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08.01.2019 | München

3 Fragen an die Münchner FOM Professorin Eva Lermer

Warum wir mit Frieden und Wohlstand nicht klarkommen

Prof. Dr. habil. Eva Lermer, FOM Hochschule München, Wirtschaftspsychologie
Prof. Dr. habil. Eva Lermer lehrt Wirtschaftspsychologie an der FOM in München (Foto: FOM)

„Das Unbehagen im Frieden“ lautet der Titel eines neuen Buches, welches die Psychologie-Professorin Eva Lermer (FOM Hochschule) und ihr Kollege Professor Peter Fischer von der Universität Regensburg verfasst haben. In dem Buch gehen sie der Frage nach, ob und warum Menschen nach längeren Phasen positiver gesellschaftlicher und ökonomischer Entwicklung immer wieder in unangemessene Konfliktfreudigkeit und erhöhte Risikobereitschaft abgleiten.

Frau Professor Lermer, worum geht es in dem Buch?

Mit psychologischen Theorien, die wir auf aktuelle Beispiele anwenden, versuchen wir zu verstehen und zu erklären, warum und wie gesellschaftlicher Wohlstand zu Übermut führen kann und welche drastischen Konsequenzen daraus folgen können. Wir nennen dieses Phänomen Wohlstandsübermut. Hierunter fassen wir verschiedene psychologische Effekte und bringen diese in Bezug zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. Dazu zählt unter anderem die Tatsache, dass Langeweile zu risikobehaftetem Verhalten motivieren kann, die Frage warum es vorkommt, dass Menschen bei Unfällen filmen anstatt zu helfen, wieso die Leute Informationen oftmals zu wenig hinterfragen und wieso man Populisten unreflektiert Vertrauen schenkt und die Demokratie in Frage stellt.

Was können Ihre Studenten damit anfangen?

Es handelt sich um ein populärwissenschaftliches Buch. Wir haben es gezielt so geschrieben, dass es jeder verstehen kann. Der Vorteil ist: Man kann es leicht und schnell lesen, zum Beispiel beim S-Bahnfahren und in einzelnen Kapiteln. Die Beispiele umfassen soziale Phänomene. Da die hierzu geschilderten psychologischen Prozesse und Theorien jedoch grundlegende sind, ist der Inhalt natürlich auch für die Wirtschaftspsychologie relevant. Wie in allen psychologischen Bereichen, in denen es um das Erleben und Verhalten von Menschen geht, gilt es zu verstehen, wie Menschen denken und handeln, welche Rolle zum Beispiel Emotionen spielen, und welche Entscheidungsmuster und Gruppenphänomene es gibt.

Wie kann man sich psychologischen Automatismen entziehen?

Ganz entziehen werden wir uns wohl nicht können. Die Frage ist auch, ob das erstrebenswert wäre. Was wir mit diesem Buch jedoch bewirken möchten, ist Psychoedukation. Gemeint ist damit, dass wir uns unser Denken, unsere Entscheidungen und unser Verhalten öfter bewusst machen. Dass darüber hinaus bewusst wird, dass es psychologische Prozesse gibt, die zu Automatismen führen können und ein jeder selbst davon betroffen sein kann. Wissenschaftliche Studien belegen: Je bekannter ein Effekt wird, desto mehr kann dessen negativer Einfluss reduziert werden – und je mehr Menschen über psychologisches Wissen verfügen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit dafür, dass wir uns evolutionär überholter Reaktionsmuster entledigen.