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„Krisen machen stark!“ von Prof. Dr. Sylvia E. Kernke und Rainer Hahne

„Wir brauchen Krisen, um uns weiterzuentwickeln“

Es ist das geworden, was es von Beginn an sein sollte: ein Mutmach-Buch. Als die Kasseler FOM Professorin Dr. Sylvia E. Kernke im April dieses Jahres anfing, ein neues Buch zu konzipieren und zu schreiben, wollte sie nicht nur die durch den Lockdown gewonnene Zeit nutzen, sondern vor allem ihren Leserinnen und Lesern Mut machen. Warum die FOM Dozentin überzeugt ist, dass wir Krisen brauchen, um uns als Menschen weiterzuentwickeln, was es mit dem G.O.L.D.-Prinzip auf sich hat und warum sie mit Rainer Hahne einen Chefredakteur als Co-Herausgeber einbezog, berichtet sie im Interview.

01.12.2020 | Kassel

Frau Prof. Kernke, Ihr neues Buch „Krisen machen stark!“ ist seit Mitte November im Handel. Was gab den Ausschlag, es zu schreiben?

Sylvia E. Kernke: Für viele Menschen hat die Corona-Krise zu tiefgreifenden Veränderungen geführt, gesundheitlich, beruflich, finanziell. Mit meinem Buch wollte ich Wege und Möglichkeiten aufzeigen, wie aus negativen Einwirkungen von außen trotzdem etwas Positives entstehen kann.

Von der Idee im April bis zur Veröffentlichung im November hat es gerade einmal sieben Monate gedauert. Warum diese Eile?

Sylvia E. Kernke: Schon im Spätsommer war klar, dass wir mit einer zweiten Corona-Welle zum Jahresende rechnen mussten. Mein Ziel war es, das Buch rechtzeitig im Herbst oder Winter fertig zu haben, damit die Menschen, die zum Beispiel aufgrund von Kurzarbeit oder behördlichen Vorgaben viel Zeit zu Hause verbringen, diese Zeit zum Lesen nutzen und dadurch neue Kraft und Ideen entwickeln können. Im Buch geht es sowohl um persönliche als auch um unternehmerische Krisen.

Das klingt eher nach einem Ratgeber als nach einem wissenschaftlichen Buch.

Sylvia E. Kernke: Es sollte gar kein wissenschaftliches Buch werden. Mir ging es von Anfang an darum, anhand von konkreten Beispielen aus der Unternehmenspraxis zu zeigen, welche Ansätze es gibt, um Krisen rechtzeitig zu erkennen und ihnen vorzubeugen, welche Phasen persönliche und unternehmerische Krisen haben und welche Bewältigungsstrategien und Überlebensregeln zu kreativen Lösungen führen können. Denn wir Menschen brauchen Krisen, um uns weiterzuentwickeln.

Können Sie das ein wenig genauer erläutern?

Sylvia E. Kernke: Krisen katapultieren uns aus unserer Komfortzone heraus. Unser Leben ändert sich aufgrund von Ereignissen, die wir nicht beherrschen können. Aber genau daraus ergeben sich auch neue Chancen für uns. Menschen, die Angst vor einem Jobverlust haben, können in sich gehen und sich fragen, ob ihr Beruf wirklich das ist, was sie unbedingt machen wollen, wofür sie brennen. Ist dies nicht der Fall, können sie über Alternativen nachdenken. Unternehmer aus der Touristik- oder Gastronomiebranche können jetzt die Zeit nutzen, um über alternative Angebote in der Zukunft nachzudenken, mit denen sie dann neue Kundenkreise erreichen oder neue Dienstleistungen verkaufen können. Im Buch gibt es zahlreiche Beispiele von Unternehmerinnen und Unternehmern, die ihre Geschäftsmodelle aufgrund von Krisen erfolgreich weiterentwickelt haben.

Prof. Dr. Sylvia E. Kernke hat an der FOM Hochschule in Kassel eine Professur für Allgemeine BWL, insbesondere Marketing (Foto: privat)

Wie lautet Ihre Strategie zur Bewältigung von Krisen?

Sylvia E. Kernke: Ich bin davon überzeugt, dass das G.O.L.D.-Prinzip sehr gut funktioniert. Das G steht für „goal“ bzw. „gap“. Zunächst sollte ich ermitteln, was mein Ziel ist und welche Lücke ich bis dahin überwinden muss. Das O steht für „opportunities“. Ich muss feststellen, welche Möglichkeiten, welche Fähigkeiten und Ressourcen ich habe, um mein Ziel zu erreichen. Das L bedeutet „leading“, ich sollte mir einen Begleiter suchen, der mich auf dem Weg ein Stück weit begleitet und führt. Und das D steht für „durability“ und „development“. Es erinnert mich daran, dass ich mich in einem fortlaufenden Prozess befinde und mich immer wieder neuen Gegebenheiten anpassen muss. 

Soviel zur Theorie. Doch wie sind Sie an die Unternehmensgeschichten gekommen, die im Buch beschrieben werden?

Sylvia E. Kernke: Die habe ich meinem Mitherausgeber Rainer Hahne zu verdanken, der als langjähriger Chefredakteur über ein sehr großes Netzwerk in Nordhessen verfügt. Mit ihm sprach ich im Frühjahr über meine Idee und er bot an, mich mit Beispielen aus der Unternehmenspraxis zu unterstützen. So ist das Buch dann in Teamarbeit entstanden, wofür ich noch heute sehr dankbar bin.

In dem Buch berichten Sie auch über Ihre persönlichen Krisen, schreiben, dass Sie als achtjähriges Kind ihren Vater verloren haben und viele Jahre später eine Scheidung durchstehen mussten. Wie schwer sind Ihnen diese Zeilen gefallen?

Sylvia E. Kernke: Es war nicht leicht, meine Erinnerungen in dieser Weise aufzuschreiben. Eigentlich wollte ich meine persönliche Geschichte hinten im Buch verstecken, aber Freunde haben mich dazu gedrängt, sie an den Anfang zu setzen. Und sie hatten recht! Denn wie ehrlich wäre ein solches Mutmach-Buch, wenn die Autorin ihre eigenen Krisen ausklammern würde?

Das Buch Krisen machen stark! ist im November 2020 im Haufe Verlag erschienen.