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KI in der Pflege

FOM Dekan berät Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz“ des Deutschen Bundestages – Teil 1

Künstliche Intelligenz – gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche, soziale und ökologische Potenziale“: Damit befasst sich momentan eine Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags. Diese ist in Projektgruppen eingeteilt, Projektgruppe 3 trägt den Titel „KI und Gesundheit (Pflege, Sport)“. Von ihr wurde Prof. Dr. David Matusiewicz, Dekan der FOM Hochschule und Direktor des Instituts für Gesundheit & Soziales (ifgs) eingeladen, um deren Sitzung am vergangenen Montag in Berlin zum Thema „KI in der Pflege“ mit seiner Expertise zu unterstützen.

20.05.2019

Teil 1: Internationale Positionierung

Gemeinsam mit der Vorsitzenden der Projektgruppe Dr. Anna Christmann, MdB, und weiteren Expertinnen und Experten diskutierten sie diesen Themenschwerpunkt. Matusiewicz hielt einen Impulsvortrag und teilte sein Fachwissen speziell zu diesen Themen:

  • Monetäre Ersparnis im Pflegesystem durch den Einsatz von KI
  • Legitimität des Ansatzes, die Ressourcen in den Mittelpunkt zu stellen
  • Potenziale bzgl. der Steigerung der Leistungsfähigkeit des Gesundheits- und Pflegesystem durch den Einsatz von KI
  • Möglichkeiten der Verhinderung, dass Zeitersparnisse in der Pflege durch KI zu Rationalisierungsmaßnahmen und damit statt zu notwendiger Entlastung zu weiteren Belastungen für Beschäftigte führen – und Möglichkeiten der Sicherstellung, dass die gewonnene Zeit für die Pflege genutzt wird
  • Verhinderung zusätzlichen Arbeitsdrucks durch KI für Beschäftigte in der Pflege und von unverhältnismäßiger Leistungs- und Verhaltensüberwachung
  • Verantwortungsvolle Forschungs- und Entwicklungspraxis zur Sicherstellung der konsequenten Einbeziehung von professionell Pflegenden, Pflegebedürftigen und deren Angehörigen bei der Entwicklung und Einführung von KI-Produkten
  • Aufgaben, die durch Technologie, wie z. B. Pflegeroboter und ähnliche Geräte, unterstützt bzw. sogar übernommen und besser erledigt werden können
  • Datenschutzrechtliche Aspekte von KI zur Dokumentationsunterstützung
  • Auswirkungen von KI auf die Arbeitsbedingungen und die Arbeitsorganisation der Beschäftigten in der Pflege
  • Notwendige Anforderungen und Kompetenzen sowie Bedeutung des fachlichen Wissens, der Erfahrung und individuellen Einschätzungen im Vergleich zu technischen und kontrollierenden Arbeitsaufgaben
  • Integration welcher Aspekte in die Pflege-Ausbildung und Weiterbildung zur Vorbereitung auf KI- und Roboter-Unterstützung
  • Frage nach adäquater Berücksichtigung der o. g. Ausbildungsaspekte in der Pflegeberufereform, die sich derzeit bundesweit in der Umsetzung befindet, oder der Notwendigkeit einer Nachbesserung
  • Weitere Einsatzmöglichkeiten von KI, um die Ausbildung zu unterstützen und ggf. zu personalisieren
  • Seit 2018 unterstützt die Pflegeversicherung über eine 40-prozentige Ko-Finanzierung einmalig die Anschaffung von digitaler oder technischer Ausrüstung durch ambulante oder stationäre Pflegeeinrichtungen mit bis zu 12.000 Euro. – Frage nach der Angemessenheit dieser Summe, um die Einrichtungen dabei zu unterstützen, sich auf die neuen Herausforderungen in diesem Bereich einzustellen
  • Positionierung anderer Länder in Europa, von Japan oder den USA im Hinblick auf den Einsatz von KI und Robotern im Gesundheitswesen 
Prof. Dr. David Matusiewicz gemeinsam mit Dr. Anna Christmann, der Vorsitzenden der Projektgruppe
Prof. Dr. David Matusiewicz, Dekan der FOM Hochschule, gemeinsam mit Dr. Anna Christmann, der Vorsitzenden der Projektgruppe „KI und Gesundheit (Pflege, Sport)“ und der Roboterkatze „Qoobo“. (Foto: privat)

„Wir schauen immer auf Länder wie Japan, wenn es um Robotik und KI geht. Doch diese Länder sind in Bezug auf die Pflege nicht viel weiter als wir. Was allerdings anders ist, ist das Mindset der Menschen – die Bereitschaft, sich mit den technologischen Entwicklungen auseinanderzusetzen. Da können wir als Standort Deutschland von lernen. Auf der anderen Seite gibt es weltanschauliche Unterschiede. In Japan ist der Shintoismus verbreitet, bei dem Dinge – wie eine Roboterkatze – nun mal beseelt und damit belebt werden“, kommentiert Matusiewicz, der sich erst kürzlich auf der WEAI Conference an der Keio University in Tokio, Japan, zum Thema ausgetauscht hat, und fährt fort: „Der internationale Austausch ist enorm wichtig, weil die Herausforderungen in der Pflege, durch Fachkräftemangel und Demografie nicht vor Ländergrenzen haltmachen.“

Auf dem Bild sieht man Prof. Dr. Matusiewicz gemeinsam mit Dr. Christmann, der Vorsitzenden der Projektgruppe, und der Roboterkatze „Qoobo“, die er aus Japan mitgebracht hat. Sie kann in der Pflege eingesetzt werden wie beispielsweise auch die „Pflegerobbe Paro“.

In den folgenden Wochen werden wir einzelne dieser Themen herausgreifen und die Antworten von Professor Matusiewicz hier im Forschungsblog veröffentlichen.

Er lehrt Medizinmanagement, insb. Gesundheits- & Sozialmanagement am FOM Hochschulzentrum Essen.