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FOM Absolventin promoviert zu Women Entrepreneurship an der Uni Siegen

„Beratungsangebote speziell für Frauen sind wichtig!“

Im Februar 2020 war es endlich so weit: FOM Absolventin Lela Grießbach wurde zum Promotionsstudium zugelassen. Es war ein Meilenstein, den sie erst nach vielen Schritten erreichte - nicht immer funktionierte alles sofort. Für die junge Frau aus Georgien war das jedoch nie ein Grund, aufzugeben. Denn ihr großes Ziel ist es, Expertin für Women Entrepreneurship zu werden.

25.06.2020 | Berlin

„In Georgien habe ich viel Armut, Korruption und soziale Ungerechtigkeit erlebt. Viele Menschen, vor allem Frauen, haben nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ihre Jobs verloren. Bis heute gibt es kaum Aussicht auf neue Arbeit“, erzählt Lela Grießbach. Zwölf Jahre ist es her, dass die studierte Journalistin ihre Heimat verließ und in Deutschland eine neue Perspektive suchte. Sie arbeitete zunächst als Au-pair in Kiel, lernte Deutsch – und musste den ersten Rückschlag hinnehmen. Denn weder ihr Schul- noch der Studienabschluss wurden in Deutschland anerkannt. Lela Grießbach suchte das Gespräch beim schleswig-holsteinischen Bildungsministerium: Kurze Zeit später durfte sie am Studienkolleg an der Fachhochschule Kiel an einem Programm für ausländische Studierende teilnehmen. „Ich war überwältigt, wie viele Möglichkeiten es in Deutschland gibt, sich weiterzuentwickeln. Mir war plötzlich bewusst, dass hier Fleiß und Mut honoriert werden. Ganz unabhängig davon, wo man herkommt.“

Studium neben dem Beruf

Mit der Fachhochschulreife in der Tasche geht Lela Grießbach den nächsten Schritt, studiert Wirtschaftskommunikation an einer Berliner FH. Der Bachelor-Abschluss eröffnet ihr den Weg zu einem Vollzeitjob – mit Begeisterung stürzt sie sich in die Arbeit für ein international tätiges Beratungsunternehmen. Gerne möchte sie noch einen Master machen, den Job dafür aufgeben will sie aber nicht: Ohne Arbeit wäre es schwierig, die Aufenthaltserlaubnis in Deutschland zu verlängern. Eine Kollegin erzählt ihr schließlich von der Möglichkeit, neben dem Beruf an der FOM Hochschule in Berlin zu studieren. Die gebürtige Georgierin ist begeistert, beginnt 2012 mit dem Master-Studium „Sales Management“ (M.Sc.). „Für mich war das die ideale Kombination: Ich konnte weiterarbeiten und abends und am Wochenende mein Studium absolvieren. Manchmal war es so, dass ich die Vorlesungsinhalte vom Vortag im Büro direkt anwenden konnte.“

Masterarbeit in Australien vorgestellt

Es ist die Arbeit an ihrer Master-Thesis, die Lela Grießbach erstmals mit dem Gedanken einer Promotion spielen lässt. Darin beschäftigt sie sich mit der georgischen Weinkultur und wie man deutschen Konsumenten georgische Weine schmackhaft machen kann. Sie interviewt Fokus-Zielgruppen bei Weinverkostungen, macht eine qualitative Analyse und entwickelt einen neuen USP. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Betreuer, FOM Dozent Dr. Jan Lakotta, sowie der ebenfalls georgischen Dozentin Dr. Sophie Ghvanidze von der Hochschule Geisenheim. Beide schlagen ihr schließlich vor, eine gemeinsame Publikation zu veröffentlichen. Gesagt, getan: Das Paper wird sogar in Australien auf der „9th Academy of Wine Business Research Conference“ vorgestellt. „Ich hatte so viel Freude daran, zu recherchieren, wichtige Quellen zu finden, sie zu interpretieren und daraus neue Thesen abzuleiten. So entstand erstmals der Wunsch, eine wissenschaftliche Karriere einzuschlagen“, so die gebürtige Georgierin.

