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Weseler Gesundheitsforum 2019

„Mobbingopfer werden immer jünger"

29.11.2019 | Wesel

Der alltägliche Terror: Mobbing und Cybermobbing sind längst keine Randphänomene mehr. Das beweisen auch die Zahlen einer Pisa-Studie: Jeder sechste Schüler im Alter von 15 Jahren ist in Deutschland von Anfeindungen betroffen. 62 Prozent all jener jugendlichen Cybermobbing-Opfer wurden in Deutschland schon einmal aufgrund ihres Aussehens im Internet gemobbt. 42 Prozent haben nach einem Cybermobbing-Angriff schon mal geweint und 18 Prozent hatten sogar Selbstmordgedanken. Wie wir uns und unsere Daten vor Mobbing schützen können – darum ging es jetzt beim 6. Weseler Gesundheitsforum der FOM Hochschule.

Digitalisierung und Cybermobbing

Interessierte aus Pflegeschulen, sozialen Einrichtungen, Schulen und Personalverantwortliche aus Unternehmen mit Gesundheitsschwerpunkt waren zum diesjährigen Gesundheitsforum nach Wesel gekommen. In praxisnahen Vorträgen von Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft wurde „Digitalisierung und Cybermobbing“ thematisiert. Wie wirken sich die psychischen Belastungen durch Mobbing aus? Und welche Präventionsmöglichkeiten gibt es, um sich vor Ausgrenzungen, Gerüchten und Anfeindungen auf dem Schulhof, in sozialen Netzwerken und am Arbeitsplatz zu schützen? 

Prof. Dr. Stefan Heinemann, Professor für Wirtschaftsethik an der FOM Hochschule, betonte in seinem Impulsvortrag, dass die Opfer heutzutage immer jünger werden, da sie immer früher Smartphones besitzen. Eltern würden jedoch häufig nicht über die ausreichende Medienkompetenz verfügen und können somit nicht einschätzen, wo ihre Kinder online aktiv sind und wovor sie geschützt werden müssten. „Kindern und Jugendlichen ist die Gefahr des Datenmissbrauchs nicht bewusst. Sie machen sich keine Gedanken über die Konsequenzen und Ausmaße, wenn sie beispielsweise jemanden online `ärgern` oder vertrauliche Informationen oder Bilder über eine Person verbreiten“, so der Experte für digitale Medizin und Gesundheitswirtschaft.

Andreas Saßmannshausen, Julia Nubbelholt und Kerstin Plath im Gespräch (Foto: FOM)

Ist Mobbing strafbar?

Auch die Sozialpädagogin Julia Nubbenholt und Ulrich Kolks von der Kriminalpolizei Borken aus dem Bereich der Kriminalprävention und Opferschutz, berichteten ausführlich über aktuelle Entwicklungen zum Mobbing- und Cybermobbingverhalten. Sie klärten über die aktuelle Gesetzeslage auf, die beispielsweise besagt, dass man sich bei unterlassener Hilfeleistung schuldig macht. Ebenfalls strafbar: Schwere Mobbinghandlungen wie Beleidigung, Verleumdung, Körperverletzung oder Nötigung.

Dipl.-Psychologe Andreas Saßmannshausen, Mobbingline NRW Ansprechpartner, klärte die Teilnehmenden zu den psychischen Belastungen und Erkrankungen auf, die durch Mobbing und Cybermobbing auftreten können und darüber, welche Präventionsmöglichkeiten es für Betroffene, Angehörige und Unternehmen gibt. Aufklärung, Ermutigungen und gegenseitige Sensibilisierung seien hierbei mit die wichtigsten Faktoren.

Im Anschluss an die Vorträge hatten alle Interessenten noch die Möglichkeit, sich auszutauschen und zu netzwerken. Außerdem präsentierte die Jugendberatungsstelle Kreis Wesel eine Bildpräsentation eines ihrer Cybermobbing-Projekte „Light Painting gegen Cybermobbing - Ein präventives Schulprojekt“.