• FOM
  • 2020
  • Februar
  • Was hat die Rolle der Frau mit dem Klimawandel zu tun? - Düsseldorfer Professorin neues Mitglied der Deutschen Gesellschaft des CLUB OF ROME

Düsseldorfer Professorin neues Mitglied der Deutschen Gesellschaft des CLUB OF ROME

Was hat die Rolle der Frau mit dem Klimawandel zu tun?

Lebensmittel werden knapper, die weltweiten CO2-Emissionen steigen und die Belastung für die Umwelt wird immer größer. Die Weltbevölkerung hat sich seit 1965 mehr als verdoppelt. Ein Blick in die Zukunft bereitet daher vielen Menschen Anlass zur Sorge: Wir haben Nachhaltigkeits-Expertin Prof. Dr. Estelle Herlyn gefragt, wie es wirklich um unsere Zukunft steht und inwiefern der Kampf gegen den Klimawandel und die Stellung der Frau zusammenhängen. Herlyn ist Professorin für Nachhaltigkeit an der FOM Hochschule in Düsseldorf, wissenschaftliche Leiterin des KompetenzCentrums für nachhaltige Entwicklung (KCN) und neues Mitglied der Deutschen Gesellschaft des CLUB OF ROME. Der Club ist eine Allianz von Experten verschiedener Fachgebiete aus über 30 Ländern, die sich für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit einsetzen.

26.02.2020 | Düsseldorf

Prof. Dr. Herlyn, einige Prognosen bezüglich der Bevölkerungsentwicklung sind düster. Sind die Sorgen vieler Menschen berechtigt?

Realistischerweise muss man sagen, dass es unter den heutigen Bedingungen nicht gerade rosig aussieht. Laut verschiedener Prognosen werden bis 2050 rund zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben. Aus ökologischer, aber auch aus sozialer Sicht, sind das tatsächlich „düstere“ Aussichten. So sind unter sich verschlechternden Bedingungen immer mehr Menschen zu ernähren. Hauptursachen für die Verschlechterung sind der Klimawandel und der Mehrbedarf an Siedlungsfläche. Jeder weitere Mensch bedeutet auch ein Mehr an Ressourcenverbrauch und an CO2-Emissionen. Insgesamt würde sich die Lage sehr entspannen, wenn das Bevölkerungswachstum eingedämmt würde.

Aber wie soll das funktionieren?

Es ist wichtig, die Rolle der Frau in der Gesellschaft zu stärken. Das geht wiederum mit Bildung und vor allem Aufklärung einher. Tausende junge Mädchen, die selbst noch Kinder sind, werden in Entwicklungsländern (oft ungewollt) Mutter. Wenn Frauen der Weg zu einer Ausbildung und einem Beruf offensteht, können sie wirtschaftlich auf eigenen Füßen stehen. Selbstbestimmung ist hier ein entscheidendes Stichwort. Der zentrale Faktor für die Wachstumseindämmung der Bevölkerung – vor allem in Entwicklungsländern – ist das Erreichen von Wohlstand. Bildung und die Gleichstellung der Frau sind dabei wichtige Aspekte, um diesem Ziel näher zu kommen.

Prof. Dr. Estelle Herlyn ist neues Mitglied im CLUB OF ROME (Foto: FOM)

Stichwort Ungleichheit: Welche Nachhaltigkeitsziele sind bezüglich der Stellung der Frau am wichtigsten, um der Gleichberechtigung ein Stück näher zu kommen?

Die Geschlechterungleichheit zwischen Mann und Frau ist in einigen Kulturen und Gesellschaften noch heute Realität. In den UN-Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 gibt es in diesem Zusammenhang das sogenannte „Gender Equality“-Ziel, das die geschlechterspezifische Diskriminierung bekämpft. Dieses Ziel ist aber nicht losgelöst von den anderen Zielen der Agenda zu erreichen. Ökonomische und ökologische Ziele spielen eine genauso entscheidende Rolle, wenn es darum geht, Gesellschaften in Wohlstand zu schaffen, in denen die Frauen eine gleichberechtigte Rolle haben. Fehlt die Ressourcenbasis, scheitern wir also auf der ökologischen Seite, wird es nichts werden mit einem Leben in Würde für alle Menschen – Frauen und Männer. Entscheidend ist, dass wir die Dinge ganzheitlich anpacken und versuchen, Zielkonflikte zwischen den einzelnen Zielen zu überwinden. Nur so kann ein mit Umweltschutz kompatibler Wohlstandsaufbau gelingen.

Prof. Herlyn: „Es ist wichtig, die Rolle der Frau in der Gesellschaft zu stärken.“ (Foto: AdobeStock/19b_production)

Verfolgen Sie dieses Ziel auch als neues Mitglied im CLUB OF ROME?

Ja, unter anderem. Der CLUB OF ROME ist eine Organisation, die die globale Dimension der vor uns liegenden Herausforderungen thematisiert und ins Bewusstsein der Menschen ruft. Leider ist mein Eindruck, dass an zu vielen Stellen das Gegenteil passiert – viele Staaten konzentrieren sich auf das Nationale, viele Menschen, gerade auch junge, versuchen alleine durch individuelle Verhaltensänderungen eine nachhaltige Entwicklung herbeizuführen. Das kann allein nicht gelingen. So ist die gesellschaftliche Debatte rund um den Klimawandel erschreckend eng und blendet die Zusammenhänge zum Thema Entwicklung fast völlig aus. Dies aufzubrechen ist ein wichtiges Anliegen, das ich auch in meinen Vorlesungen, beispielsweise im Modul „Führung und Nachhaltigkeit“, an der FOM thematisiere.

Inwiefern sind dies Themen für eine Hochschule für Ökonomie und Management?

Viele Unternehmen werden sich mehr und mehr ihrer Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung bewusst. Das stimmt mich hoffnungsvoll. Exemplarisch genannt sei die ständig ansteigende Zahl der Unterstützer der Allianz für Entwicklung und Klima, darunter z.B. Bosch, Kühne + Nagel, aber auch mehrere Sparkassen. Sie alle fördern freiwillig und über gesetzliche Vorgaben hinaus internationalen Klimaschutz und Entwicklung und damit mehrere Ziele der Agenda 2030. Dass und warum dies so ist, sollte schon während der Ausbildung Gegenstand sein. Dass auch seitens der Studierenden das Interesse an diesen Themen steigt, zeigt sich an der wachsenden Zahl an Bachelor- und Masterabschlussarbeiten. Insgesamt wurden bereits – Stand Februar 2020 – über 1450 Abschlussarbeiten an der FOM Hochschule angefertigt, die sich ethischen und nachhaltigkeitsbezogenen Fragestellungen widmen.

Der CLUB OF ROME ist eine Allianz von Experten verschiedener Fachgebiete aus über 30 Ländern. Die gemeinnützige Organisation wurde 1968 gegründet und setzt sich seither für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit ein. Mit dem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ erlangte der Club große weltweite Aufmerksamkeit und gehört heute zu den renommiertesten Organisationen dieser Art. Die Mitglieder kämpfen für nachhaltige Entwicklung und setzen sich für den Schutz von Ökosystemen ein.