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20.03.2017 | Leipzig

Einflussfaktoren der Krankenhauswahl

Prof. Dr. Matusiewicz stellte Projektergebnisse bei den Gesundheitsforen Leipzig vor

Via Text Mining lassen sich Faktoren identifizieren, nach denen Patientinnen und Patienten ein Krankenhaus auswählen. Zu dieser Erkenntnis sind die FOM-Wissenschaftler Prof. Dr. Rüdiger Buchkremer und Prof. Dr. Sascha Koch im Rahmen eines Forschungsprojektes gelangt. Was das für die Praxis bedeutet und welche Vorteile Krankenhäuser daraus ziehen können, stellte Prof. Dr. David Matusiewicz am 7. März in Leipzig zur Diskussion. Der Direktor des ifgs Institut für Gesundheit & Soziales nahm als Referent an den Gesundheitsforen Leipzig teil.

Prof. Dr. David Matusiewicz
Prof. Dr. David Matusiewicz

Am Anfang seines Vortrages stand ein Praxisexkurs: Prof. Dr. Matusiewicz zeigte am Beispiel des Klinikums Essen-Mitte, wie Krankenhäuser Big Data nutzen können. U.a. lassen sich Zugangswege stationär aufgenommener Patientinnen und Patienten feststellen. 45 Prozent von ihnen werden durch Ärztinnen und Ärzte eingewiesen, 30 Prozent weisen sich selbst ein, bei 15 Prozent handelt es sich um Notfälle und 10 Prozent werden verlegt. „Den größten Einfluss auf die Krankenhauswahl haben also nach wie vor niedergelassene Medizinerinnen und Mediziner, es lässt sich aber auch eine deutliche Entwicklung hin zur mündigen Patientin bzw. zum mündigen Patienten feststellen“, betonte der ifgs-Direktor. „38 Prozent aller Deutschen nutzen verstärkt das Internet, um sich zum Thema Gesundheit zu informieren – zum Beispiel in sozialen Netzwerken oder Selbsthilfeforen. Auch Bewertungsplattformen und Online-Terminbuchen werden zunehmend herangezogen.“ Für die Krankenhäuser bedeute das: Im Internet geäußerte Meinungen spielen eine immer bedeutender werdende Rolle für ihre Attraktivität und haben damit maßgeblichen Einfluss auf Patientenströme.

Allerdings – und an dieser Stelle schlug Prof. Dr. Matusiewicz den Bogen zu den Ergebnissen des FOM-Forschungsprojektes – bewerten Patientinnen und Patienten weniger die medizinische Qualität als Aspekte wie die Freundlichkeit des Personals. „Gesundung ist generell keine Voraussetzung für eine positive Bewertung. Auch die Art der Behandlung und deren Effektivität werden selten bewertet. Stattdessen geht es häufig um das Verhalten von Ärztinnen und Ärzten und vom Pflegepersonal: Die Patientinnen und Patienten wollen wahrgenommen und respektiert werden“, erklärte der FOM-Wissenschaftler.

Aus diesen Erkenntnissen leitete er einige Maßnahmen für Gesundheitsakteure ab. „Anhand der Online-Bewertungen lassen sich zum Beispiel die eigene Reputation überprüfen, Schwachstellen identifizieren und Vergleiche mit den Wettbewerbern anstellen“, so Prof. Dr. Matusiewicz. Darüber hinaus seien sie eine wertvolle Ergänzung der – eventuell existierenden – papiergebundenen Zufriedenheitsanalysen, die Krankenhäuser selbst durchführen. „Allerdings stehen viele Einrichtungen erst am Anfang solcher Entwicklungen. Deshalb sind spezialisierte Hochschulen und Forschungseinrichtungen als Impulsgeber und Helfer gefragt.“ Die FOM beispielsweise plane, das Projekt von Prof. Dr. Buchkremer und Prof. Dr. Koch auszuweiten. Zielsetzung sei es, Gesundheitseinrichtungen zielgerichtet beim Umgang mit Big Data unterstützen.