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  • „Der zweite Lockdown führt zu einem deutlichen Anstieg von Ängsten und erlebtem Stress“

Prof. Dr. Ulrike Schwegler, Wissenschaftliche Gesamt-Studienleiterin der FOM in Stuttgart:

„Der zweite Lockdown führt zu einem deutlichen Anstieg von Ängsten und erlebtem Stress“

Corona hat den Alltag von uns allen verändert: Reisewarnungen, Beherbergungs-verbote, massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Während sich die Deutschen jetzt im zweiten Lockdown „light“ mit geschlossenen Restaurants, Hotels, Theatern und Fitnessstudios befinden, sagen Experten psychische Folgen der sozialen Quarantäne für die Gesellschaft voraus. Prof. Dr. Ulrike Schwegler, Wissenschaftliche Gesamt-Studienleiterin am FOM Hochschulzentrum Stuttgart und Professorin für Internationales Management und Wirtschaftspsychologie, bewertet im Interview die möglichen Auswirkungen auf die Gesellschaft.

13.11.2020 | Stuttgart

FOM Hochschule: Was macht eine derartige Situation, die ja keiner von uns bislang je erlebt hat, aus den Menschen?

Prof. Dr. Ulrike Schwegler: „Menschen greifen auf ganz unterschiedliche Bewältigungsstrategien zurück, um mit Herausforderungen umzugehen. Die einen richten ihre Aufmerksamkeit eher auf positive Aspekte und beginnen neue Hobbies, andere sitzen nun noch mehr vor dem Laptop, gehen wenig raus und treffen kaum Menschen, berichten von depressiven Stimmungen. Die unterschiedliche Bewältigung hat sich auch in qualitativen Studien bewiesen, die ich mit Studierenden während des ersten Lockdowns an der FOM Stuttgart durchgeführt habe.“

FOM: Welche Auswirkungen hat dies für das soziale Miteinander?

Schwegler: „Studien aus vergangenen Pandemien verweisen auf die langfristigen psychischen Folgen von längeren Quarantäne-Zeiten. Nicht nur für die Stabilität der individuellen Gesundheit und das soziale Miteinander, sondern auch aus ökonomischen Gründen, sollten die Quarantäne-Zeiten möglichst kurzgehalten werden. Es ist davon auszugehen, dass der zweite Lockdown zu einem deutlichen Anstieg von Ängsten und erlebtem Stress führt. Gerade wenn Menschen das Gefühl haben, Kontrolle über ihr eigenes Leben zu verlieren, greifen sie oft auf inadäquate Bewältigungsstrategien zurück. Vor diesem Hintergrund ist ein zentrales Ergebnis von besonderem Interesse: Je eher Menschen das Gefühl haben, eine Situation kontrollieren zu können, desto besser können sie die Situation bewältigen. Und in diese adäquaten Bewältigungsstrategie sollten wir alle investieren.“

Prof. Dr. Ulrike Schwegler, FOM Hochschulzentrum Stuttgart (Foto: FOM/Henning)

FOM: Welche Empfehlungen können für diese Situation ausgesprochen werden?

Schwegler: „Es obliegt jedem Einzelnen, seine Aufmerksamkeit eher auf die positiven Aspekte zu richten. Lange Spaziergänge über die Felder, Waldbaden, gesunde Kochrezepte ausprobieren, soziale Kontakte auch virtuell pflegen und ausreichend Schlaf stärken die eigene Widerstandskraft und die positive Lebensanpassung.“