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Prof. Dr. Nick Dimler über FinTechs im Interview:

„Die mobile Bank N26 ist das erste Einhorn der Berliner FinTech-Szene“

11.02.2019 | Berlin

Gerade sorgte die Digitalbank N26 mit einer neuen Finanzierungsrunde für Furore in der Branche und zieht neugierige Blicke auf die Berliner Startup-Szene. Was steckt hinter ihrem Erfolg? Das fragten wir unseren Experten Prof. Dr. Nick Dimler, der an der FOM Hochschule in Berlin „Allgemeine Betriebswirtschaftslehre“ und insbesondere „Entrepreneurship“ und „Finanzen“ lehrt. Dimler war im Projekt „Innovationsforum FinTech“ involviert, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde. 2018 gab er das Buch „Unternehmensfinanzierung im Mittelstand" mit heraus und lehrte als Dozent der FOM in Taiyuan/China. Dort hat er selbst erlebt, wie anders die Chinesen mit dem Thema „Digital Payment“ umgehen.

FOM: Was macht das Startup „N26“ im Vergleich zu anderen Banken gerade richtig?

Prof. Dimler: Im Vergleich zu klassischen Banken hat N26 es verstanden, mit einem relativ langweiligen Produkt wie der Kontoführung, welches andere Banken oft nicht als attraktives Geschäftsmodell sehen, einen extremen Kundenzuwachs mit geringen Kosten pro Neukunde hinzulegen. Das ist wirklich beachtlich. In Deutschland bleiben die Kunden ihren Banken bisher meist lange treu. N26 hat hier etwas geschafft, was die anderen Banken ihnen nie zugetraut haben.

FOM: Was steckt hinter dem Erfolg der Mobilbank?

Prof. Dimler: Aus meiner Sicht ist das gelungen, weil N26 sehr stringent in die Digitalisierung gegangen sind und sich mit einem guten Marketing, vor allem online, nur darauf konzentriert haben. Ich habe Testberichte gelesen und die App auch selbst ausprobiert. Sie ist wahrscheinlich nicht mal die beste. Trotzdem ist es dem Start-Up gelungen, sich vor allem bei einer jungen, internetaffinen Zielgruppe als dynamische und innovative Digitalbank zu positionieren - einfach zu nutzen mit dem eigenen Smartphone. Hinzu kommt, dass die Gründer potente Investoren gefunden haben, die auch Kapital nachlegen können. Zukünftig wird es dann spannend, wie N26 es schafft, ihre ambitionierten Ziele zu erreichen und Geld zu verdienen.

N26 ist das erste FinTech in Europa, das es in diese Finanzierungshöhen geschafft hat und steigt nun mit einer Bewertung deutlich oberhalb der Milliardengrenze in die Riege der sogenannten „Einhörner“ auf. Das strahlt natürlich auf die Berliner Startup-Szene ab und sorgt weltweit für Beachtung. In Deutschland stehen wir mit dem Thema „FinTech“ eigentlich ziemlich hinten an. Wenn man die Digitalbank N26 betrachtet: sie ist als FinTech gestartet, hat aber inzwischen eine Banklizenz. Man kann also darüber streiten, ob es sich noch um ein echtes FinTech handelt.

FOM: Im Sommer 2018 haben Sie mit Kollegen ein Buch zum Thema "Unternehmens-finanzierung im Mittelstand" herausgebracht. Wie ist Ihre Einschätzung zur Finanzierung durch Digitalbanken und FinTechs?

Prof. Dimler: Bei klassischen Banken sind kleine Finanzierungssummen oft nicht sehr beliebt. Es gibt einige FinTechs, die in diese Nische gesprungen sind. Sie arbeiten bereits erfolgreich, aber noch lange nicht so wie erwartet und gewünscht, weil mittelständische Unternehmen in Deutschland oft noch sehr konservativ finanzieren. Sie machen lieber Geschäfte mit Menschen, die sie kennen, so wie ihren Berater bei der Hausbank. So ist der Anteil der FinTechs am Markt für Unternehmensfinanzierungen in Deutschland aktuell noch marginal.

Es wird noch eine Weile dauern, bis sich das ändert. Die klassischen Finanzierer, insbesondere Sparkassen und Volksbanken, genießen einen großen Vertrauensvorschuss. Auch weil sie in die Bankenkrise nicht direkt involviert waren. Vielleicht wird sich das mit der Nachfolgefrage ändern, wenn jüngere Geschäftsführer die Firmen übernehmen.

FOM: Sie waren im Oktober als Dozent der FOM in Taiyuan. Wie sieht es in China mit FinTechs und der Bereitschaft zum „digital payment“ aus?

Prof. Dimler: Was ich in China erlebt habe, wäre für viele Deutsche sehr überraschend. Die Chinesen sind in Sachen „digital payment“ deutlich weiter als wir. In der Stadt wird man komisch angesehen, wenn man sein Essen in bar bezahlen möchte: Jedes Restaurant hat einen QR-Code, den man zum Bezahlen einscannt. Die Transaktion läuft dann vor allem über die App „WeChat“, wie fast alles in China. Sogar Bettler sind mit QR-Codes unterwegs. Das funktioniert aber nur mit einem chinesischen Konto, das ich für die kurze Zeit nicht eröffnet habe. Also musste es auch so, nur mit Bargeld, gehen. Insgesamt ist die Verbindung zum Smartphone bei den Chinesen viel größer als bei den Deutschen. Viele organisieren darüber ihr komplettes Leben.

Was FinTechs angeht, ist der Markt in China natürlich viel größer und ebenso sind es die Finanzierungsrunden. Für Europäer ist er insgesamt sehr intransparent, weil wir einerseits die Regeln nur schwer verstehen und andererseits die Sprachbarriere besteht. China ist als Markt sehr interessant, schon allein weil er so groß ist. Für eine neue App bekommt man beispielsweise viel schneller hohe Nutzerzahlen als in Europa und den USA.

Prof. Dr. Nick Dimler, FOM Hochschule in Berlin