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Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit

FOM Umfrage: Für die Umwelt schränken sich nur wenige Menschen in Bochum ein

01.09.2020 | Bochum

Wie wichtig ist den Bochumerinnen und Bochumern das Wohl von Tieren? Sind sie bereit, mehr für nachhaltige Mode und Lebensmittel zu zahlen? Oder öfter mal mit dem Rad zu fahren? Um herauszufinden, wie das wirtschaftliche Leben in der Ruhrmetropole zukünftig aussehen könnte, befragten Studierende der FOM Hochschule in Bochum 432 Menschen zu ihrer Einstellung rund um die Themen Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Mikroplastik, Meeresverschmutzung und Fleischverzehr. Zentrales Ergebnis: Der Großteil der Befragten hält zwar viele Maßnahmen zur Umweltschonung für wirksam, setzt sie im eigenen Alltag aber nicht in die Tat um.

Nachhaltige Mobilität: Noch ein langer Weg

In persönlichen Interviews fanden die Studierenden unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Oliver Gansser unter anderem heraus, dass es einen Widerspruch zwischen der Denkweise und der tatsächlichen Lebensführung beim Thema Nachhaltigkeit und Umwelt gibt. So fahren aktuell nur 39 Prozent der Befragten verstärkt mit dem Rad oder gehen zu Fuß, obwohl 82 Prozent überzeugt sind, dass dies dem Umweltschutz zugutekäme. Eine ähnliche Diskrepanz zeigt sich auch bei der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs: Von der überwiegenden Mehrheit (75%) als wirksame Maßnahme für mehr Klimafreundlichkeit eingeschätzt, werden Busse, Bahnen und Co. allerdings nur von jedem vierten Befragten regelmäßig genutzt.

Verbraucherverhalten in Bochum

Auch beim Thema Konsum sind die Menschen in Bochum eher zurückhaltend in puncto Umweltschutz: Obwohl 90 Prozent der Befragten den Erwerb von Kleidung aus fairer und nachhaltiger Herstellung als wirksam oder teilweise wirksam einschätzen, kaufen nur 20 Prozent überwiegend entsprechend nachhaltig produzierte Waren. Immerhin setzt jeder zweite Konsument regelmäßig auf den Kauf langlebiger Produkte, die qualitativ hochwertig und damit länger haltbar sind. Das seit langer Zeit existierende System der Mülltrennung wird von der überwiegenden Mehrheit der Befragten (89%) oft oder regelmäßig genutzt. 

Bereit, mehr für nachhaltige Lebensmittel zu zahlen

Die Auswertung der FOM Umfrage ergab zudem, dass sich 8 Prozent der befragten Bochumer Bürgerinnen und Bürger vegetarisch und 3 Prozent vegan ernähren. Dennoch liegt der großen Mehrheit (95%), also auch den „Fleischessern“, das Wohl von Tieren am Herzen. 86 Prozent der Befragten sind sogar bereit, mehr für nachhaltige Ernährung zu bezahlen. Bei der Frage nach durchschnittlichen Ausgaben kam heraus, dass Veganer in Bochum rund 260 Euro monatlich für Lebensmittel ausgeben, während Vegetarier im Schnitt 236 Euro zahlen. Diejenigen, die sich ohne den Verzicht auf tierische Lebensmittel ernähren, bringen pro Monat rund 254 Euro für ihre Mahlzeiten auf.

Symbolbild nachhaltige Ernährung
Die Bereitschaft, mehr für nachhaltig produzierte Lebensmittel auszugeben, ist in Bochum verhältnismäßig groß (Foto: AdobeStock/jackfrog)

Bewusstsein für Umweltprobleme vorhanden

Das zunehmende Bewusstsein der Bochumerinnen und Bochumer für den Schutz von Klima und Umwelt wird auch bei den folgenden Themen deutlich: Auf die Frage, welche Umweltprobleme dringend gelöst werden sollen, teilen sich der „Klimawandel“ und die Vermeidung von „Plastikmüll in den Weltmeeren“ den 1. Platz (79% Zustimmung), gefolgt von „Artensterben in der Tier- und Pflanzenwelt“ (78%) und „Abholzung von Wäldern“ (75%).

Die gesamte Auswertung der Umfrage gibt es unter http://fom.de/sommerumfrage2020-biooekonomie.

Wissenschaftsjahr der Bioökonomie

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgerichtete Wissenschaftsjahr 2020/21 widmet sich dem Thema Bioökonomie – also einer nachhaltigen, biobasierten Wirtschaftsweise. Es soll thematisiert werden, welche Ziele die Bioökonomie verfolgt, welche Potenziale sie für die Zukunft bietet, welche Rolle Wissenschaft und Forschung dabei spielen und wie die Gesellschaft zum Wandel in Richtung einer nachhaltigen, biobasierten Wirtschaftsform beitragen kann. Denn: Knapper werdende Ressourcen und Nutzflächen bei gleichzeitig wachsender Weltbevölkerung, Klimawandel und Rückgang der Artenvielfalt – all dies sind globale Herausforderungen, die einer Umstellung bedürfen.