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FOM Experte Prof. Dr. Christoph Schönfelder im Interview:

Erfolgreich lernen und arbeiten im Homeoffice – so gelingt's!

03.04.2020 | Dortmund

„Stay at home“ lautet das Gebot der Stunde – was für viele auch bedeutet, dass sich das Büro oder der Hörsaal in die eigenen vier Wände verlagert. Wie gelingt es mir, Beruf, Studium und Privatleben zu trennen? An welche Regeln muss ich mich halten, um auch zuhause leistungsfähig zu sein? Prof. Dr. Christoph Schönfelder, der an der FOM Hochschule in Dortmund Personal- und Organisationsentwicklung lehrt, verrät im Interview, worauf es im Homeoffice wirklich ankommt – und wie sich die eigene Produktivität gezielt steigern lässt.

Prof. Dr. Christoph Schönfelder
Prof. Dr. Christoph Schönfelder lehrt an der FOM in Dortmund Personal- und Organisationsentwicklung und ist Experte für Employee Engagement. (Foto: privat)

Prof. Dr. Schönfelder, Sie sind Experte im Bereich Employee Engagement und beschäftigen sich mit der Bedeutung von Sinn im Arbeitskontext. Zuhause – also dort, wo sich normalerweise das Privatleben abspielt – fällt es vielen schwer, sich zu motivieren und konzentriert zu arbeiten. An jeder Ecke lauern Ablenkungen…

Wenn man das Arbeiten im Homeoffice nicht gewohnt ist, kann es durchaus herausfordernd sein. Der eine ist zuhause plötzlich leistungsfähiger als im Büro, der andere kann mit der neugewonnenen Flexibilität wenig anfangen. Um zuhause produktiv zu sein, benötigt es zunächst das richtige Mindset. Dazu gehört eine grundsätzliche Offenheit und Neugier, sich auf die neue Situation einzulassen. Auch der regelmäßige Kontakt zu Kollegen und Kommilitonen muss sichergestellt sein – wenn auch nur aus der Ferne. Auf diesem Fundament aufbauend sollte man ein paar konkrete Regeln festlegen und möglichst konsequent einhalten.  

Was für Regeln könnten das sein?

Am wichtigsten ist eine klare Trennung von Arbeit und Privatleben, räumlich wie zeitlich. Ich empfehle nicht nur einen festen Arbeitsplatz, sondern auch eine feste Tagesstruktur zu definieren. Familienmitglieder oder Mitbewohner sollten die festgelegten Lern- oder Arbeitszeiten kennen und respektieren. Ansonsten kann man sich gut an der Eselsbrücke „SOS.ROCKS“ orientieren – jeder Buchstabe steht für eine Komponente, die ein erfolgreiches Lernen und Arbeiten fördert. Ein Beispiel: K wie Kleidung. Klar ist es verlockend, in die bequeme Jogginghose und den Schlabberpulli zu schlüpfen. Das kann jedoch ein echter Produktivitätskiller sein. Ein Büro-Outfit signalisiert dem Gehirn: Jetzt wird gearbeitet!

Wer berufsbegleitend studiert, steht durch die aktuelle Lernortverschiebung vor einer doppelten Herausforderung: Erst zuhause arbeiten, dann auch noch zuhause lernen. Was kann man tun, um vom Arbeits- in den Studiermodus umzuschalten?

Den Schreibtisch etwas umzustellen oder sich an die andere Seite zu setzen, solche Variationen können kleine Wunder bewirken. Ansonsten gilt auch hier wieder: Klare Strukturen schaffen – wann ist meine Arbeitszeit, wann meine Lernzeit? Es hilft sicherlich auch, die gewohnten Studienzeiten beizubehalten: Wer normalerweise freitagabends und samstags im Hörsaal sitzt, könnte diese Tage fest fürs Selbststudium einplanen. Konkrete Wochenpläne helfen, die eigenen Lernziele einzuhalten. Gleichzeitig sollte man sich die aktuelle Flexibilität auch zu Nutze machen. Wenn ich mich zum Beispiel vormittags am besten konzentrieren kann, warum dann nicht einfach um zehn Uhr eine Lerneinheit einlegen und dafür hinten raus eine Stunde länger arbeiten? Geht natürlich nur, wenn es der Job erlaubt! Ganz wichtig ist natürlich auch der regelmäßige Kontakt und Austausch mit den Kommilitonen. 

„SOS.ROCKS“ – Prof. Dr. Christoph Schönfelders Formel für das erfolgreiche Arbeiten und Selbststudium im Homeoffice

Das Fundament

S – Struktureller Optimismus

„Im Zweifel geht alles gut“: Diese Grundeinstellung, auch Struktureller Optimismus genannt, hilft uns durch Krisenzeiten – der Mensch ist gut darin, Krisen erfolgreich zu bewältigen. Haben Sie Vertrauen in die eigenen Stärken und in andere Personen!

O – Offenheit

Die aktuelle Situation ist für alle neu. Begegnen Sie Ihrem neuen Alltag mit Offenheit und Neugier! Das sorgt für eine gewisse Grundentspannung, die uns produktiver werden lässt.

S – Sozialität

Der Mensch braucht soziale Kontakte. Machen Sie sich bewusst: Wir sind nur räumlich von unseren Mitmenschen isoliert! Regelmäßige Telefonate oder Video-Calls mit Kollegen und Kommilitonen gewährleisten den sozialen Austausch.

Die Regeln

R – Rahmen

Grundvorrausetzung für das erfolgreiche Arbeiten und Studieren im Homeoffice sind die zeitlichen und räumlichen Rahmenbedingungen. Richten Sie sich einen festen Arbeitsplatz ein, und falls möglich: Trennen Sie diesen Bereich optisch vom restlichen Wohnraum – zum Beispiel mit einem Bücherregal oder großen Pflanzen! Starten Sie Ihren Arbeitstag immer weitestgehend zur gleichen Uhrzeit und legen Sie Pausen fest – das gilt auch für den Feierabend!

O – Ordnung

Ordnung ist das A und O: Sorgen Sie für einen aufgeräumten Schreibtisch und eine klare Ordnerstruktur auf Ihrem Laptop. Dokumente nicht einfach auf dem Desktop ablegen und eindeutig benennen – so muss man nicht suchen und verliert nicht unnötig Zeit. Halten Sie Ihre To-Do‘s übersichtlich fest, sei es mit klassischen Klebezetteln oder digitalen Tools.

C – Cloud-Speicher

Speichern Sie Ihre Arbeitsdokumente zusätzlich in einer Cloud ab! Es kann immer mal passieren, dass der Laptop abstürzt und die neuesten Ergebnisse verloren gehen. Ein weiterer Vorteil: Dokumente können in einer Cloud von mehreren Personen gleichzeitig bearbeitet werden. Das erleichtert Teamwork mit Kollegen und Kommilitonen.

K – Kleidung

Natürlich muss niemand im Kostüm oder Anzug am heimischen Schreibtisch sitzen – trotzdem sollten Sie (bequeme) Kleidung wählen, die Sie auch im Büro oder in der Hochschule tragen würden. So schaltet Ihr Gehirn nicht nur in den Work-Modus um, sondern Sie sind auch für spontane Video-Calls von Kollegen und Kommilitonen gewappnet.

S – Sonne

Ohne Licht keine Erleuchtung – der Arbeitsplatz sollte gut ausgeleuchtet sein, idealerweise steht der Schreibtisch am Fenster. Für zwischendurch gilt: Ab nach draußen! Sonnenlicht hat viele positive Auswirkungen auf Körper und Psyche.