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Dr. Sabine Quirrenbach im Interview:

„Unsere Lehrenden haben kreative Lösungen entwickelt“

08.07.2020 | Hamburg

Es war ein Kraftakt, den die FOM Hochschulzentren in diesem Semester vollbracht haben. Vieles musste vorübergehend wegen der Pandemie neu geplant, neu organisiert oder umstrukturiert werden – von Lehr- und Lernangeboten über Veranstaltungen bis zur Betreuung der Studierenden und Lehrenden. Im Interview berichtet Dr. Sabine Quirrenbach, Gesamt-Geschäftsleiterin der FOM in Hamburg, von ihren persönlichen Erfahrungen – und verrät, was sie aus der Krise für die Zukunft mitnimmt.

Wie haben Sie die Umstellung auf die virtuelle Lehre am Hamburger Hochschulzentrum erlebt? Was waren die größten Herausforderungen?

Für mich und alle Beschäftigten in Lehre und Lehrkoordination am Hochschulzentrum war – und ist es nach wie vor – eine völlig neue, besondere Situation. Der gesamte Betrieb musste Mitte März kurzfristig umgestellt werden: Wir haben am Hochschulzentrum zwei Kern-Teams gebildet und sind seit Beginn der Kontaktbeschränkungen immer im Wechsel vor Ort. Es war uns von Anfang an sehr wichtig, gegenüber den Studierenden und Lehrenden transparent zu sein und schnellstmöglich über neue Entscheidungen und Entwicklungen zu informieren – ich denke, das ist uns im Großen und Ganzen sehr gut gelungen, und auch die Abstimmungen untereinander haben funktioniert.  

Was die virtuelle Lehre betrifft: Die meisten Studieninhalte lassen sich nicht einfach eins zu eins digital vermitteln – einige Module mussten deshalb komplett umstrukturiert werden. Der Großteil unserer Lehrenden hat wirklich schnell reagiert und teils sehr kreative Lösungen entwickelt. Natürlich gab es unter den Studierenden auch Stimmen, dass die Umstellung nicht schnell genug verlief, doch die meisten waren dankbar, dass es und wie es trotz Corona mit Hilfe der digitalen Lehre weiterging. 

Was lief im „Corona-Semester“ richtig gut? Gab und gibt es vielleicht positive Effekte, von denen das Hochschulzentrum zukünftig profitiert?

Was mich wirklich freut ist, dass wir alle unsere digitalen Kompetenzen erweitert haben und neue Ideen für die Vermittlung von Lehrinhalten entstanden sind. Ein Beispiel: Der Einsatz von „Slidecasts", also vertonten PowerPoint-Präsentationen. Die Studierenden können sich bestimmte Inhalte auf den Folien immer und immer wieder von ihrem Dozenten per Knopfdruck „erklären“ lassen. Auch die Betreuung der Studierenden hat von Anfang an bei einem Großteil der Lehrenden gut funktioniert, viele unserer Lehrenden bieten jetzt über den virtuellen Weg noch mehr Möglichkeiten an, sie zu kontaktieren, als zuvor. Und: Die Anwesenheitsquoten waren in einigen Online-Vorlesungen erfreulich hoch – das lässt sich sicher damit erklären, dass die Fahrtzeit zum Hochschulzentrum entfiel.

Dr. Sabine Quirrenbach
Dr. Sabine Quirrenbach, Gesamt-Geschäftleiterin der FOM in Hamburg. (Foto: FOM / Tom Schulte)

Wo gibt es noch Verbesserungspotenzial?

Ganz grundsätzlich ist es einfach so, dass sich manche Vorlesungen nicht für ein Online-Format eignen – da sie zum Beispiel auf Interaktion mit den Studierenden aufbauen, um so die Inhalte gemeinsam zu erarbeiten. Klar kann man in Webinaren in den Dialog treten, aber bei größeren Gruppen gestaltet sich das schwierig – gerade an einem großen Hochschulzentrum wie Hamburg mit vielen Studierenden und entsprechend hohen Teilnehmerzahlen in den Vorlesungen. Hier gibt es also aktuell noch Verbesserungsbedarf. Einige Lehrende haben auch festgestellt, dass die Beteiligung an Diskussionen noch etwas geringer ist als im Hörsaal – wahrscheinlich ist die Hemmschwelle, in den virtuellen Raum zu sprechen, einfach für einige Studierende größer. Sie müssen sich daran erst gewöhnen. 

Was nehmen Sie für die Zukunft mit?

Auf jeden Fall die Erkenntnis, dass auch virtuelle Lehre für eine vorübergehende Phase richtig gut funktioniert. Wichtig ist jetzt vor allem eine gründliche Analyse der vergangenen Wochen: Was lief gut, an welchen Stellen hakt es noch? Und ganz grundsätzlich: Wo kann die Online-Lehre, auch nach Corona, eine sinnvolle Ergänzung zur Präsenzlehre sein – und was sind die dafür passenden Formate? Was sich ansonsten wirklich bewährt hat, sind unsere wöchentlichen virtuellen Treffen mit den Semestersprechern und unseren Lehrenden in Phasen, in denen viele Fragen aufgekommen sind und somit schnell geklärt werden konnten. Der Kontakt und der Austausch untereinander sind in den letzten Wochen dadurch viel enger geworden. Darum denken wir auf jeden Fall darüber nach, das Online-Format für solche Treffen auch nach Corona beizubehalten.