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Experten diskutieren über Mega-Trends im Sport

„Fußball könnte uninteressant werden“

Wird Fußball an Spannung verlieren? Welche Auswirkungen hat die angedachte europäische Super-League auf die beliebteste Sportart der Welt? Professor Dr. Luca Rebeggiani von der FOM in Bonn hat sich mit diesem Thema ausführlich beschäftigt. Jüngst reichte er zwei seiner Forschungsarbeiten dazu bei der Jahrestagung für Sportökonomie an der Uni Jena ein. Das Thema der Konferenz: Mega-Trends im Sport. Alle eingereichten Papers wurden anonym begutachtet und bewertet – Rebeggianis Arbeiten wurden als Fachvorträge für die Tagung akzeptiert. Am 25. und 26. April wird der Bonner Professor nun seine Ergebnisse in Jena präsentieren.

Prof. Dr. Luca Rebeggiani lehrt Volkswirtschaftslehre und Statistik an der FOM in Bonn. Er hat mittlerweile mehr als 15 Jahre Erfahrung in der angewandten Forschung und der wirtschaftspolitischen Beratung. Die inhaltlichen Schwerpunkte seiner Arbeit liegen in der Analyse von sport- und glücksspielökonomischen Themen. Der Titel einer seiner gemeinsam mit Michael Drewes eingereichten Arbeiten lautet "Die European Super League im Profi-Fußball: eine Szenario-Analyse aus sport- und wettbewerbsökonomischer Sicht".

18.04.2019 | Bonn

Wie ausgeglichen ist der europäische Liga-Fußball?

In der Arbeit zur Super-League geht es um „Competitive Balance“ – also um die Ausgeglichenheit des sportlichen Wettbewerbs. Aufhänger für diese Untersuchung war ein Bericht im Nachrichtenmagazin „Spiegel“. Dieser konstatierte, dass die großen und finanziell potenten Vereine eine geschlossene European Super League (ESL) planen würden. Doch für Rebeggiani kristallisiert sich immer mehr heraus, dass es ohnehin schon längst eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Fußball gibt. In der Champions League würden beispielsweise immer die Gleichen gewinnen – es herrsche also eine starke Dominanz weniger Clubs.

Geht die Spannung verloren?

Die Arbeit von Luca Rebeggiani und Michael Drewes behandelt die möglichen Szenarien, die eintreten könnten, wenn eine offizielle Super League gegründet würde. „Wenn die Competitive Balance verloren geht, dann muss der Fußball aufpassen – durch solch einen Bruch wird der Sport irgendwann uninteressant“, so die Experten.  Der 41-Jährige Italiener Rebeggiani ist selbst Juventus Turin-Fan, kommt aber aus Rom. Schon damals war der Wettbewerb der Vereine untereinander ein Riesenthema: „Ein Juventus-Fan in Rom, das ging gar nicht. Die beiden Vereine Juventus und Rom waren schon immer die größten Rivalen. Auf dem Schulhof musste ich mir damals einiges deshalb anhören“, so der gebürtige Italiener.

Der in Jena vorgestellte Beitrag soll nun zeigen, dass die Überlegungen zur Gründung einer ESL aus sportökonomischer Sicht nicht überraschen, sondern sich dieser Trend für die Ligen-Organisation in Europa bereits lange abzeichnet. Es werden verschiedene Szenarien diskutiert, die als Folge der Diskussion über die Gründung der ESL für den europäischen Fußball möglich sind. Die Gründung einer ESL sei denkbar – aber auch wenn es nicht zur Bildung einer ESL komme, seien Auswirkungen auf den europäischen Fußball allein schon aus der Diskussion darüber wahrscheinlich, so die Experten.

 

Die Arbeiten von Prof. Dr. Luca Rebeggiani wurden für die Experten-Tagung in Jena angenommen (Foto: Mirko Seithe)

Zur Tagung

Vom 25.-27. April 2019 veranstaltet der Arbeitskreis Sportökonomie seine 23. Jahrestagung in Jena in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Sportökonomie und Gesundheitsökonomie der Friedrich-Schiller-Universität. Als Generalthema wurde "Megatrends im Sport" vorgesehen. Damit beschäftigt sich die Tagung mit wichtigen, aktuellen und vor allem wegweisenden Entwicklungen des Sports. Gerade die Diskussion der mittel- bis langfristigen Zukunft des Sports steht dabei im Mittelpunkt. Es wird verschiedenste Sessions innerhalb der Konferenz geben, in denen Luca Rebeggiani seine Arbeit vorstellt.