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FOM Student etablierte eigene Wein-Marke auf dem Markt

„Eine Schippe Mut gehört bei jeder Gründung dazu“

Wie heißt es doch so schön? Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken. „Nichts falsch macht man mit einem guten, feinherben Riesling – mein persönlicher Favorit“, grinst Raphael Schmidt. Der 28-Jährige weiß, wovon er spricht: Mit seiner Marke „Messing“ vertreibt er seit gut einem Jahr biozertifizierte, vegane Weine aus nachhaltigem Anbau. Zur Gründung motiviert hat ihn vor allem sein Studium an der FOM Hochschule. 

17.02.2021 | Gütersloh

Bereits seit acht Jahren ist Raphael Schmidt in der Getränkebranche zuhause: Seine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann und ein anschließendes Traineeship absolvierte der Bielefelder bei einem internationalen Getränkevertrieb, im selben Unternehmen betreute er schon bald als Brand Manager verschiedene Premium-Marken. „Mittlerweile bin ich bei einem Event-Dienstleister tätig und kümmere mich als Vertriebs- und Marketingspezialist um das Segment ‚Spirituosen‘ – und interessiere mich auch privat für ‚edle Tropfen‘ und Kulinarik. Dass ich mich jedoch letztes Jahr in diesem Bereich selbstständig gemacht habe, das verdanke ich in erster Linie meinem Studium“, verrät der Jungunternehmer. 

Etwas Eigenes schaffen

Raphael studiert seit knapp dreieinhalb Jahren berufsbegleitend an der FOM, empfohlen wurde ihm die private Hochschule von einem früheren Arbeitskollegen. „Am Hochschulzentrum in Gütersloh wurde damals ganz neu der Bachelor-Studiengang ‚Business Administration‘ angeboten. Da ich gerne meine Wirtschaftskenntnisse vertiefen, gleichzeitig aber meinen Job nicht aufgeben wollte, passten die FOM und dieser Bachelor perfekt!“ Das Studium lieferte Raphael nicht nur umfassendes Gründungs-Know-how, sondern auch den Impuls, sich etwas Eigenes aufzubauen: „Unser Dozent im Modul ‚Management Basics‘ hat uns in einer Vorlesung von seinem erfolgreichen Einstieg in ein Getränke-Start-up erzählt. Ich habe Feuer gefangen und dachte mir: Warum nicht irgendwann in diesem Bereich selbstständig machen?“

Raphael bringt ein Schild am Weingut an
Die Trauben für die Weine kommen von einem Bio-Weingut an der Mosel (Foto: Messing Weine)

Eine Begegnung mit Folgen

Den finalen Ausschlag gab schließlich ein rein zufälliges Treffen, erinnert sich Raphael zurück: „Mein Stiefvater ist Gastronom, auf einer Wein-Messe bin ich mit seinem Bio-Winzer ins Gespräch gekommen. Dabei hat er mir von seinem Dilemma berichtet: Dass sein Unternehmen rein auf dem Stammkundengeschäft fußt, er mit Blick auf die Zukunft aber auch neue, jüngere Zielgruppen erreichen will – doch nicht so richtig weiß, wie er das angehen soll.“ Der 28-Jährige bot kurzerhand seine Unterstützung an, machte sich Gedanken zu einem zeitgemäßen Vertriebskonzept. Schnell reifte dabei die Idee, mit einer kleinen, aber feinen Auswahl neu kreierter Weine eine junge Marke zu entwickeln: „Was braucht es, um in der Masse aufzufallen und echte Kaufargumente zu schaffen? Die Antwort: Passgenaue Markenwerte, mit denen sich die Zielgruppe identifizieren kann. Bei der Generation Y sind das vor allem Authentizität und Nachhaltigkeit. Je mehr ich mich mit diesem Ansatz beschäftigte, wusste ich: Das wird was! Und habe dem Winzer eine Zusammenarbeit angeboten.“ 

Umdenken? Kein Problem!

