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Patienten- und Pflegebeauftragter der Bayerischen Staatsregierung zu Gast an der FOM

„Menschliche Kompetenz darf in der Pflege nicht verloren gehen“

Er setzt sich ebenso für Patienten wie für Beschäftigte in der Pflege ein, sieht sich mal als Anwalt und meist als Impulsgeber. Prof. (Univ. Lima) Dr. Peter Bauer (MdL), Patienten- und Pflegebeauftragter der bayerischen Staatsregierung, sprach jetzt mit Studierenden der FOM Hochschule in München über Herausforderungen und Lösungsansätze im Gesundheitswesen.

28.05.2019 | München

Als Patienten- und Pflegebeauftragter der Bayerischen Staatsregierung weiß Prof. Dr. Peter Bauer genau, wo der Schuh drückt: Gesundheits- und Pflegeberufe erfahren auch im Freistaat zu wenig Wertschätzung. Und die zunehmende Digitalisierung und speziell das Thema Robotik in der Pflege verunsichern viele Menschen. Mit Fragen aus diesen und weiteren Bereichen konfrontierten ihn auch die Studierenden. „Wir brauchen ganz klar eine Charmeoffensive für Pflegerinnen und Pfleger“, bekräftigte der Experte, „dazu gehören neben der Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch eine geringere Arbeitsdichte, gute Arbeitsbedingungen und vor allem ein besseres Lohnniveau.“ Es könne nicht sein, so der Regierungsbeauftragte, dass im Sozial- und Pflegebereich um den Mindestlohn gekämpft werde, während Mechatroniker bei namhaften bayerischen Automobilherstellern tausende Euro als Erfolgsprämie erhielten.

Da Prof. Bauer in seiner Rolle als Patienten- und Pflegebeauftragter ressortübergreifend tätig ist, kann er seinen Standpunkt gegenüber den Ministerien frei vertreten. Dies sei wichtig, denn „die Diskussionen von heute beeinflussen die Versorgung von morgen. Ich versuche stets, aus Patientensicht zu denken und mich für ihre Belange einzusetzen“, so der Experte. Digitalisierung und Technisierung in Gesundheit und Pflege sehe er durchaus ambivalent. „Die Digitalisierung kann zur besseren Versorgung beitragen, z.B. in Form einer besseren Dokumentation. Technische Assistenzsysteme können Pflegende entlasten, z.B. durch automatische Flüssigkeitsbeigabe, um Dehydrierung zu vermeiden, oder durch Technologien zur Dekubitusprophylaxe. Gleichwohl fehlt derartigen Systemen die Seele; es fehlt das Herz. Menschliche Kompetenz darf in der Pflege nicht verloren gehen.“

Auch die Folgen von Fehlbehandlungen und Falschdiagnosen sind ein Thema seiner Geschäftsstelle. Lösungsansätze sieht Prof. Bauer, bis 2009 selbst Arzt in eigener Praxis, in sorgfältiger Dokumentation und einer verständlicheren Kommunikation. Es müsse sichergestellt werden, dass Patienten ihre Diagnosen und Behandlungsziele wirklich verstehen. Beipackzettel von Medikamenten müssten zudem in einfacher und verständlicher Sprache verfügbar sein.

FOM Dozent Dr. Roman Grinblat lehrt am Münchner Hochschulzentrum im Studiengang Gesundheits- und Sozialmanagement und hatte Prof. Bauer in seine Vorlesung eingeladen. „Für Studierende ist es wichtig, ihr Blickfeld für unterschiedliche Perspektiven zu öffnen, denn sie gehören zu den Entscheidungsträgern von morgen. Unser Gesundheitswesen ist ein System mit zahlreichen Stakeholdern, komplexen Prozessen und vielen normativen Rahmenbedingungen. Dennoch muss es gelingen, den Patienten im Fokus zu behalten.“

Vortrag von Prof. Dr. Peter Bauer an der FOM in München
Erst der Vortrag, dann die Diskussion: Münchner FOM Studierende lernen aus der Praxis des bayerischen Patienten- und Pflegebeauftragten (Fotos: privat)
Prof. Dr. Peter Bauer und FOM Dozent Dr. Roman Grinblat
Prof. Dr. Peter Bauer, Patienten- und Pflegebeauftragter der Bayerischen Staatsregierung, und FOM Dozent Dr. Roman Grinblat

Digitale Transformation in der Pflege