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18.12.2017 | Berlin

Wie Mitarbeiter wollen, was sie sollen

„Bitte erledigen Sie das bis Freitag“ oder: Wie Führung nicht gehen sollte

Was macht gute Führung eigentlich aus und wieso steckt man als Führungskraft in einem Dilemma? Genau darum ging es bei „Fit für Führung“ in Berlin. Etwa 150 Gäste, Studierende, Absolventen sowie Unternehmensvertreter kamen zur zweiten FOM Veranstaltung für Führungskräfte und erhielten richtungsweisende Praxistipps für den Berufsalltag.

Dr. Burkhard Radtke Fit für Führung Berlin FOM
Dr. Burkard Radtke weiß, wie Mitarbeiter wollen, was sie sollen. (Foto: FOM / Viktor Strasse)

„Menschen haben das Bedürfnis nach Freiheit. Führung bedeutet aber Steuerung und Steuerung begrenzt Freiheit. Und die Eingrenzung von Freiheit motiviert zu Widerstand“ eröffnete der FOM Dozent für Motivations- und Führungstheorien, Sozialpsychologie und Personalentwicklung Dr. Burkhard Radtke seinen Vortrag. „Führungskräfte stecken also in einem Dilemma und werden tagtäglich herausgefordert.“

Drei Strategien für gute Führung

Wie kann aber das Verhalten von Mitarbeitern, um die Unternehmensziele bestmöglich zu erreichen, beeinflusst werden? Für Radtke sind drei Strategien des Problems Lösung, damit gute Führung gelebt werden kann. „Die „Indirekte Führung“ betrifft vor allem Bereiche, in denen Zuarbeit erforderlich ist. Ziel dabei ist es, Einschränkungen möglichst unsichtbar zu machen.“ Man könnte sagen: „Bitte erledigen Sie das bis Freitag“ oder lieber fragen „Was benötigen Sie von mir, um das bis Freitag zu erledigen?“ oder „Erledigen Sie das bis Donnerstag oder doch lieber Freitag?“.

FOM Berlin Fit für Führung Personal HR
"Menschen haben das Bedürfnis nach Freiheit. Führung bedeutet aber Steuerung und Steuerung begrenzt Freiheit." (Foto: FOM / Viktor Strasse)

Auch der sogenannte „Kompensatorische Führungsstil“ würde möglichem Widerstand der Mitarbeiter vorbeugen. „Wenn Ihr Mitarbeiter früher gehen möchte, haben Sie die Möglichkeit dies rigoros zu verneinen oder mit Wertschätzung einen Kompromiss zu vereinbaren“, erläuterte der FOM Dozent diese Strategie. Denn: „Verständnis schenken führt zu Rückverständnis und Kooperationsbereitschaft und Verneinung führt zu noch mehr Widerstand“.

Wer den „anti-autoritären Führungsstil“ einsetzt, muss einkalkulieren, dass eine Führung durch Freiheit nicht nur Chancen eröffnet, sondern auch Scheitern und Fehler verursachen kann. Für Radtke gilt: „Wenn Sie Ihrem Mitarbeiter Handlungsfreiheit geben und hohe Erwartungen definieren, werden Sie in der Regel auch eine hohe Leistungsbereitschaft zurückerhalten.“

Dr. Burkhard Radtke FOM Berlin
Dr. Burkhard Radtke bei seinem Vortrag an der FOM Hochschule in Berlin (Foto: FOM / Viktor Strasse)

Praxistipps vom Experten für den Berufsalltag

Zeit für Tipps blieb nach dem Vortrag auch noch, Dr. Burkhard Radtke beantwortete Fragen aus dem Publikum, zum Beispiel „Wie gehe ich mit einem „Störenfried“ um?“. Seine Antwort: „ Sie sollten den „Störenfried“ nicht einzeln ansprechen, sondern das gesamte Team. Führen Sie ein Kritikgespräch, schaffen Sie Problembewusstsein und Motivation.“ Eine andere Frage, wie man mit schlechten Ideen der Mitarbeiter umginge, beantwortete Radtke: „Gehen Sie positiv auf ihn zu und schätzen Sie dessen Eigeninitiative, bevor Sie ihm eine andere Möglichkeit aufzeigen!“