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12.05.2017 | München

Aufsichtsräte in Deutschland

„Diversität wird Normalität“

Prof. Dr. Peter Ruhwedel
Prof. Dr. Peter Ruhwedel stellte an der FOM in München Ergebnisse seines jährlichen Aufsichtsrats-Scores vor (Fotos: FOM)

Bei einer hochkarätigen Veranstaltung der Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR) und der FOM Hochschule konnten sich rund 80 Gäste in München ein differenziertes Bild von der Arbeit erfahrener Aufsichtsrätinnen machen. Aus eigenen Erfahrungen in verschiedenen Aufsichtsräten berichteten Dr. Heike Hangarth (Lanxess AG), Dr. Marita Kraemer (UniCredit Bank AG), Renate Braun (Donner & Reuschel AG) und Sonja Zollner (Nokia Solutions & Networks Management GmbH).

Nach einer Begrüßung durch Prof. Dr. Marcus Helfrich, wissenschaftlicher Studienleiter Master/MBA an der FOM München, und Sabine Schaedle, Regionalvorstand FidAR Süd, sprach zunächst FidAR-Vizepräsidentin Elke Benning-Rohnke über die Chancen einer guten Umsetzung des Gesetzes zur gleichberechtigten Teilhabe. „Ich wünsche mir, dass all die Frauen, die in Konzernen arbeiten, genauer auf die Zusammensetzung der Aufsichtsräte schauen und versuchen, eine paritätische Besetzung zu erwirken. Und ich würde mir wünschen, dass jede Frau, die selbständig oder in führender Positionen tätig ist, jeden Monat einen Mann für FidAR gewinnt und jede Woche eine Frau weiterempfiehlt. Das ist der Lagarde-Ansatz", sagte sie mit Blick auf IWF-Direktorin Christine Lagarde, die als Wirtschaftsministerin bei Unternehmensbesuchen stets eine Liste mit passenden Frauen dabei hatte.

Impressionen der Veranstaltung

 

Prof. Dr. Peter Ruhwedel, wissenschaftlicher Leiter des KCU KompetenzCentrum für Unternehmensführung & Corporate Governance der FOM Hochschule, stellte danach ausgewählte Ergebnisse seines Aufsichtsrats-Scores 2016 vor. Darin nahm er DAX- und MDAX-Unternehmen in puncto Arbeitsweise, Eignung, Diversität und Transparenz unter die Lupe. „Die wachsende Sachorientierung bei der Auswahl von Gremiums-Mitgliedern wird weiter steigen und damit die Diversität stärken“, so Ruhwedel. Ein wesentliches Ergebnis seiner Studie sei, dass Aufsichtsräte mit einem höheren Frauenanteil tendenziell besser abschnitten. Auch wenn eine Erhöhung des Frauenanteils nicht zwangsläufig zu einer Verbesserung der Aufsichtsratstätigkeit beitrage, sei dies ein klares Indiz für den Willen des Gremiums, sich weiterzuentwickeln. Dazu gehöre auch, dass Diversität zur Normalität werde.

In der anschließenden lebhaften Podiumsrunde unter der Moderation von Prof. Dr. Anja Seng berichteten erfahrene Aufsichtsrätinnen über die Herausforderungen, die mit dieser Aufgabe verbunden sind. Neben Fach- und Branchenkenntnissen seien auch unternehmerisches Denken und persönliche Ambitionen wichtig, sagte beispielsweise Dr. Heike Hanagarth. Dr. Marita Krämer ergänzte, dass es nötig sei, Verantwortung zu übernehmen und mitgestalten zu wollen. Sonja Zollner zeigte auf, wie interessant die Kombination von operativem Tagesgeschäft auf der einen und der Aufsichtsfunktion auf der anderen Seite ist. „Gerade ein Engagement in internen Gremien bietet beste Voraussetzungen, um sich auch für externe Aufsichtsfunktionen zu empfehlen.“ Renate Braun mahnte abschließend: „Wir können uns nicht auf der Quote ausruhen; wir sind ihr auch verpflichtet.“