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3 Fragen an einen Gesundheitsmanagement-Experten

Wenn Patienten mehr Furcht als Vertrauen in die stationäre Gesundheitsversorgung haben

Das Gesundheitswesen steht durch einen zunehmenden Personalmangel und dem gleichzeitig steigenden Bedarf an medizinischen Leistungen vor großen Herausforderungen. Hier stellt sich vor allem die Frage, wie Patienten mit der Situation im Krankenhaus umgehen sollen. Prof. Dr. Marcel Konrad, Professor für Gesundheits- und Sozialmanagement, insbesondere Pflegemanagement, an der FOM Hochschule in Frankfurt, versucht, Antworten zu finden.

15.07.2019 | Frankfurt a. M.

„Wer alt und krank ist, sollte sich von Krankenhäusern fernhalten“ so ein allgemeiner Hinweis. Was halten Sie von dieser Einstellung?

Natürlich ist es ein Ziel vieler Menschen einen Krankenhausaufenthalt zu vermeiden, da hiermit oftmals negative, gar bedrohliche Aspekte assoziiert werden. Leider ergeben sich im Alter jedoch häufig komplexe Versorgungsbedarfe in Therapie und Pflege, welche einer professionellen Steuerung durch den stationären Versorgungssektor bedürfen. Wer also alt und krank ist, sollte sich nicht von Krankenhäusern fernhalten, wenn die Krankheit einer ständigen Überwachung bedarf, wenn ein schneller und vernetzter Zugang zu spezialisierten Fachabteilungen sowie wenn eine umfangreiche Ausstattung an Möglichkeiten zur Diagnostik, Therapie und Pflege gegeben sein muss. Krankenhäuser haben also einen unerlässlichen Stellenwert für die Gesellschaft und somit auch für jeden Einzelnen.

Was kann der stationäre Versorgungssektor Ihrer Meinung nach tun, damit Patienten wieder Vertrauen fassen?

Zu viel Druck, zu viele Patienten, zu wenig Zeit, Mängel in der Hygiene etc. können zu Überlastung des Pflegepersonals beitragen, die Fehleranfälligkeit erhöhen und die Lebensqualität der Patienten einschränken. Diese Gegebenheiten sollten Krankenhäuser tunlichst vermeiden. Stattdessen sollten sie ausreichend qualifiziertes Personal zur Verfügung stellen und an sich binden, ihnen mehr Zeit für die Versorgung der Patienten einräumen und keinen wirtschaftlichen Druck auf sie ausüben. Patienten werden dies wahrnehmen, sich besser versorgt fühlen und dadurch Vertrauen in das Krankenhaus fassen.

Hochschulbereich Gesundheit & Soziales an der FOM Hochschule in Frankfurt am Main

Die FOM qualifiziert Studierende zu Fachkräften, die das Gesundheitswesen aus administrativer, pflegerischer und psychologischer Sicht begleiten, gestalten und vorantreiben können.

Absolventen berufsbegleitender Bachelor- und Master-Studiengänge werden zu Experten, die unternehmerisch denken und handeln, ohne dabei die Bedürfnisse der Patienten aus den Augen zu verlieren.

Link zum Hochschulbereich >>

Prof. Dr. Marcel Konrad, Professor für Gesundheits- und Sozialmanagement, lehrt an der FOM Hochschule in Frankfurt (Foto: FOM)

Zusätzlich können Kliniken und Krankenhäuser den Patienten durch das Alltagsgeschäft, durch transparente strukturierte Qualitätsberichte sowie Öffentlichkeitsarbeit aufzeigen, dass sie die spezialisierten Facheinrichtungen sind, die sich empathisch, vertrauens- und verantwortungsvoll für die Gesundheit, Lebensqualität und das Wohlergehen von Patienten einsetzen. Digitalisierung in der Pflege oder der Einsatz innovativer Technologien zeugen von einem modernen Haus.

Haben Sie einen Tipp für Patienten?

Krankenhäuser sind wichtige und wesentliche Funktionsbereiche unseres Gesundheitssystems. Sie sind darauf ausgerichtet, ein bedeutendes Versprechen einzulösen, nämlich eine qualitativ hochwertige, effektive und effiziente Patientenversorgung zu gewährleisten. Wichtig ist es hierbei, dass Patienten nach Möglichkeit ihre  eigene Autonomie und Mündigkeit wahren, sich für die eigene Behandlung interessieren sowie engagieren. Dadurch können sie an der Entscheidungsfindung für eine Behandlung partizipativ und aktiv teilnehmen. Ferner sollen Patienten bei einer Krankenhauseinweisung ihrem Haus- oder Facharzt ihre Wünsche der Krankenhauswahl mitteilen. So können Präferenzen des Patienten Berücksichtigung finden.