• FOM
  • 2021
  • Juli
  • Prof. Dr. Kathrin Bieler: „Das Sozialwesen braucht dringend qualifizierten Nachwuchs!“

Bachelor und Master: „Soziale Arbeit“ an der FOM in Siegen studieren

„Das Sozialwesen braucht dringend qualifizierten Nachwuchs!“

Ob in der Kinder- und Jugendhilfe, in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung oder in der Altenhilfe: Qualifizierte Fach- und Führungskräfte sind in der Sozialen Arbeit gefragt wie nie – auch in Siegen und der Region. „Es herrscht seit Jahren ein akuter Fachkräftemangel, und die Corona-Krise hat den Bedarf an Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern noch einmal zusätzlich erhöht“, weiß Prof. Dr. Kathrin Bieler. Die Siegener FOM Expertin für Soziale Arbeit hat selbst jahrelange Praxiserfahrung im Sozialwesen – und engagiert sich noch heute für die Altenhilfe-Einrichtungen der Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe. Im Interview spricht sie über die Perspektiven in Organisationen der Sozialen Arbeit mit einem Bachelor-Studium und erklärt, warum und für wen sich ein vertiefender Master lohnt. 

08.07.2021 | Siegen

Sie lehren hauptberuflich im Hochschulbereich „Gesundheit & Soziales“ an der FOM Hochschule in Siegen. An wen genau richtet sich das berufs- bzw. ausbildungsbegleitende Bachelor-Studium „Soziale Arbeit“?

Prof. Dr. Kathrin Bieler: Der Bachelor-Studiengang vermittelt ein breites Wissen rund um die Soziale Arbeit, aber auch aus Bezugswissenschaften wie Pädagogik, Psychologie und Soziologie. Interessant ist das Studium daher natürlich für all diejenigen, die bereits in sozialen Berufen tätig sind und ihr Fachwissen erweitern möchten. Erzieherinnen und Erzieher qualifizieren sich mit dem Hochschulabschluss u.a. für Leitungspositionen in Kindertagesstätten oder der Kinder- und Jugendhilfe, Pflegefachkräfte können sich mit einem Bachelor beispielweise für neue Aufgaben in der Altenhilfe empfehlen. Gleichzeitig ist das Studium ein Einstiegstor für Quereinsteiger, die keine Ausbildung in sozialen Berufen oder eine andere Vorqualifikation mitbringen, um in der Sozialen Arbeit tätig werden zu können. Wer das Bachelor-Studium erfolgreich abschließt und den geforderten Praxisanteil erbracht hat, erhält die staatliche Anerkennung als Sozialarbeiter/-in bzw. Sozialpädagoge/-gin. 

Haben Sie unter Ihren Studierenden viele Quereinsteiger? Und worin liegen Ihrer Meinung nach die Beweggründe für einen solchen beruflichen Neuanfang?

Bieler: Ich kenne einige Studierende, die sich neu orientieren möchten und einen Quereinstieg in die Soziale Arbeit anstreben. Die Gründe sind dabei vielfältig, oftmals gehen erste persönliche Berührungspunkte mit dem Berufsfeld voraus – viele haben beispielsweise in der Vergangenheit ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert oder engagieren sich ehrenamtlich. Ich habe es auch schon oft erlebt, dass Studierende in ihrer eigenen Lebensgeschichte direkten Kontakt mit Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern hatten, weil Familienangehörige – oder sogar sie selbst – beraten oder begleitet wurden, beispielsweise bei Schicksalsschlägen. Gerade aus einem solchen Zusammenhang heraus kann dann der Wunsch entstehen, einer sozialen Tätigkeit nachzugehen und ebenfalls Menschen in problematischen Lebenslagen zu begleiten.

Wie gut sind denn die Einstiegschancen im Berufsfeld der Sozialen Arbeit hier in der Region?

Bieler: In Siegen und Region gibt es eine Vielzahl von freien und öffentlichen Trägern und entsprechend gute Ein- und Aufstiegschancen. Der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitenden ist definitiv da, denn genauso wie der Pflegesektor haben wir in der Sozialen Arbeit einen akuten Fachkräftemangel. Seit Jahren erleben wir einen gesellschaftlichen, strukturellen und kulturellen Wandel, die Handlungsfelder werden entsprechend vielseitiger und umfangreicher. Zudem sind durch die Corona-Pandemie viele Probleme noch einmal verstärkt geworden, vor allem in der Kinder- und Jugendhilfe und der Alten- und Behindertenhilfe – also bei Menschen, die durch die Restriktionen in besonderem Maße in ihrem sozialen Leben eingeschränkt waren. Nicht zu vergessen der anstehende Generationenwechsel: Die „Baby-Boomer-Generation“, die in sozialen Berufen breit vertreten ist, geht in den nächsten Jahren nach und nach in Rente. Das Sozialwesen braucht dringend qualifizierten Nachwuchs!

Prof. Dr. Kathrin Bieler
Prof. Dr. Kathrin Bieler ist Professorin für Soziale Arbeit an der FOM in Siegen (Foto: FOM / Tom Schulte)

Die FOM in Siegen bietet jetzt auch einen Master in Sozialer Arbeit an. Was unterscheidet das Master-Studium vom Bachelor? 

Bieler: Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen der Sozialen Arbeit sind sehr gut aufgestellt, um in den unterschiedlichsten Handlungsfeldern tätig werden zu können. Um sich jedoch in bestimmten Fachgebieten gezielt zu spezialisieren – beispielsweise in der systemischen Beratungspraxis – muss in der Regel noch eine Weiterbildung absolviert werden, die zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen kann. Mit dem Master-Studiengang „Soziale Arbeit“ an der FOM vertiefen Fachkräfte nicht nur ihr Spezialwissen, sondern haben nach zweieinhalb Jahren auch noch einen Master-Abschluss in der Tasche – schlagen also sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Außerdem gibt es in der Sozialen Arbeit viele verantwortungsvolle Aufgaben, die Beratungs- und Management-Kompetenzen voraussetzen – beispielsweise im gehobenen Dienst und in der oberen Führungsebene von sozialen Organisationen und Einrichtungen. All diese Kompetenzen erwerben die Studierenden im Master und qualifizieren sich so für entsprechende Führungspositionen. Nicht zu vergessen, dass der Master-Abschluss den Weg in eine Promotion eröffnet, denn auch hier brauchen wir dringend wissenschaftlichen Nachwuchs!