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Mikroexpressionen: Ich sehe das, was du nicht sagst

Wie man lernt, in Gesichtern zu lesen

06.05.2019 | Hamburg

Das Interesse war groß am interaktiven Vortrag „Ich sehe das, was du nicht sagst – das Pokerface gibt es nicht!“ von Imme Vogelsang. Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe „Leadership“ am Hamburger FOM Hochschulzentrum zeigte die Kommunikationsexpertin und Mimikresonanztrainerin den Teilnehmenden, wie sie ihre Emotionserkennungsfähigkeit trainieren können. Die Referentin erklärt im Interview, wie man lernt, in Gesichtern zu lesen:

Ist es möglich, Empathie zu schulen? Sie gilt doch eher als angeborener Charakterzug.
Man unterscheidet zwischen affektiver und kognitiver empathischer Wahrnehmung. Die affektive Wahrnehmung – das, was wir gegenüber anderen fühlen – lässt sich schwer trainieren. Aber die kognitive basiert auf dem, was wir über das Sehen wahrnehmen. Diese Fähigkeit kann man sehr gut schulen und verbessern.

Ist die Theorie der Mikroexpressionen wissenschaftlich begründet?
Ja. Es geht dabei um nur Millisekunden anhaltende mimische Gesichtsausdrücke von Basisemotionen, die nicht steuerbar sind und unabhängig von kultureller Prägung existieren. Am längsten erforscht hat sie der Anthropologe Paul Ekman, der sich stark auf das Erkennen von Lügen konzentriert hat. Ich arbeite in meinen Trainings mit Mikro- und subtilen Expressionen, die von den Psychologen Ernest A. Haggard und Kenneth S. Isaacs entdeckt wurden. Meine Empathietrainings basieren auf dem Mimikresonanz®-Konzept von Dirk W. Eilert, der das Erkennen von Mikroexpressionen als Möglichkeit beschreibt, Bedürfnisse und Gefühle seines Gegenübers zu erkennen, um seine Gesprächsführung situativ anpassen zu können.

Imme Vogelsang erklärte, wie man lernt, in Gesichtern zu lesen (Foto: FOM)
Imme Vogelsang erklärte, wie man lernt, in Gesichtern zu lesen (Foto: FOM)

Kann man im Selbststudium lernen, Gesichter zu lesen?
Mit Online-Trainings kann man die eigene Emotionserkennungsfähigkeit nach relativ kurzer Zeit steigern, wenn man täglich etwa zehn Minuten übt. Aber wie Mikroexpressionen im wirklichen Leben aussehen, in Bewegung und beim Sprechen, das lernt man erst in längeren angeleiteten Trainings. Die eigentliche Herausforderung ist es, auf diese Emotionen wertschätzend und zielführend eingehen zu können, also in Resonanz mit dem Gegenüber. Auch das übt man am besten in Präsenztrainings.

Welche Leistung einer gut entwickelten Emotionserkennungsfähigkeit hat Sie persönlich besonders beeindruckt?
Was geschulte Profiler damit zur Aufklärung von Verbrechen beitragen können, ist schon eindrucksvoll. Sie arbeiten allerdings auch mit bestimmten Fragetechniken und analysieren nicht allein die Mikroexpressionen, sondern auch Körpersprache, Tonfall und Stimme. Ich habe diese Analyse während meiner Ausbildung einmal an mir selbst erlebt, als der Trainer zu mir sagte: „Du bist nicht einverstanden.“ Er hatte das erkannt, obwohl er mich nur aus den Augenwinkeln wahrgenommen hatte. Das fand ich sehr spannend.

Was möchten Menschen erreichen, die heute bei Ihnen ein solches Training absolvieren?
Sie wollen aus beruflichen Gründen ihre sozialen Fähigkeiten erweitern, für Verhandlungen, Verkaufs-,Bewerbungs- oder Mitarbeitergespräche, Akquise. Das gilt aber auch für Therapeuten und Ärzte, die ihre Kompetenz im Umgang mit Patienten und mit deren Angehörigen verbessern wollen. Im Nachhinein bemerken viele, dass ihnen das Training auch in persönlichen Beziehungen hilft. Wer Emotionen lesen kann, profitiert davon im Grunde bei jeder Begegnung im Leben.

Imme Vogelsang war die erste Referentin bei der „Leadership“-Reihe an der FOM in Hamburg (Foto: Privat).
Imme Vogelsang war die erste Referentin bei der „Leadership“-Reihe an der FOM in Hamburg (Foto: Privat).

Mehr zur Veranstaltungsreihe „Leadership“:

20. Juni, 18-21 Uhr, Barbara Baratie: „Wertschätzende Führung – ein echter Wettbewerbsvorteil“

18. September, 18-21 Uhr, Prof. Per Christiansen u. Prof. Andreas Borsutzky: „Führung und Recht“

Ort: FOM Hochschulzentrum Hamburg, Schäferkampsallee 16a

Die Veranstaltungen sind kostenfrei. Anmeldungen bitte per E-Mail an studienberatung@fom.de oder unter der Tel.: 0800 1 95 95 95.