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  • FOM Absolvent bietet virtuelles Training, um Ängste abzubauen: VR-Brille auf, Scheinwerfer an, Lampenfieber weg

FOM Absolvent bietet virtuelles Training, um Rhetorik zu verbessern und Ängste abzubauen

VR-Brille auf, Scheinwerfer an, Lampenfieber weg

„Meine Hände sind verschwitzt. Zehn Augenpaare sind auf mich gerichtet. „Wichtige“ Gesprächspartner sitzen in feinem Zwirn um einen langen Tisch herum, der eine starrt gespannt zu mir auf, eine Dame blickt immer wieder ungeduldig auf die Uhr. Was, wenn ich zu schnell spreche? Wenn ich mich verhasple? Wenn mich eine Störung aus der Contenance bringt?“ Lampenfieber und Redeangst sind keine Seltenheit. Das dachte sich auch Benjamin Koch. Der FOM Absolvent möchte Menschen durch Virtual Reality (VR) die Angst vor dem Präsentieren nehmen und gründete dazu ein Unternehmen, um Frauen und Männern durch VR-Training in realitätsnah simulierten, öffentlichen Auftritten mehr Sicherheit und Überzeugungskraft zu geben.

27.07.2020 | Düsseldorf und Köln

Denn: VR macht mittlerweile Vieles möglich – und wird schon lange als Angst-Bekämpfer verwendet. Wer Höhenangst hat, geht Stufe für Stufe das Empire State Building hoch, wer Angst vorm Fliegen hat, kann den Gang zum Flughafen und durch die Kontrolle simulieren und auch eine Spinnenphobie kann mittlerweile mit VR bekämpft werden. Benjamin Koch will Menschen nun mit „VR2Business“ auch die Angst vor einem öffentlichen Auftritt nehmen. Mit 32 startete der Rheinländer ein berufsbegleitendes Studium an der FOM: „Ich wollte es mir selbst beweisen! Die Zeit an der FOM hat mir gezeigt, dass man mit der richtigen Einstellung fast alles erreichen kann. Dadurch war ich mutig genug, den Schritt zu gehen, etwas Eigenes zu machen!“ Heute vertreibt er eine VR-Software, die Präsentationen vor einem Publikum simuliert und dabei hilft, freier zu sprechen, besser zu fokussieren und ein genaueres Timing einzuhalten. „Benutzt der Sprecher zu viel Füllwörter? Verteilt er den Blick gleichmäßig über das Publikum? Spricht sie zu schnell? All diese Parameter werden ausgewertet und zusammengefasst. Der Trainierende kann dann durch dieses Feedback versuchen, einzelne Disziplinen gezielt zu verbessern“, erklärt Koch. Gemeinsam mit seinem Kollegen Christoph Ruetz gründete er eine GbR: „Seit März ist es jetzt offiziell und wir haben bereits erste große Kunden aus unterschiedlichsten Branchen von unserem Tool überzeugen können. Sie nutzen es für ihre Mitarbeitenden – vom Praktikanten bis zur Führungskraft. Aber auch Studenten können von unserer Anwendung profitieren. Die Zeiten der Prüfungsvorbereitung vor dem Spiegel sind vorbei.“ Zusätzlich arbeitet Koch als Key Account Manager in der Automotive-Branche, doch das Studium habe ihm gezeigt, dass man auch mehr machen könne. „Ich kann heute besser Prioritäten erkennen und setzen, habe ein sehr gutes Zeitmanagement, das es mir ermöglicht, Nebenerwerb, Hauptjob, Familie und Hobbys zu vereinen.“

Papa im Studium, Papa daheim

Während des Studiums war er immer der „Papa“ – „Mich nannten alle „Papa“ – obwohl ich zu dem Zeitpunkt noch gar kein Papa war. Einige meiner Kommilitonen waren halt Anfang 20. Und kurz darauf wurde ich dann tatsächlich während des Studiums Papa“, schmunzelt der damalige Semestersprecher. Heute ist sein Alltag daher gut durch getaktet: „Oft stehe ich früh auf und gehe laufen, um noch vor dem Frühstück am Rechner zu sitzen.“ Abends oder am Wochenende geht er dann noch seiner Nebentätigkeit bzw. seinem „Hobby“ nach, wie er es nennt. „Wir haben da einfach Bock drauf! Es ist schön eine Art Pionier zu sein. Wie soll unser Corporate Design aussehen? Welches CRM Tool nutzen wir? Wie soll unsere Website und unser Social Media Auftritt gestaltet werden? Über diese Dinge selbst entscheiden zu können beflügelt", schwärmt der 38-Jährige. Und das ohne finanzielles Risiko, denn er und sein Kollege sind die Sales Force des Hamburger Familienunternehmens „Verlag Dashöfer GmbH“: „Wir greifen Kundenfeedback auf und geben somit wertvolle Impulse an die Softwareentwickler, beraten und schlagen neue Ideen vor. Wir haben ein großes Netzwerk und stecken viel Herzblut in diese Arbeit. Außerdem sind wir ein hervorragendes Team – Christoph ist unser IT-Experte und ich bin ein leidenschaftlicher Vertriebler – das passt perfekt zusammen.“ Glücklicherweise habe er auch eine Frau, die ihn großartig unterstütze: „Ohne meine Frau Tina wäre das alles nicht möglich!“

Der virtuelle Vortragsraum von VR2Business (Foto: VR2Business)
FOM Absolvent Benjamin Koch (Foto: FOM)
Die VR-Brille im Einsatz (Foto: FOM)

Direktes Feedback möglich

Ein großer Vorteil der Onlineplattformen bestehe darin, dass der Präsentierende die aufgezeichneten Simulationen auch Trainern, Kollegen oder Freunden zur Verfügung stellen kann, um deren Feedback einzuholen. Eine physische Präsenz beim Speaker ist dafür nicht mehr nötig. „Wir haben in dem virtuellen Seminarraum keine Avatare, sondern reale Personen projiziert, um eine lebensnahe Situation für die Teilnehmenden zu schaffen. Dabei gibt es wie in einem echten Seminar unaufmerksame Zuhörer, Zwischenrufe oder plötzliche Sirenengeräusche“, erklärt Koch. Situationen also, die so manch einen aus der Ruhe bringen könnten. Er selbst habe auch sein Auftreten mit dieser Software trainiert und verbessert, und achtet jetzt verstärkt auf die Nutzung von Füllwörtern wie „Äh“ und „Ähm“. Man lernt nie aus.