Wenige Monate später ist „Messing“ geboren – eine Marke, hinter der biozertifizierte Weine aus nachhaltigem Anbau und veganer Herstellung stehen. „Ich konnte mit Jan Hunke einen Freund aus der Szene-Gastronomie als Unterstützer gewinnen. Seine Expertise, mein Studienwissen und meine langjährige Praxiserfahrung gaben mir eine gewisse Sicherheit. Aber klar, eine Schippe Mut gehört bei jeder Gründung natürlich schon dazu!“ Ein Verkauf im LEH stand nicht zur Debatte, „im Supermarktregal wären die Weine schlichtweg untergegangen“. Stattdessen war der Plan, sich zunächst auf die Gastronomie und einen Online-Shop zu konzentrieren: „Gestartet sind wir mit einem kleinen Verkostungsevent, weitere Veranstaltungen waren bereits angesetzt. Doch dann kam Corona – Umdenken war angesagt. Wir haben unseren Online-Auftritt weiter professionalisiert und ordentlich Akquise in unserem Bekanntenkreis betrieben. Dadurch ist irgendwie eine Art Lauffeuer entfacht, schon nach kurzer Zeit hatten wir Bestellungen aus ganz Deutschland!“ Nach Ende des ersten Lockdowns traten die Freunde verstärkt an Gastronomen und Weinhändler, aber auch an Boutiquen und Concept-Stores heran. „Unsere Produkte werden beispielsweise in einer Möbelmanufaktur verkauft – ganz nach dem Motto: Erst den neuen Tisch oder das Regal aufbauen, und sich dann mit einem Glas Wein belohnen“, schmunzelt der Bachelor-Student. 

FOM Student und Gründer einer Weinmarke: Raphael Schmidt
FOM Student und Gründer einer Wein-Marke: Raphael Schmidt (Foto: Messing Weine)

Volle Kraft voraus

Mittlerweile werden die Weine in rund 50 Bars, Restaurants und Geschäften angeboten, auch der Online-Shop wächst weiter. Ein Erfolg, der nicht nur mit viel Herzblut, sondern auch mit harter Arbeit verbunden ist, berichtet der junge Gründer: „Anfangs hatte ich drei Abende pro Woche für ‚Messing‘ reserviert, bald kamen dann noch die Wochenenden hinzu. Bestellungen bearbeiten, Pflege des Online-Shops, Buchhaltung, Kundenservice, Verkostung neuer Rezepturen… Und all das neben Hauptjob und Vorlesungen. Ein gutes Zeitmanagement ist also das A und O. Aber es macht mir einfach unglaublich viel Spaß und ich möchte noch so viel mit diesem Projekt erreichen!“ Raphael steckt voller Tatendrang, hat für 2021 große Pläne. Anfang Januar ist sein Kindheitsfreund und FOM Kommilitone Felix Broeker als Geschäftspartner eingestiegen: „Als Kreativkopf und Digital-Experte hat er mich von Beginn an unterstützt. Da war es nur die logische Konsequenz, dass er jetzt auch ganz offiziell mit an Bord kommt.“ Gemeinsam wollen die beiden FOM Studenten die Marke noch weiter nach vorne bringen, eine Kooperation mit einem weiteren Weingut ist bereits in Planung. Auch sein Bachelor-Studium schließt Raphael in Kürze ab. „Und das wird definitiv ein Grund, mit einem guten Tropfen anzustoßen!“

Raphaels Tipp an alle, die über eine Gründung nachdenken:

„Wenn die Idee erstmal da ist, sollte man sich mindestens drei Wochen intensiv damit beschäftigen. Und sich dabei fragen: Wo möchte ich hin? Was ist meine Perspektive, mein konkretes Ziel? Und vor allem: Ist mein Vorhaben zukunftstragend? Kann man sich diese Fragen eindeutig beantworten und ist immer noch von seiner Vision überzeugt: Mutig sein und die Idee angehen!“ 

Raphael bei der Weinprobe
Raphael bei einer Weinprobe (Foto: Messing Weine)