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Business Consulting & Digital Management studieren

„Persönlichen Beratungsansatz finden, um glaubwürdig zu sein“

Er verfügt über langjährige Erfahrung in der strategischen IT-Beratung, in der Optimierung von Geschäftsprozessen und im Changemanagement: Dr. Alfons Bridi, geschäftsführender Partner bei Curo Consulting, erfahrener Dozent und Autor. Im Interview spricht er über die Grundlagen erfolgreicher Beratung, über die rote Couch und darüber, was er Berufstätigen im Master-Studium an der Wiener FOM Hochschule zum Thema Consulting beibringen möchte.

05.07.2021 | Wien

Herr Dr. Bridi, wenn im September das Wintersemester an der FOM Hochschule in Wien startet, werden Sie als Dozent im Master-Studiengang Business Consulting & Digital Management berufstätigen Master-Studierenden unter anderem neues Wissen zum Thema Beratung vermitteln. Worum wird es in Ihren Vorlesungen gehen?

Dr. Alfons Bridi: Zunächst einmal wird es um klassische Beratungstheorie gehen: Was zeichnet Beratung aus? Welche Beratungsansätze gibt es? Und welche Menschenbilder liegen diesen Ansätzen zugrunde? Darüber hinaus werde ich mit meinen Studierenden Tools und Methoden der Beratung besprechen und kritisch beleuchten, wie die wissenschaftliche Theorie mit der Beratungsrealität übereinstimmt.

Was sollte Ihrer Ansicht nach in der Beratungspraxis beherzigt werden?

Auf etwas, das manche junge Wilde gar nicht gerne hören: Auf Demut vor bereits Geleistetem. Ich kann als Berater nicht in ein Unternehmen gehen und nur das sehen, was nicht gut läuft. Insbesondere in Change-Prozessen sollte man immer auch im Auge behalten, was gut war, und das würdigen, worauf frühere Erfolge beruhten. Das ist der Grundstein für alles Neue. Zudem sollte jeder Berater seinen persönlichen Beratungsansatz finden, um auch glaubwürdig zu sein. Und nicht zuletzt ist es bei der Beratung wichtig, alle Hierarchieebenen zu berücksichtigen und Veränderungsprozesse nicht nur von oben nach unten zu steuern, sondern auch das Feedback von unten nach oben aktiv einzuholen und bei weiteren Entscheidungen zu berücksichtigen.

Wie kann das konkret funktionieren?

Bei größeren Veränderungsprozessen habe ich die Erfahrung gemacht, dass es hilfreich ist, in allen Bereichen des Unternehmens Mitarbeitende zu haben, die als so genannte Change Agents fungieren: Sie tragen die Idee der Erneuerung in ihre Bereiche und holen Feedback ein. Das kann beispielsweise mit Hilfe einer Meckerecke funktionieren. Dann gibt es noch die rote Couch. Sie kann, an einem neutralen Ort stehend, zu regelmäßigen Fragerunden der Belegschaft mit dem Vorstand oder der Geschäftsführung genutzt werden. Wenn die oberste Hierarchieebene ihre Ziele und die damit verbundenen Schritte glaubhaft und verständlich erklärt, sind die Beschäftigten eher bereit, diesen Weg auch konsequent mitzugehen.

Dr. Alfons Bridi, Dozent für Consulting und Management an der FOM Hochschule in Wien (Foto: privat)

Auf dem Lehrplan des Studiengangs stehen Module wie Digital Business, Organisationale Transformation, Digitalisierung von Geschäftsprozessen, Design Thinking und Business Model Innovation. Wie wichtig sind digitale Kompetenzen heute für die Beratung?

Sehr wichtig! Die digitale Transformation macht vor keinem Unternehmen und vor keiner Branche mehr halt. Bereits heute, aber vor allem in der Zukunft werden Geschäftsmodelle und Geschäftsprozesse umfassend auf den Prüfstand gestellt werden. Einerseits verändern digitale Technologien die Geschäftswelt und bringen für alle Unternehmensbereiche neue Chancen mit sich, andererseits kommt in den nächsten Jahren eine Generation in den Arbeitsmarkt, die ein extremes Sicherheitsbedürfnis und ein großes Interesse an Work-Life-Balance hat, aber auch unglaublich viel Innovationspotenzial. Diese Entwicklungen gilt es in der internen wie in der externen Beratungspraxis zu berücksichtigen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Silke Fortmann