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Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit

FOM Umfrage: Für die Umwelt schränken sich nur wenige Menschen in Hannover ein

01.09.2020 | Hannover

Wie wichtig ist den Hannoveranern das Wohl von Tieren? Sind sie bereit, mehr für nachhaltige Mode und Lebensmittel zu zahlen? Oder öfter mal mit dem Rad zu fahren? Um herauszufinden, wie das wirtschaftliche Leben in der niedersächsischen Metropole zukünftig aussehen könnte, befragten Studierende der FOM Hochschule in Hannover 581 Menschen zu ihrer Einstellung rund um die Themen Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Mikroplastik, Meeresverschmutzung und Fleischverzehr. Zentrales Ergebnis: Der Großteil der Befragten hält zwar viele Maßnahmen zur Umweltschonung für wirksam, setzt sie im eigenen Alltag aber nicht in die Tat um.

Nachhaltige Mobilität: Noch ein langer Weg

In persönlichen Interviews fanden die Studierenden unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Oliver Gansser unter anderem heraus, dass es einen Widerspruch zwischen der Denkweise und der tatsächlichen Lebensführung beim Thema Nachhaltigkeit und Umwelt gibt. So fährt aktuell nur jeder Zweite verstärkt mit dem Rad oder geht zu Fuß, obwohl 86 Prozent überzeugt sind, dass dies dem Umweltschutz zugutekäme. Eine ähnliche Diskrepanz zeigt sich auch bei der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs: Von der überwiegenden Mehrheit (80%) als wirksame Maßnahme für mehr Klimafreundlichkeit eingeschätzt, werden Busse, Bahnen und Co. von nur 41 Prozent der Befragten regelmäßig genutzt.

Verbraucherverhalten in Hannover

Auch beim Thema Konsum sind die Menschen in Hannover eher zurückhaltend in puncto Umweltschutz: Obwohl 91 Prozent der Befragten den Erwerb von Kleidung aus fairer und nachhaltiger Herstellung als wirksam oder teilweise wirksam einschätzen, kaufen nur 20 Prozent regelmäßig entsprechend nachhaltig produzierte Waren. Immerhin setzen 60 Prozent der Konsumenten überwiegend auf den Kauf langlebiger Produkte, die qualitativ hochwertig und damit länger haltbar sind. Das seit langer Zeit existierende System der Mülltrennung wird von der überwiegenden Mehrheit der Befragten (94%) oft oder regelmäßig genutzt. 

Bereit, mehr für nachhaltige Lebensmittel zu zahlen

Die Auswertung der FOM Umfrage ergab zudem, dass sich 10 Prozent der befragten Bürgerinnen und Bürger in Hannover vegetarisch und 2 Prozent vegan ernähren. Dennoch liegt der großen Mehrheit (96%), also auch den „Fleischessern“, das Wohl von Tieren am Herzen. 91 Prozent der Befragten sind sogar bereit, mehr für nachhaltige Ernährung zu bezahlen. Zudem hat sich in der Umfrage das Klischee, dass vegane Ernährung teuer ist, in Hannover nicht bestätigt: Während Veganer 210 Euro monatlich für Lebensmittel ausgeben, zahlen Vegetarier im Schnitt 253 Euro. Diejenigen, die sich ohne den Verzicht auf tierische Lebensmittel ernähren, bringen pro Monat sogar rund 274 Euro für ihre Mahlzeiten auf.

Symbolbild nachhaltige Ernährung
Die Bereitschaft, mehr für nachhaltig produzierte Lebensmittel auszugeben, ist in Hannover verhältnismäßig groß (Foto: AdobeStock/jackfrog)

Vermeidung von Plastikmüll in den Meeren hat Priorität

Das zunehmende Bewusstsein der Hannoveraner für den Schutz von Klima und Umwelt wird auch bei den folgenden Themen deutlich: Auf die Frage, welche Umweltprobleme dringend gelöst werden sollen, landete die Vermeidung von „Plastikmüll in den Weltmeeren“ (88% Zustimmung) auf Platz 1, gefolgt von „Artensterben in der Tier- und Pflanzenwelt“ (83%) und „Verknappung vom Rohstoffen“ (82%).

Die gesamte Auswertung der Umfrage gibt es unter http://fom.de/sommerumfrage2020-biooekonomie.

Wissenschaftsjahr der Bioökonomie

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgerichtete Wissenschaftsjahr 2020/21 widmet sich dem Thema Bioökonomie – also einer nachhaltigen, biobasierten Wirtschaftsweise. Es soll thematisiert werden, welche Ziele die Bioökonomie verfolgt, welche Potenziale sie für die Zukunft bietet, welche Rolle Wissenschaft und Forschung dabei spielen und wie die Gesellschaft zum Wandel in Richtung einer nachhaltigen, biobasierten Wirtschaftsform beitragen kann. Denn: Knapper werdende Ressourcen und Nutzflächen bei gleichzeitig wachsender Weltbevölkerung, Klimawandel und Rückgang der Artenvielfalt – all dies sind globale Herausforderungen, die einer Umstellung bedürfen.