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  • Plastikfrei einkaufen bei „Tante Pati“: Duisburger FOM Student eröffnet Unverpackt-Laden

Plastikfrei einkaufen bei „Tante Pati“

Duisburger FOM Student eröffnet Unverpackt-Laden

Ein gestrandeter Wal mit 40 Kilogramm Plastik im Bauch oder ein Seepferdchen, das sich an ein Wattestäbchen klammert: Nur zwei Beispiele, die die Vermüllung der Meere symbolisieren. Es ist zwar vielseitig, leicht und praktisch – aber es ist eines der größten Umweltprobleme der Zeit: Plastik. Der Duisburger FOM Student Timo Schütte möchte seinen eigenen kleinen Beitrag leisten, eröffnete den ersten Unverpackt-Laden in Moers und im gesamten Kreis Wesel.

08.07.2019 | Duisburg

Was ist ein Unverpackt-Laden?

Wie der Name schon verrät, ist es ein Geschäft, das Waren ohne Verpackungen anbietet. Die Gläser klirren, ein Pärchen steht bei den Nüssen, ein junger Mann betrachtet die Müslivielfalt.  „Alle reden nur, wir wollten was machen“, berichtet Timo Schütte. Der 25-Jährige studiert Betriebswirtschaft & Wirtschaftspsychologie an der FOM in Duisburg. Unter anderem durch Crowdfunding finanzierten er und seine Freundin sich ihren Laden „Tante Pati“: „Es spart Unmengen an Plastikverpackungen, die unter hohem Energieaufwand produziert werden, nur um kurz nach dem Einkauf im Müll zu landen.“ Die Kunden ihre Waren selbst abfüllen zu lassen, erlaube es ihnen zudem, nur die wirklich benötigte Menge zu kaufen und so Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Ihr Angebot: Frisches Obst, Gemüse aus der Region, Reis, Nudeln, Getreide, Kaffee, Backwaren, Kosmetika und mehr – alles als lose Ware. Die meisten Produkte sind Bio oder mit vergleichbaren Siegeln zertifiziert: „Wir haben uns allerdings bewusst gegen ein reines Biosortiment entschieden, da es für uns sehr wichtig ist, besonders bei frischen Lebensmitteln auf die Regionalität zu achten.“ Um die lose Ware transportieren zu können, sollten die Kunden eigene Behälter mitbringen. Das könnten Gläser, Flaschen, Dosen oder Baumwollbeutel sein. „Wir wollen mit dem Laden einen Beitrag leisten, unsere Region ein kleines Stück nachhaltiger zu gestalten“, so Schütte.

Die Umsetzung

Timo Schütte und seine Freundin Patrizia Paulus berichteten zunächst bei Facebook von ihrer Idee – konnten sich vor Likes und Zuspruch kaum retten. Offenbar bewegte der Fakt, dass beim Einkaufen zu viel Müll anfällt, viele Menschen. So starteten die jungen Gründer eine Crowdfunding Aktion und erhielten sehr viel Unterstützung. Die beiden Studierenden bekamen innerhalb von vier Wochen 15.000 Euro zusammen. „Dieses Projekt ist nicht gerade billig gewesen – viele Schüttbehälter sind notwendig, aus denen die Waren in die Behältnisse der Kunden abgefüllt werden.“ Sowohl während der Vorarbeit und der Gründung, als auch im heutigen Arbeitsalltag greift Schütte oft auf die Studieninhalte an der FOM zurück. „Ich übernehme die Aufgaben im Hintergrund, das Bürokratische – da kommt mir einiges an Wissen aus dem Studium zu Gute.“ Seine Freundin kümmert sich eher um den operativen Verkauf und das Warenmanagement, denn Timo Schütte arbeitet neben dem Geschäft noch in einem Vollzeitjob.

Frisches Obst und Gemüse aus der Region wird selbstverständlich als lose Ware angeboten (Foto: Privat)

Ist der Einkauf wirklich plastikfrei?

Die meiste Ware erhält das Pärchen in 25kg Papiersäcken. Gewürze, Öl und Essige sowie Reinigungsmittel erhalten sie in Pfand Gebinden. Diese gehen später wieder gesammelt zurück an den Hersteller. „Wir sind sehr darauf bedacht nur Lieferanten auszuwählen, die nachhaltig und verantwortungsvoll produzieren und verschicken. Leider ist es jedoch nach wie vor nicht einfach, in Deutschland diese Händler zu finden“, so der FOM Student.

Wo stehen Unverpackt-Läden in fünf Jahren?

