind sie in den jeweiligen Kanzleien und absolvieren dort den praktischen Teil ihrer Ausbildung zum Steuerfachangestellten. Die Lerninhalte sind dabei eng aufeinander abgestimmt und bauen aufeinander auf, sodass die Ausbildung bereits nach zwei Jahren abgeschlossen werden kann. Der akademische Bachelor of Laws-Abschluss (LL.B.) wird nach sieben Semestern erreicht.

Kai Bullmahn, Oberstudienrat und Steuerberater, leitet den Bildungsgang Steuerfachangestellte an den Berufsbildenden Schulen Hannah-Arendt. (Foto: Privat)
Kai Bullmahn, Oberstudienrat und Steuerberater, leitet den Bildungsgang Steuerfachangestellte an den Berufsbildenden Schulen Hannah-Arendt. (Foto: Privat)

Schneller ans Ziel mit dem richtigen Fokus
Das verlangt den Studierenden einiges ab, weiß Bullmahn. Deshalb rät er dazu, sich ausreichend zu überlegen, ob man die Herausforderung tatsächlich auf sich nehmen möchte. „Man merkt schon, dass unsere Schülerinnen und Schüler fokussierter und ernsthafter sind als klassisch Studierende“, sagt er. Dafür erlange man für sein Leben Resilienz. Das bestätigt auch Borschbach: „Das typische Studentenleben inklusive Feierabendbier mit den Kumpels fällt beim Dualen Studium meistens flach. Dafür kommt man schlichtweg schneller ans berufliche Ziel und hat schon in jungen Jahren eine Menge vorzuweisen.“

Borschbach selbst möchte in zwei Jahren ‚fertiger‘ Steuerberater sein. Und dann? „Entweder mache ich noch ein Master-Studium. Oder ich beginne gleich zu arbeiten, weil ich das Geld brauche“, meint er scherzhaft. Oberstudienrat Bullmahn hat ebenfalls große Pläne. „Steuerberater werden in Zukunft enorm gefragt sein, weil demnächst viele ältere von ihnen in Rente gehen. Deshalb würden wir uns freuen, wenn unsere Jahrgänge zukünftig zahlenmäßig weiter steigen.“ Um der Nachfolgegeneration an Steuerberaterinnen und Steuerberatern den Weg zu ebnen, bleiben die Berufsbildenden Schulen Hannah-Arendt und die FOM Hochschule in engem Kontakt und passen ihre Lehrpläne kontinuierlich aneinander und an die sich ändernden Anforderungen an den Beruf an.