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30.11.2017

Rückblick auf DAQkommunal

„Für mich war die Projektteilnahme eine Personalentwicklungsmaßnahme“

Als im Juni 2012 der Startschuss für das Projekt Demografieaktive Qualifizierung in Kommunen und Kreisen – kurz: DAQkommunal – fällt, ist Oliver Dequis Sachbearbeiter im Personal- und Organisationsamt der Stadt Wiesbaden. Noch vor Abschluss des Projektes erhält er die Chance, eine Führungsposition zu übernehmen – und leitet inzwischen die Abteilungen Zentrale Dienste & Friedhofsverwaltung mit insgesamt 100 Mitarbeitenden beim Grünflächenamt. Im Interview beschreibt er die gemeinsame Arbeit an einem strategischen Weiterbildungs- und Qualifizierungskonzept und erklärt, warum die bei DAQ gewonnenen Erkenntnisse in seinem Arbeitsalltag nach wie vor eine wichtige Rolle spielen…

Mit welcher Zielsetzung haben Sie sich an DAQkommunal beteiligt? 

Oliver Dequis: Wie viele andere Verwaltungen auch, ist die Stadt Wiesbaden vom drohenden Fachkräftemangel betroffen. Bis 2025 werden beispielsweise über 90 Prozent aller Führungskräfte in den Ruhestand gehen. Angesichts dieser Zahlen war das Thema demografieaktive Qualifizierung natürlich aktuell wie nie…

Für mich persönlich hatte die Teilnahme an dem Projekt noch eine andere Note. Als es im Juni 2012 losging, war ich Sachbearbeiter im Personal- und Organisationsamt und zuständig für den Bereich Stellenplan/Organisationsdienstleistung. Mein Chef, Bernhard Langanki, hat gefragt, ob ich mich einbringen möchte – um meine Kompetenzen auszubauen. Für mich war die Projektteilnahme also eine eigene Personalentwicklungsmaßnahme. Die Chance, an einem kommunenübergreifenden Projekt teilzunehmen, solche Strukturen kennenzulernen und zu begreifen, wie so etwas funktioniert, habe ich natürlich gerne ergriffen.

Welche Aufgaben haben Sie in dem Projekt übernommen?

Oliver Dequis: In meinem Bereich haben wir die Altersstrukturanalyse erarbeitet und geschaut, welche zielgruppenspezifischen Qualifizierungsangebote wir mit Blick auf die ermittelten Bedarfe einsetzen müssen. Einer meiner Schwerpunkte waren die Job-Familien. Schließlich kannte ich die Eingruppierungen unserer Mitarbeitenden sehr gut und konnte die Sachzusammenhänge in den Job-Familien optimal herausarbeiten.

Welche Qualifizierungsmaßnahmen wurden erarbeitet?

Oliver Dequis: Am Ende standen 12 DAQ-Schulungen: Alte Hasen, junge Wilde – Alternsgerecht führen!, Resilienztrainings für verschiedene Zielgruppen, Nachfolgemanagement, Beziehungen aufbauen, Netzwerke nutzen, kollegiale Beratung, die Führungskraft als Change-Manager, Mentoring für Führungskräfte, neue Situationen souverän meistern sowie Beratung von Klienten.

Diese Maßnahmen wurden dann an die Mitarbeitenden der Stadt kommuniziert, die sich wiederum bewerben konnten. Die Nachfrage fiel unterschiedlich aus, und nicht alle Seminare haben sich durchgesetzt, aber einen Großteil bietet die Stadt Wiesbaden nach wie vor an.

An welchem Punkt sind Sie aus dem Projekt ausgestiegen? 

Oliver Dequis: Als die Job-Familien einmal durchdekliniert waren und die entsprechenden Qualifizierungsmaßnahmen an die Aus- und Fortbildungsabteilung „übergeben“ wurden. Für mich hat sich dann die Option auf eine Führungsposition eröffnet, und inzwischen leite ich zwei Abteilungen mit 100 Mitarbeitenden im Grünflächenamt.