Timo Schütte ist guter Dinge, dass in den nächsten fünf Jahren noch viele weitere Unverpackt-Läden eröffnen werden. Viele der bereits bestehenden Läden wurden genossenschaftlich oder durch Crowdfunding finanziert, was zeige, dass die Bevölkerung diese Art von Läden unterstützt und favorisiert. Das Marktumfeld würde sicherlich in Zukunft noch um einiges härter werden, da sich auch die großen Supermarktketten umstellen (müssen). Beispielsweise hätten Edeka und DM bereits Pilotprojekte mit Abfüllstationen erfolgreich durchgeführt. Schütte: „Dadurch entsteht ein hoher Preisdruck auf kleine Läden. Schön wäre es, wenn sich die kleinen Läden auch in fünf Jahren noch behaupten können, da das Einkauferlebnis in solchen Geschäften seinen ganz eigenen Charme hat.“

Wer sind die Kunden und wie wird der Laden bis jetzt angenommen?

Bis jetzt zeigen die Verbraucher aus Moers eine sehr hohe und positive Resonanz, was die beiden Unternehmer sehr freut: „Es geht gar nicht darum, dass nun alle zero waste leben, aber wenn jeder anfängt einige Dinge bei sich zu verändern, beispielsweise durch ein plastikfreies Badezimmer, wird dies schon viel bewegen.“ Die Kunden seien sehr durchmischt. Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit scheine sowohl bei den Jungen als auch bei den Älteren stark ausgeprägt zu sein. „Es waren schon einige Schulklassen zu Besuch und es kommen generell viele Kinder und Jugendliche in das Geschäft, um es ihren Eltern zu zeigen. Diese jungen Generationen machen sich wirklich viele Gedanken über ihren Müllkonsum.“ Neben den jungen Generationen kämen aber auch viele ältere, die das Prinzip bewundern und mit einem Schmunzeln anmerken „es kommt doch alles wieder.“

Bei Tante Pati gibt es waschbare Bambus Tücher statt der herkömmlichen Küchenrolle (Foto: Privat)
Das Konzept eines Unverpackt-Ladens: Die Lebensmittel werden in eigene Behälter abgefüllt (Foto: Privat)

Fakten:

  • In Kenia gilt das härteste Plastiktütenverbot der Welt: Bei der Nutzung einer Tüte drohen bis zu vier Jahren Haft.
  • Mindestens acht Millionen Tonnen Müll landen jedes Jahr in den Ozeanen.

  • Bei Verpackungsmüll belegt Deutschland einen Spitzenplatz in Europa.

  • Im Jahr 2016 fielen 18,2 Millionen Tonnen Verpackungsmüll an, das sind rund 220 Kilo pro Kopf.

www.umweltbundesamt.de

Patrizia Paulus und Timo Schütte - das Pärchen eröffnete den Laden in Moers gemeinsam (Foto: Privat)

Nachhaltigkeit an der FOM

Nachhaltigkeit in Forschung und Lehre systematisch zu verankern – daran arbeitet die FOM bereits seit über zehn Jahren. Das KompetenzCentrum für nachhaltige Entwicklung verfolgt das Ziel, Beiträge zur Umsetzung der Agenda 2030, zur Erreichung der Sustainable Development Goals (SDG) sowie des 2°C-Ziels im Klimabereich zu leisten. Zielsetzung ist die Verankerung der Themen bei Studierenden und Lehrenden sowie im Praxisdialog.

Der wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutungszuwachs von Ethik- und Nachhaltigkeitsthemen zeigt sich u.a. auch darin, dass seitens der Studierenden das Interesse an solchen Themen und Fragestellungen für Bachelor- und Masterabschlussarbeiten gewachsen ist. Insgesamt wurden bereits über 1400 Abschlussarbeiten an der FOM Hochschule angefertigt, die sich ethischen und nachhaltigkeitsbezogenen Fragestellungen widmen (Stand Juni 2019).

Das Thema „Nachhaltigkeit“ hat die FOM auch an verschiedensten Stellen in den Studiengängen verankert: Nachhaltigkeit ist (oder sollte) ein strategisches Managementthema für viele Unternehmen sein, daher ist z. B. das Modul „Führung & Nachhaltigkeit“ elementarer Bestandteil in fast allen FOM Master-Studiengängen. Auch wird das Thema noch einmal in speziellen FOM Studiengängen aufgegriffen, z. B. „Regenerative Energien“ im Bachelor „Elektrotechnik & Informationstechnik“ oder im Modul „Wirtschafts-/Unternehmensethik“ in den klassischen BWL Bachelor-Studiengängen. Sehr prägnant ist das Thema auch bei den eufom-Studiengängen, wo in verschiedenen Modulen Themen wie z. B. Nachhaltigkeit oder Green Investment etc. verankert sind.

Herr Schütte, was kann ich selber tun, um einen Beitrag zu leisten?

  • Kunststofffrei einkaufen - also unverpackte Lebensmittel kaufen und Plastiktüten und Verpackungen vermeiden.

  • Im herkömmlichen Supermarkt beispielsweise mit eigener Dose zur Käsetheke gehen.

  • Kosmetika ohne Aluminium und sonstige Inhaltsstoffe verwenden.

  • Darauf achten, wo die Produkte herkommen und saisonal einkaufen.

 

 

Ziele der nachhaltigen Entwicklung