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FOM Studentin Bianca Muss: Studium ü40 – neben dem Beruf

„Älter als der Durchschnitt? Kein Problem!“

16.07.2020 | Bochum

Mit mehr als zwei Jahrzehnten Berufserfahrung ist Bianca Muss längst angekommen im Job. Dennoch entscheidet sie sich für ein Bachelor-Studium an der FOM in Bochum – mit 46. Ihre Motivation? „Mein berufliches Know-how mit akademischem Wissen untermauern!“

Von der Ausbildung im Hotel zur Führungsposition im Büromanagement: Bianca Muss hat in ihrem Berufsleben einiges erreicht. „Nach meiner Lehre war ich in der Veranstaltungsorganisation tätig – dann wurde mein damaliger Mann nach Mexiko versetzt. Ich bekam dort eine Stelle als Verwaltungsleiterin des Goethe Instituts in Guadalajara, das war beruflich ein wichtiger Schritt.“ 2007 kam die Hattingerin zurück nach Deutschland, heute ist sie „Head of Office Management“ bei der Protagen Protein Services GmbH am Standort Dortmund, einem international führenden Spezialisten für Proteinanalytik. „Mein Team betreut Projekte von der administrativen Seite und bildet die Schnittstelle zwischen den Bereichen Operation, Business Development, HR und der Geschäftsführung. Das Unternehmen ist sehr schnell gewachsen, entsprechend fordernd sind meine Aufgaben – es macht unglaublich viel Spaß!“ Man merkt es ihr an: Bianca Muss ist glücklich im Job. Trotzdem schrieb sie sich 2017 für ein berufsbegleitendes Studium an der FOM in Bochum ein – mit 46.

Anerkennung und Unverständnis

Geplant hatte die gebürtige Bonnerin das späte Studium nicht. „Der Sohn meines zweiten Mannes wusste nicht, wohin die Reise gehen soll nach dem Abi. Wir haben uns dann eine gefühlte Ewigkeit damit beschäftigt, welche Möglichkeiten es gibt – von der klassischen Ausbildung bis zum Vollzeitstudium. Und dann ist es passiert: Ich habe einfach Lust bekommen, mich selbst noch einmal weiterzubilden – und für den berufsbegleitenden Bachelor „Business Administration“ (B.A.) an der Bochumer FOM angemeldet.“ Im privaten Umfeld stößt sie auf ganz unterschiedliche Reaktionen: von ehrlicher Anerkennung bis zu völligem Unverständnis. „Ich werde hin und wieder gefragt, warum ich mir das in meinem Alter noch antue. Meine Motivation liegt nicht darin, einen neuen Job zu finden oder mehr Geld zu verdienen. Ich musste mich immer extrem anstrengen, um mein Können auf dem Arbeitsmarkt zu beweisen. Einfach, weil mir die ‚Papiere‘ fehlen. Doch mit dem Bachelor-Studium ändert sich das – jetzt kann ich mein berufliches Know-how mit akademischem Wissen untermauern!“

„Es gab manchmal verdutzte Blicke“

Mittlerweile studiert Bianca Muss im 6. Semester – und hat ihre Entscheidung nie bereut. Das Studium hilft ihr, Gesamtzusammenhänge besser zu verstehen, erzählt sie: „Ich gehe jetzt im Job ganz anders an strategische Aufgaben ran, viel strukturierter.“ Dass sie in den Vorlesungen zu den älteren Studierenden gehört, daran hat sich die heute 49-Jährige längst gewöhnt. „Klar, zu Beginn meines Studiums gab es manchmal verdutzte Blicke, aber das hat sich schnell gelegt. Hin und wieder merke ich mein Alter aber schon: Wenn ein Dozent etwas ‚aus alten Zeiten‘ erzählt, kommt gerne mal ein ‚Bianca, das kennst du doch bestimmt auch noch!‘ – und dann amüsieren wir uns alle prächtig.“ Die taffe Office Managerin fühlt sich wohl an der FOM, pflegt einen engen Kontakt zu ihren Kommilitonen: „Wir tauschen uns regelmäßig aus, unterstützen und motivieren uns gegenseitig. Dass ich älter bin als der Durchschnitt? Kein Problem!“

Bianca Muss
Bianca Muss studiert im 6. Semester „Business Administration“ (B.A.) an der FOM in Bochum - mit 49. (Foto: Privat)

Zum Ausgleich ein Schwedenkrimi

Wenn sie in ein paar Monaten ihre Bachelor-Urkunde in den Händen hält, hat Bianca Muss die 50 geknackt. Hat es denn Vorteile, wenn man erst spät studiert? „Ich dachte, ich wäre gelassener und nicht so verbissen im Alter – aber weit gefehlt“, verrät die FOM Studentin schmunzelnd. Sie ist noch genauso nervös vor Prüfungen wie früher, und auch das Lernen fällt ihr nicht leichter. „Aber mein Zeitmanagement ist jetzt viel besser als vor dem Studium: Ich schiebe nichts mehr vor mir her und teile mir alles vernünftig ein.“ Dennoch: Job, Vorlesungen, Prüfungen, Familie – allzu viel Freizeit bleibt da nicht, muss die Powerfrau zugeben. Genug Zeit zum Entspannen findet sie trotzdem: „Ich liebe es, gemeinsam zu kochen – und lasse mich gern von einem schwedischen Krimi fesseln!“

Studium ü40 – was Bianca Muss anderen „Spätzündern“ rät:

„Man sollte sich 100 Prozent sicher sein, Lust aufs berufsbegleitende Studium haben und sich vor allem auch die Zeit dafür nehmen. Den Kontakt zu den Kommilitonen zu pflegen und regelmäßig die Vorlesungen zu besuchen, ist ein absolutes Muss!“