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26-jähriger Stuttgarter geht mit cleanskip.de neue Wege

Master-Student und Gründer: Patrick Lindgren und sein Einsatz für mehr Nachhaltigkeit

Alle reden von nachhaltiger Lebensweise – doch wie schafft man es, die Menschen mitzunehmen? Patrick Lindgren, Master-Student an der FOM Hochschule in Stuttgart, ist sich sicher: Die Gesellschaft von morgen muss Individuen den Anreiz geben, die richtige Entscheidung für mehr Nachhaltigkeit im Alltag zu treffen. Die ressourcenschonende Gesellschaft wird nach seiner Überzeugung künftig über wirtschaftliche Mechanismen verfügen, die mit der menschlichen Natur in Einklang sind und dadurch „Gutes tun” ganz leicht machen.

08.07.2021 | Stuttgart

Am Anfang war die Dienstreise. Für Patrick Lindgren, in einem Beratungsunternehmen beschäftigt, waren – zumindest bis Corona kam – Hotelzimmer eine Art zweite Heimat. Dabei fielen dem studierten Betriebswirtschaftler immer wieder die kleinen Zettel, Aushänge und Hinweisschilder auf, die dem Gast ein Goodie versprachen, wenn er auf bestimmte Dinge verzichtet. Da gab es beispielweise ein freies Getränk an der Bar, wenn man den täglichen Handtuchwechsel nicht in Anspruch nimmt. Oder ein Glas Honig für den Fall des Verzichts auf die tägliche Zimmerreinigung.

„Das sind sicherlich löbliche Versuche, die Menschen zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen“, erzählt der 26-Jährige. Und weiter: „Irgendwann hatte ich dann die Idee, dass dies doch auch professioneller angepackt werden könnte – mit einer digitalen Lösung.“ Gesagt – getan: Gemeinsam mit seinem Jugendfreund Markus Niebel, den er schnell von seinem Vorhaben überzeugen und als Partner gewinnen konnte, machte sich Lindgren an die Umsetzung. Die Geburtsstunde von cleanskip.de.

Master-Studium „IT Management“, Fulltime-Job und Start-up Gründung

Die Grundidee: Auf digitalem Weg eine Belohnung für nachhaltiges Handeln zu schaffen. Statt auf Zettelwirtschaft und Aushänge können beteiligte Hotels künftig auf eine Online-Plattform und eine App setzen. Patrick Lindgren: „Der Gast kann so bereits vor Ankunft im Hotel mitteilen, dass er bestimmte Reiningungsleistungen nicht in Anspruch nehmen wird. Das Hotel weiß also, dass es hier teilweise Kosten spart – und kann dem Gast wiederum eine ‚Belohnung‘ geben. Das kann ein Einkaufsgutschein sein oder zum Beispiel auch eine Spende zugunsten einer wohltätigen Einrichtung.“

Dass aus der Idee zügig ein realistisches Modell und aus den beiden jungen Männern Gründer wurden, hatte schließlich mit mehreren Faktoren zu tun. „Mein Kollege ist ohnehin technisch sehr versiert, er hat die Plattform quasi entwickelt“, betont Lindgren. Da er selbst eher aus dem Bereich der Betriebswirtschaft kommt, wurde sein berufsbegleitendes Master-Studium an der FOM Hochschule in Stuttgart zum idealen Plus.

Cleanskip Nachhaltigkeit FOM Stuttgart
FOM Master-Student Patrick Lindgren (links) mit seinem Geschäftspartner Markus Niebel (Foto: Cleanskip)

Patrick Lindgren: „Was ich im Studiengang ‚IT Management‘ lerne, bringt mich unheimlich weiter. Beispielweise habe ich Dinge aus der Vorlesung ‚Sicherheitsmanagement‘ direkt für unser Start-up umgesetzt.“

Roll-out mit ersten Hotels und noch viele andere Optionen

Die Technik hinter cleanskip ist denkbar einfach. Beim Einchecken wird vom Hotel ein Code generiert. Mit diesem Code loggt sich der Gast bei cleanskip.de oder durch Scannen des QR-Codes mit dem Smartphone ein und gibt an, auf welche Reinigungsleistungen er verzichten möchte. Daraufhin wird ihm das Skip-Guthaben angezeigt, das er nach eigenem Wunsch einsetzen kann – als Spende, Gutschein oder auch als Trinkgeld für das Hotel. „Am Ende gewinnen alle: Hotels, Gäste und vor allem die Umwelt“, so der FOM Student.

Die Website von cleanskip.de ist online, jetzt geht es ans Ausrollen des Modells. Mit kleineren Hotels in Baden-Württemberg starten die beiden Gründer in die konkrete Umsetzung. Und das alles neben dem Vollzeit-Job und einem anspruchsvollen Master-Studium des 26-Jährigen. Geht alles gut – wovon Patrick Lindgren überzeugt ist – wird man sich im nächsten Schritt auch an mittelgroße Hotelketten wagen. Die Web-Applikation eröffnet allerdings auch weitere Möglichkeiten. Lindgren: „Unser Modell kann letztlich auf viele Bereiche im Dienstleistungssektor ausgerollt werden. Wir sind selbst gespannt, was sich alles ergeben wird.“