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28.01.2019 | München

FOM Studierende erarbeiten Konzeptentwürfe für betriebliche Seelsorge

„Echte Pionierarbeit im Hörsaal“

In Kliniken, bei der Polizei und bei der Bundeswehr sind sie seit vielen Jahren im Einsatz: Seelsorger, meist mit religiösem Hintergrund, kümmern sich um Menschen, die von tragischen Ereignissen heimgesucht wurden, die seelische Probleme haben oder, wie bei Soldaten, nach traumatischen Einsätzen begleitet werden. Ob und wie das Modell der individuellen Unterstützung auch ohne religiöse Prägung auf deutsche Unternehmen übertragbar ist, z.B. bei der Konfliktbewältigung unter Mitarbeitenden, untersuchte der Münchner FOM Dozent Dr. Roman Grinblat mit Studierenden im Rahmen einer Fallstudie.

Kleingruppenarbeit an der FOM Hochschule in München
Münchner FOM Studierende erarbeiten in Gruppen Ideen für eine betriebliche Seelsorge ohne religiöse Prägung (Fotos: FOM)

„In den USA ist Corporate Chaplaincy, also unternehmensbezogene Seelsorge, eine gängige Form pastoraler Arbeit“, so FOM Dozent Grinblat. „Rund 5.000 Seelsorger betreuen dort ca. eine Millionen Mitarbeitende in fordernden Lebenssituationen.“ In Deutschland unterhielten die Kirchen zwar Arbeitsbereiche, die Kontakte zu Betrieben halten. Das Arbeitsfeld werde aber innerkirchlich zunehmend in Frage gestellt – trotz eines wachsenden Bedarfs, auf den Unternehmen durch den Ausbau des Betrieblichen Gesundheitsmanagements reagieren. „Aufgrund der steigenden Fälle von Burn-Out sowie Verdichtung von Arbeit und der psychischen Belastung von Berufstätigen durch die Pflege naher Angehöriger wundert mich das sehr“, betont der Sozialrechts-Experte.

Experte für betriebliche Seelsorge als Gastreferent

Peter Lysy, Theologe und Betriebsseelsorger, unterstützte die FOM Studierenden bei der Fallstudie
Gastreferent Peter Lysy ist Theologe und betreut seit 2014 Mitarbeitende einer großen deutschen Krankenkasse.

Für seine Studierenden im Gesundheits- und Sozialmanagement lud er einen Fachmann ein, der auf fünf Jahre praktische Erfahrungen als Betriebsseelsorger zurückblicken kann: Peter Lysy, Theologe mit klinischer Seelsorgeausbildung in den USA und Mitarbeiter beim evangelischen Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (kda Bayern). Er begleitet bei einer großen Krankenkasse projektbezogen seit 2014 Mitarbeitende u.a. bei Konflikten im Team oder mit Vorgesetzten, bei beruflichen Ängsten, aber auch bei Krankheits- und Trauerfällen.

Präsentation der Ergebnisse: An der FOM lernen die Studierenden, Arbeitsergebnisse vor der Gruppe zu präsentieren
Studierende präsentieren ihren Kommilitonen und ihrem Dozenten Dr. Roman Grinbalt die entwickelten Konzeptideen.

„Unter Anleitung von Herrn Lysy haben die Studierenden in Kleingruppen erarbeitet, welche Voraussetzungen und Instrumente für die Übertragung dieser Idee in deutsche Unternehmen nötig wären“, beschreibt Dr. Roman Grinblat. „Heraus kamen verschiedene Konzeptentwürfe, die sich auch aufgrund der beruflichen Erfahrungen unserer Studierenden zum Teil deutlich voneinander unterschieden.“ So setzten einige eher auf die Vergabe anonymer Online-Termine, während andere den persönlichen Kontakt durch externe Begleiter favorisierten. Bei einem Punkt allerdings waren sich die Studierenden einig: Ein solches Unterfangen müsste durch die Geschäftsführung der Unternehmen initiiert und als Thema gesetzt werden, damit es auch von Mitarbeitenden wahrgenommen wird.

Positives Fazit des FOM Dozenten:

„Die Fallstudie ist ein schönes Beispiel dafür, dass auch im Hörsaal echte Pionierarbeit geleistet werden kann.“