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  • Prof. Dr. Frank P. Schulte: „Mimik und Gestik sind wichtige Kommunikations- und damit Lehrmittel!“

Virtuelle Lehre: Drei Fragen an Prof. Dr. Frank P. Schulte

„Mimik und Gestik sind wichtige Kommunikations- und damit Lehrmittel!“

Homeoffice statt Hörsaal: Das gilt in Corona-Zeiten nicht nur für die Studierenden, sondern auch für die rund 2.000 Professorinnen, Professoren und Lehrbeauftragten der FOM Hochschule. Frank P. Schulte, Professor für Pädagogik und Hochschuldidaktik an der FOM in Essen, beschäftigt sich schon länger mit der virtuellen Lehre – und kann zuhause auf ein perfekt ausgestattetes Webinar-Studio zurückgreifen. Was dort alles zum Einsatz kommt und welchen Mehrwert Webinare bieten, erzählt der 48-Jährige im Interview. 

23.04.2020 | Essen

Professor Schulte, Sie haben sich im heimischen Arbeitszimmer ein Webinar-Studio eingerichtet. Mit welchem technischen Equipment arbeiten Sie genau?

Auf meinem Schreibtisch befinden sich zwei Rechner: Ein Notebook, auf dem meine Präsentationen und Programme laufen, und ein Kontrollrechner – mit dessen Monitor kann ich verfolgen, was die Studierenden über meine Kameras sehen und so jederzeit nachjustieren. Ich arbeite mit vier verschiedenen Kameras, zwischen denen ich mit einem Steuerpult hin und her schalten kann. Eine Kamera filmt mich am Schreibtisch, eine weitere in den ganzen Raum hinein. Das hat den Vorteil, dass ich auch mal umhergehen kann, so wie im Hörsaal. Durch die unterschiedlichen Perspektiven ist es für die Studierenden nicht nur abwechslungsreicher, sondern ich kann auch viel besser meine Körpersprache einsetzen – Mimik und Gestik sind schließlich wichtige Kommunikations- und damit Lehrmittel, auch in der virtuellen Präsenzlehre! Dann gibt es noch eine Dokumentenkamera, die auf mein Whiteboard gerichtet ist. Für „Spezialfälle“, also um den Studierenden etwas Bestimmtes zu zeigen, habe ich eine mobile Kamera griffbereit. Zu guter Letzt nutze ich noch eine Filmleuchte, für optimales Licht. 

Webinar Prof. Dr. Frank P. Schulte
Die Studierenden können sich im Webinar mit Kamera und Ton dazuschalten. (Foto: privat)

Wie können die Studierenden mit Ihnen kommunizieren?

Zunächst lade ich meine Studierenden immer ein, sich wenn möglich mit Kamera und Ton zuzuschalten, wenn ich sie in mein persönliches Arbeitszimmer einlade. Grund: Das mimische Feedback der Studierenden ist für mich als Lehrenden ebenso wichtig wie meine Gestik und Mimik für die Studierenden – das ist aber wirklich jedem freigestellt! Aufgezeichnet werden die Teilnehmer selbstverständlich nicht. Dann kläre ich meist kurz die „Netiquette“, also die Kommunikationsregeln für das Webinar: Bei Fragen oder in Diskussionsrunden können sich die Studierenden entweder vor ihrer eingeschalteten Kamera per Handzeichen melden oder eben „virtuell“ – dafür gibt es einen extra Button und eine Chat-Funktion. Bei Webinaren mit Klein- oder Teilgruppen von bis zu sechs Teilnehmern ist es noch einfacher, da kann einfach jeder direkt in seine Kamera sprechen. 

Prof. Dr. Frank. P. Schulte
Prof. Dr. Frank P. Schulte lehrt am Essener FOM Hochschulzentrum. (Foto: Tom Schulte / FOM).
Prof. Dr. Frank P. Schultes heimisches Webinar-Studio
Perfekt ausgestattet: Das Webinar-Studio von Prof. Dr. Frank P. Schulte. (Foto: privat)

Sie lehren nicht nur an der FOM, sondern sind unter anderem auch wissenschaftlicher Leiter des KompetenzCentrums für Didaktik in der Hochschullehre für Berufstätige (KCD). Welchen Vorteil haben aus didaktischer Sicht interaktive Webinare im Vergleich zu anderen Formaten?

Für jedes Lernniveau gibt es unterschiedliche Lernziele. Im ersten Semester zum Beispiel liegt der Fokus häufig auf der Vermittlung von Wissen – da bietet sich eine reine PowerPoint-Präsentation oder ein „Frontalvortrag“ in vielen Fällen durchaus an. Im fortgeschrittenen Studium geht es hingegen eher darum, zu reflektieren, zu diskutieren, sich mit Kommilitonen und Dozierenden fachlich auszutauschen und das Gelernte wirklich anzuwenden. Und genau darin liegt die Stärke interaktiver Webinare! Lehrende und Studierende können hier bestimmte Fragestellungen und Themen im kommunikativen Prozess gemeinsam erarbeiten – so wie im Hörsaal. Auch sehr hilfreich ist die Möglichkeit, größere Gruppen in sogenannte Breakout-Räume zu verteilen, um Kleingruppenarbeit zu ermöglichen. Die Vorteile der Präsenzlehre lassen sich mit einem gut durchdachten Webinar und der entsprechenden Technik wunderbar in den virtuellen Raum übertragen.