• FOM
  • 2020
  • Juli
  • Vom Realschüler zum Bachelor-Studenten: „Ich war eigentlich nie der Typ für ein Studium“

Vom Realschüler zum Bachelor-Studenten

„Ich war eigentlich nie der Typ für ein Studium“

Hätte man André Collet vor zehn Jahren gesagt, dass er im Jahr 2020 seine Bachelor-Arbeit schreiben würde, hätte er wahrscheinlich laut gelacht. 2010 arbeitet André nach seiner Ausbildung zum Systeminformatiker bereits einige Jahre im weniger gut bezahlten IT-Außendienst. Nach seinem Realschulabschluss mit knappem Dreier-Schnitt ist seine einzige Perspektive - so glaubt er - später einmal einen etwas besser bezahlten Büro-Job in der IT zu erreichen. Dieses Berufsziel erfüllt er sich mit seinem Jobwechsel zur Krankenkasse BKK Pfalz und lässt ihn daran glauben, dass er doch mehr kann als er sich bisher vielleicht zugetraut hat.

30.07.2020 | Mannheim

„Ich habe mich hochgearbeitet“, sagt André rückblickend nicht ohne Stolz. „2011 habe ich im 1st-Level-Support angefangen und war die erste Anlaufstelle für Mitarbeitende, die Probleme mit der IT am Arbeitsplatz hatten.“ Menschen schnell zu helfen, liegt dem Hobby-Programmierer, der nach kurzer Zeit in den 2nd Level Support aufsteigt und komplexere Programmieraufgaben im Bereich Datenbanken übernimmt. Andre merkt zum zweiten Mal, dass Erfolg motiviert, noch weiter zu gehen. „Es hat einfach „Klick“ gemacht“, meint der heute 30-Jährige. Und so recherchiert er im Internet, welche Perspektiven sich ihm noch bieten und wie er sie erreichen kann. Er stößt auf verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten, auch auf die FOM, die Hochschule für Berufstätige.

„Ich bin der erste Akademiker in meiner Familie“

Das Bachelor-Studium „Wirtschaftsinformatik“ (B.Sc.), das neben dem Beruf in Präsenz an der FOM studiert wird, interessiert André bei seinen Recherchen am meisten, allerdings schreckt ihn ein Studium doch zu allererst einmal ab. „Ich war eigentlich nie der Typ für ein Studium, diszipliniert auf ein Ziel hinarbeiten und lernen war nie meins“, schmunzelt er. Hinzu kommt, dass André von zuhause aus diesen Bildungsweg nicht kannte, sein Vater machte in der Abendschule den Techniker. „Ich komme aus einer Arbeiterfamilie, da war von akademischer Ausbildung nie die Rede.“ Auch, dass er nur einen Realschulabschluss vorzuweisen hat, scheint ihm hinderlich. Dennoch schreibt er an die Studienberatung der FOM, erhält nach individueller Beratung und Prüfung seiner Dokumente, den Zulassungsbescheid. „Studieren ohne Abitur oder Fachhochschulreife ist möglich an der FOM, wenn man mindestens drei Jahre in seinem Beruf gearbeitet hat. Alle beruflichen Stationen haben sich also letztendlich gelohnt“, so der IT-ler „und ich habe mir im wahrsten Sinne des Wortes den Zugang zu akademischer Bildung erarbeitet“.

„Für mich kann es beruflich und privat aktuell nicht besser laufen“

Heute ist André im 6. Semester, ist aktuell mit einem Einser-Schnitt bewertet und schreibt im kommenden Wintersemester seine Bachelor-Thesis – Wunschthema: der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Healthcare-Bereich. Den Job im 2nd Level-Support hat er hinter sich gelassen - arbeitet jetzt im Datenmanagement bei der BKK Pfalz, ist u.a. für Prozessautomatisierung verantwortlich und Ansprechpartner für Führungskräfte und den Vorstand.

Andre Collet FOM Mannheim
„Ich war eigentlich nie der Typ für ein Studium", sagt André, der bald seine Bachelor-Thesis beginnen wird. (Foto: privat)

„Die Lerninhalte aus dem Studium und meine Aufgaben im Arbeitsalltag ergänzen sich sehr gut, sodass der Theorie-Praxis-Transfer optimal gegeben ist.“ Und André will noch mehr, hat sich jetzt parallel zu seinem siebten Semester im Bachelor „Wirtschaftsinformatik“ für den Master „IT-Management“ an der FOM eingeschrieben, schließt langfristig sogar eine Promotion nicht aus. „Ich bin wissbegierig und habe große Freude am Lernen, das Studium hat mir einen richtigen Kick gegeben. Allerdings bin ich auch froh, wenn ich nach der Bachelor-Thesis wieder mehr Zeit für meine Familie habe.“ Für seine kleine Tochter Ella, die im April dieses Jahres geboren wurde, wünscht er sich, dass er Vorbild sein kann und Studieren vielleicht einmal zur Familientradition wird. „Für mich kann es beruflich und privat aktuell nicht besser laufen“, freut sich der stolze Familienvater.