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Prominenter Besuch an der FOM in Köln

Mathe-Profi und Youtube-Star im Interview

Seine Video-Tutorials zählen rund 60 Millionen Views pro Jahr – er ist DER Mathe-Profi schlechthin. Jetzt besuchte Daniel Jung die FOM Hochschule, gab in seinem Vortrag „Mathe-Lernen 2020 – Vom Pauken zum Verstehen“ den Kölner FOM Studierenden Tipps und Tricks für effizientes Lernen. Im Interview mit Prof. Dr. Alexander Spermann spricht er jetzt über „Bulimielernen“, die allseits bekannte „Druckbetankung vor Klausuren“ und das absehbare Ende des Taschenrechners.

23.09.2020 | Köln

Daniel, du bist seit 2011 mit Mathe-Videos auf YouTube. Seit knapp zehn Jahren lernen Schülerinnen und Schüler mit deinen inzwischen über 2.500 Videos. Du hast über 500.000 Abonnenten und 250 Millionen Aufrufe. Die FAZ bezeichnet dich als Mathe Rockstar. Auch FOM-Studenten nutzen deine Erklärvideos. Wie erklärst du dir den Erfolg? 

Daniel: Die Videos werden genutzt, um Wissenslücken zu schließen und Lernstoff aufzufrischen, aber auch zur gezielten Klausurvorbereitung. Auch werden die Videos eingesetzt, um sich neue Sachen beizubringen. Das bestätigt eine wissenschaftliche Untersuchung im Auftrag der Körber-Stiftung. Aus vielen Kommentaren weiß ich, dass Lehrer und Professoren auf meine Videos verweisen und zum Teil im Unterricht einsetzen.

Trotzdem gibt es auch Bedenken. Kritiker bemängeln, dass kurze Lernvideos das „Bulimielernen“ fördern und das Verständnis behindern. Was meinst du dazu? 

Daniel: Aus dem Feedback der Schüler und Studierenden weiß ich, dass kurze Lernvideos das Verständnis von Zusammenhängen fördern. Ich kenne aber auch den Spruch: „Wir suchten jetzt mal Lernvideos vor der nächsten Prüfung“. Häufig hilft das auch zum Bestehen von Klausuren. Aber mal ehrlich: Die Ursache für Druckbetankung vor Klausuren sind doch nicht die Lernvideos, sondern oft auch die Art der Prüfungen. Würden an den Hochschulen und Universitäten teilweise andere Prüfungsformate gewählt, z.B. Erklärvideos oder Interpretationen von WolframAlpha-Output als Prüfungsleistung, dann gäbe es keinen Grund für Druckbetankung.

Mathe-Profi und Youtube-Star Daniel Jung (Foto: Privat)

Neue Prüfungsformen, um Verstehen zu fördern, ist ein konkreter Vorschlag von dir für Mathe-Lernen 2020. Hast du noch weitere Ideen? 

Daniel: Die klassische Vorlesung ist teilweise ja fast schon anachronistisch. Es braucht zukünftig zum Beispiel mehr Impulsvorträge im TED-Talk-Format, also maximal zwanzig Minuten, und dann eine Trainingsphase, damit Schüler und Studenten aktiv werden können. Sowohl Learning-by-Doing als auch, sich den Stoff gegenseitig zu erklären, sind effiziente Lernmethoden. Der Lehrer oder Professor wird dann zum Impulsreferenten und Coach. Zwingend notwendig wird in Zukunft auch immer mehr der Einsatz von Software, die Zeit des Taschenrechners läuft ab. Es gibt zum Beispiel WolframAlpha, R und Python, um im Unterricht zu coden. So lernen die Schüler und Studenten Skills, die für die Jobs von morgen notwendig sind. Wichtig ist auch die Architektur. Moderne Lernumgebungen müssen im Optimalfall wie moderne Arbeitsumgebungen aussehen. Das sollte zumindest bei Neubauten von Hochschulgebäuden berücksichtigt werden.