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  • März
  • FOM Hannover klärt über Business Knigge auf

Von falscher Kleidung und anderen Karrierekillern

FOM Hannover informiert über Business Knigge

20.03.2019 | Hannover

Souverän und stilsicher aufzutreten hilft weiter: im Leben allgemein und im Berufsleben besonders. Über Fettnäpfchen im Geschäftsleben klärte Referentin Sabine Lansing im Rahmen einer Business Knigge-Veranstaltung der FOM Hochschule in Hannover auf. „Nur weil es in meiner Abteilung locker-flockig zugeht, heißt das nicht, dass Kunden oder Vorgesetzte ähnlich ticken“, so Lansing. „Es gibt ungeschriebene Gesetze, die jeder kennen sollte, der sich nicht unüberlegt berufliche Chancen verbauen will.“

Denn der Mensch ist nur bedingt vernunftgeleitet. „Sprache, Körperhaltung, Kleidung und auch unser Duft bestimmen zu 93 Prozent das Bild, das sich andere von uns machen“, gibt die Referentin den mehr als 100 Teilnehmenden mit auf den Weg. „In wenigen tausendstel Sekunden scannen wir das Gegenüber und pressen es in ein Schema, aus dem schwer wieder herauszukommen ist.“ Dabei will Lansing nicht, dass sich Menschen verstellen. „Man darf auch seine Ticks leben. Wer zu jedem Anlass und jedem Sakko unbedingt lila Socken tragen mag, soll das tun. Aber er oder sie sollte sich der Wirkung bewusst sein – und es nur machen, wenn es echt und nicht aufgesetzt ist.“

Es sind oft Kleinigkeiten, die den ersten Eindruck prägen, ja den guten Eindruck dauerhaft ins Gegenteil verkehren können: Die Handtasche, die vor den Körper rutscht, macht aus der selbstbewussten Akademikerin ein verklemmtes Fräulein. Der Bewerber, der zwei, drei Zentimeter auf dem Stuhl nach unten rutscht, signalisiert deutlich: „Du interessierst mich nicht“. Lansing: „So jemandem würde man kaum eine Führungsposition übertragen.“

Knigge leben heißt für die Trainerin, sich seiner Wirkung bewusst zu werden und dadurch Respekt auszudrücken: sich selbst und anderen gegenüber. Denn so leger und liberal die Gesellschaft heute auch sei, gewisse Dinge seien eben gesetzt. „Eine Visitenkarte anzunehmen und sie dann vor den Augen des Anderen mit einem Hefter zu bearbeiten, gleicht fast schon Körperverletzung“, sagt sie. „Voodoo ist nichts dagegen.“

Es sind uralte Vorstellungen von Magie und Reinheit, die bis heute nachwirken. „Die meisten finden es befremdlich, jemandem genau die Hand zu schütteln, die er zuvor aus der Hosentasche gezogen hat.“ Und der Mann, der die Visitenkarte einer Frau in seine Hose steckt, zielt buchstäblich unter die Gürtellinie.“ Das Publikum folgt Lansing so amüsiert wie aufmerksam. „Die meisten Besucher studieren berufsbegleitend, weil sie im Job vorankommen möchten. Dafür ist adäquates Auftreten von besonderer Bedeutung“, sagt Dr. Dania Recker, Geschäftsleiterin des hannoverschen Hochschulzentrums der FOM.

Eine dieser „Kleinigkeiten“ ist die Anrede: Dass Frauen keinen Bonus mehr genießen („Ladies first“), sondern bei der Reihenfolge der Begrüßung allein die Hierarchie entscheidet, ist einfach zu befolgen. Aber das vorschnelle Duzen, das in der IT-Branche fast Pflicht, in der Pharma- oder Versicherungsbranche noch immer verpönt wird, ist eine zweischneidige Sache. „Vom Sie zum Du geht immer, aber wer vom Du wieder zum Sie übergeht, verliert schnell den Draht zum Anderen – egal ob Kunde oder Chef.“

Die Handtasche, die vor den Körper rutscht, vermittelt einen falschen Eindruck – und macht aus einer selbstbewussten Akademikerin ein verklemmtes Fräulein (Foto: FOM / J. Woltermann)
Die Handtasche, die vor den Körper rutscht, vermittelt einen falschen Eindruck – und macht aus einer selbstbewussten Akademikerin ein verklemmtes Fräulein (Foto: FOM / J. Woltermann)

TOP-7-Fettnäpfchen und wie man sie meidet

1. Visitenkarten-Voodoo – Die Pappkärtchen nicht knicken, heften, beschriften

2. Sich zu feminin geben – Zu kurze Röcke, zu hohe Absätze, zuviel Schminke meiden

3. Den Zappelphilipp machen – Wer beim Reden zu viel wackelt, hat keinen Standpunkt

4. Bleibt sauber, Freunde!– Die Hand zur Begrüßung von den eigenen Hosentaschen fernhalten

5. Duzen ist voll out, Alter! – Die eigene Sprache entscheidet, ob man dazugehört oder eben nicht

6. Es riecht wie in der Drogerie – Parfüm und Rasierwasser sparsam einsetzen und an Wechselwirkungen mit Düften in Wasch- und Pflegemittel denken

7. Nur Weihnachten ist mehr Lametta ... – Schmuck und Bekleidung dezent einsetzen; nicht mehr als sieben Teile nehmen, so die Faustregel

Wer zwei, drei Zentimeter auf dem Stuhl nach unten rutscht, signalisiert dem Gegenüber Desinteresse (Foto: FOM / J. Woltersmann).
Wer zwei, drei Zentimeter auf dem Stuhl nach unten rutscht, signalisiert dem Gegenüber Desinteresse (Foto: FOM / J. Woltersmann).