Zwischenstopp: Elternzeit und Kurse für Gründerinnen

Doch erst einmal bekommt die Master-Absolventin ihre Tochter und geht in Elternzeit. Nebenbei gibt sie interkulturelle Trainings und Businesskurse bei I.S.I. e.V. in Berlin, der Initiative Selbständiger Immigrantinnen. Denn Unternehmensgründungen, besonders von Frauen, interessieren sie schon lange – auch aus Forschungssicht. „Georgien bemüht sich seit fast 20 Jahren, die Korruption einzudämmen und die Anforderungen für einen EU-Beitritt zu erfüllen. Die formellen Maßnahmen sind zwar wirksam, aber die Gleichberechtigung von Frauen ist noch viel Fassade. In den Familien erben die Söhne alles, die Töchter nichts. Auch den Ehefrauen gehört nichts. Das heißt, sie sind abhängig und nicht kreditwürdig – das erschwert natürlich eine Unternehmensgründung.“ Und es gibt noch mehr, was Frauen in Georgien an der Selbstständigkeit hindere, so Grießbach: „Sie sind oftmals sehr zurückhaltend und haben kaum unternehmerische Kenntnisse. Zudem fehlt ihnen ein gutes Netzwerk. Insgesamt mangelt es einfach an speziellen Angeboten, um die Karrierewege von Frauen zu entwickeln.“

FOM Absolventin Lela Grießbach promoviert zu Women Entrepreneurship an der Uni Siegen (Foto: privat)

Promotion: Gender und Women Entrepreneurship

In Georgien gibt es bislang kaum Untersuchungen zum Thema Gender, Frauen und Unternehmensgründungen – Lela Grießbach möchte in diesem Bereich Expertin werden. Doch wieder einmal muss sie kämpfen: „Ich habe intensiv recherchiert, wer in diesem Bereich forscht. Bei über zehn Professoren deutschlandweit habe ich mein Thema vorgestellt. Leider bekam ich fast nur Absagen, unter anderem mit der Begründung, dass ich ja arbeite und gar keine Zeit für eine Promotion hätte.“ Durch Zufall wird Lela Grießbach auf Dr. Kerstin Ettl aufmerksam, Juniorprofessorin für Entrepreneurial Diversity & SME Management an der Universität in Siegen – und stößt bei ihr auf Zuspruch. Gemeinsam erarbeiten sie ein erstes Paper, und Mitte Februar diesen Jahres ist es dann endlich so weit: Lela Grießbach darf an der Universität Siegen zum Thema „Women Entrepreneurship“ promovieren. Für die Lehre läuft sie sich schon einmal warm: Seit September 2019 doziert sie an der Berliner FOM im Bereich Nachhaltigkeit und Diversity.

Ehrenamtliche Karriereberatung

Lela Grießbach hat ihr Ziel erreicht. Jetzt möchte sie andere Frauen dabei unterstützen, ebenfalls ihre Träume zu verwirklichen: Seit einem Jahr begleitet sie im Rahmen des FOM Mentoring-Programms eine engagierte Absolventin, darüber hinaus berät sie beim Berliner Mentorenprogramm „MentorMe“ ebenfalls ehrenamtlich speziell Frauen. „Ich hätte mir damals auch so eine Beratung gewünscht. Jetzt kann ich insbesondere Studierenden aus dem Ausland dabei helfen, sich mit dem deutschen Arbeitsmarkt und der Karriereentwicklung auseinanderzusetzen. Denn in den Heimatländern gibt es meist ganz andere Bedingungen und Erwartungen im Job als hier. Gerade Beratungsangebote speziell für Frauen sind wichtig!“ Nach der Promotion kann sich die Wahl-Berlinerin außerdem vorstellen, selbst ein Unternehmen zu gründen: „Vor drei Jahren war ich schon einmal selbstständig. Damals habe ich georgische Kochkurse an der Volkshochschule gegeben und die Speisen auf Berliner Märkten angeboten. Das hat gut funktioniert und ist super angekommen! Aber dann habe ich mich entschlossen, mich erst einmal voll und ganz auf das Ziel Promotion zu konzentrieren.“ Bei der nächsten Gründung stellt sie sich ein Angebot im Bildungsbereich vor – Ideen habe sie genug.