Als Personalentwicklungsmaßnahme hat sich die Teilnahme an DAQkommunal also bewährt…

Oliver Dequis: Definitiv. Ich habe aus der Projektarbeit sehr viel mitgenommen – gerade mit Blick auf die methodischen Kompetenzen. Auch die Kombination aus wissenschaftlicher, wirtschaftlicher und kommunaler Welt – repräsentiert durch die verschiedenen Projektbeteiligten bei DAQ – war sehr spannend. Die Vertreterinnen und Vertreter der Firma Prognos haben beispielsweise ganz anders getickt als Prof. Dr. Gottfried Richenhagen, der das Projekt als Direktor des ifpm Institut für Public Management der FOM Hochschule geleitet hat. Da sind ganz unterschiedliche Haltungen und Sprachen zusammen gekommen…

Können Sie die in DAQ gewonnenen Erkenntnisse auch in Ihrem neuen Arbeitsumfeld nutzen?

Oliver Dequis: Die Themen Fachkräftemangel und demografischer Wandel sind hier sehr präsent. Da wir lange kein junges Personal mehr eingestellt haben, arbeite ich mit einem relativ alten Personalkörper. Da ergeben sich viele Überschneidungen zu DAQkommunal, aber auch einige Unterschiede. Meine Mitarbeitenden kommen beispielsweise zum Großteil aus dem gewerblichen Bereich, kümmern sich um Grünflächen, Parks, Tierparks und Friedhöfen. Viele sind ungelernt, einige durch die körperliche Arbeit angeschlagen. Um sie fit zu halten und bis zur Rente zu bringen, muss ich mit etwas anderen Konzepten arbeiten. Schließlich kann ich nicht alle für Bürojobs qualifizieren.

Nehmen wir das Beispiel Gesundheit. Die meisten meiner Mitarbeitenden sind den ganzen Tag draußen unterwegs. Die wollen abends nicht noch zur Rückenschule oder ins Fitnessstudio gehen. Deshalb müssen wir Angebote konzipieren, die speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Zu den Forstwirten im Holzeinschlag kommt jetzt ein Physiotherapeut, der mit ihnen Standtechniken übt. Das sind aber nur 15 Personen, für die übrigen muss ich mir etwas anderes einfallen lassen. Im Gespräch ist beispielsweise ein eigener Gesundheitstag nur für meine Abteilungen…

Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, das Erfahrungswissen der vielen Kolleginnen und Kollegen zu bewahren, die in den Ruhestand gehen werden. Das sind teilweise so scheinbar banale Dinge wie die Lage von Wasserstandzählern oder Gasleitungen auf einem Friedhof. Solche Sachen sind nie irgendwo dokumentiert worden und müssen trotzdem an die Nachwuchskräfte weitergereicht werden.

Haben Sie dafür schon eine Lösung?

Oliver Dequis: Ich baue aktuell eine eigene Wissensdatenbank auf. Das ist ein zäher, langwieriger Prozess, denn ich kann den Mitarbeitenden ja keine Liste mitgeben, die sie ausfüllen sollen. Also nehme ich in Gesprächen und bei Besprechungen wichtige Dinge auf und übertrage sie in die Datenbank. Das komplette Know-how lässt sich so sicherlich nicht abfischen, aber es geht auch nicht alles verloren.

Das Projekt DAQkommunal wurde im Rahmen der Initiative weiter bilden durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert. An dem Projekt beteiligt waren die Kommunen Aachen, Oldenburg und Wiesbaden sowie der Rheinisch-Bergische Kreis. Darüber hinaus wirkten die Prospektiv GmbH und die Prognos AG mit. Die Projektleitung lag in den Händen von Prof. Dr. Gottfried Richenhagen, Direktor des ifpm Institut für Public Management der FOM Hochschule.