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21.11.2016 | Frankfurt a. M.

Aktuelles

Research Fellows im Porträt: Wissenschaft trifft Praxis

Über 40 Research Fellows sind aktuell an den Instituten und KompetenzCentren der FOM aktiv: Als externe Expertinnen und Experten beteiligen sie sich parallel zu Job, Studium oder Promotion an Publikationen, Konferenzbeiträgen und Forschungsprojekten. Wie das in der Praxis aussieht und welche individuellen Wege in die Forschung geführt haben, berichten die Fellows im Interview. Dieses Mal kommt Anna Lemma zu Wort. Die Wirtschaftsrechtlerin mit Schwerpunkt Personalmanagement absolviert an der FOM Frankfurt den Master-Studiengang Finance & Accounting und engagiert sich parallel am KCI KompetenzCentrum für interdisziplinäre Wirtschaftsforschung & Verhaltensoekonomie. Einer ihrer Forschungsschwerpunkte: die Rolle der Verhaltensökonomie bei der Gestaltung von flexiblen Vergütungssystemen.

Anna Lemma
Anna Lemma


Woran arbeiten Sie aktuell?

Anna Lemma: Im Moment liegt mein Fokus auf einem Projekt zur leistungsabhängigen variablen Vergütung. Im Rahmen einer Studie haben Prof. Dr. Winand Dittrich, der am KCI den Bereich Verhaltensoekonomie leitet, und ich 350 zukünftige Fach- und Führungskräfte zu ihren Erfahrungen und Einstellungen hinsichtlich Bonus- und Malusvereinbarungen befragt. Die Auswertung der Ergebnisse liegt inzwischen vor. Jetzt geht es in einem nächsten Schritt darum, unsere Erkenntnisse für die Kommunikation – zum Beispiel mit Blick auf die Presse – aufzubereiten. Für die Medien interessant ist beispielsweise, dass das Thema Bonus beim Managementnachwuchs sehr positiv besetzt ist, während Malusvereinbarungen auf wenig Begeisterung stoßen und zudem in der Praxis – auch bedingt durch die sehr enge Grenzen setzende Rechtsprechung – eher selten anzutreffen sind.

Welche Aufgaben übernehmen Sie darüber hinaus am KCI?

Anna Lemma: Wir arbeiten an verschiedenen Studien und Projekten. Schwerpunktmäßig zu Vergütungsthemen, aber auch andere personalwirtschaftliche Themen wie die Digitalisierung im HR-Bereich oder das Personalrecruiting spielen eine wichtige Rolle. Ich übernehme bei diesen Projekten die komplette Organisation – von der Themenfindung und der Mitgestaltung des Fragebogens über die Platzierung der Umfrage im Online-Campus bis zur wissenschaftlichen Auswertung. Darüber hinaus unterstütze ich bei der Verfassung von wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Publikationen sowie bei verschiedenen Recherchen.

Ein weiterer Aufgabenbereich ist die Betreuung jüngerer Studierender: Wer im Bachelor-Studium oder am Anfang des Master-Studiums steht, hat am KCI die Möglichkeit, in das wissenschaftliche Arbeiten reinzuschnuppern – zum Beispiel, indem er oder sie bei Literaturrecherchen oder der Gestaltung von Umfragen mitwirkt. Dieses Angebot wird übrigens ziemlich gut angenommen: Aktuell betreue ich drei Studierende, die ihr dazugewonnenes Wissen mit Blick auf Zitationen oder die Auswertung von Literatur sehr gut in ihrem FOM-Studium umsetzen können.

Was schätzen Sie an Ihrer Tätigkeit als Research Fellow?

Anna Lemma: Ich habe sehr viel Freiraum. Jeder KCI Research Fellow betreut einen eigenen Aufgaben- und Verantwortungsbereich, in dem er oder sie auch eigene Themen vorschlagen und in Projektform bearbeiten kann. Darüber hinaus schätze ich die vertrauensvolle und motivierende Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Dittrich.

Allerdings – das möchte ich nicht ausklammern – erwartet er auch einen qualitativ hohen Output von uns. Es geht ihm nicht nur darum, dass wir ihm zuarbeiten, sondern dass wir unsere eigenen Projekte gut abschließen. Das wiederum bedeutet, dass die Arbeit als Research Fellow am KCI sehr zeitintensiv ist. In Hochphasen bin ich manchmal 20 bis 25 Stunden pro Woche mit meinen Themen beschäftigt – fast schon ein Vollzeitjob. In Klausurphasen fahre ich das Engagement natürlich runter.

Darüber hinaus ist die Arbeit am KCI die ideale Kombination aus Forschung, Studium und Berufserfahrung: Ich war sowohl während meiner kaufmännischen Berufsausbildung in der Personalabteilung als auch während meines Masterstudiums für eine strategische HR-Unternehmensberatung tätig. Darüber hinaus befasse ich mich im Master-Studiengang Finance & Accouting mit vielen ökonomischen Themen, die auch für den HR-Bereich relevant sind. In der Praxis betrifft die Gestaltung und Implementierung eines Vergütungs- und Anreizsystems nicht nur verschiedene Prozesse im HR-Management, sondern betrifft beispielsweise auch die Finanz- und Liquiditätsplanung sowie das externe und interne Rechnungswesen. Außerdem sind unter anderem bei M&A- und Restrukturierungsprojekten sowie unternehmerischen Standortentscheidungen auch personalwirtschaftliche Fragestellungen zu beantworten. Diese Verknüpfung macht die Kombination aus den verschiedenen akademischen Bereichen, der Arbeit am KCI und meiner Berufserfahrung für mich sehr interessant.

Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Arbeit am KCI gesetzt?

Anna Lemma: Für mich steht eine praxisorientierte bzw. praxisrelevante Forschung im Vordergrund. Deswegen ist mir wichtig, dass bei unseren Studien Praxis und Wissenschaft optimal ineinandergreifen. Dabei ist mein Qualitätsanspruch an meine eigene Arbeit durchaus hoch. Durch die zahlreichen anwendungsorientierten Forschungsaktivitäten bietet das KCI der Wirtschaft, insbesondere Unternehmen, Verbänden und Institutionen einen deutlichen Mehrwert. Gerade deswegen ist es wichtig, dass das KCI sowohl im wissenschaftlichen als auch im unternehmerischen Kontext an Bekanntheit gewinnt und auf diesem Wege seine Position als etabliertes Forschungszentrum festigt.

Wissen Sie schon, wie es nach Ihrem Studium bzw. Ihrer Zeit am KCI weitergehen soll?

Anna Lemma: Ich kann mir vorstellen zu promovieren, gerne auch nebenberuflich, und sehe meine Arbeit am KCI als Vorbereitung darauf. Hier eigene ich mir das wissenschaftliche Rüstzeug an, um einerseits meinem eigenen, andererseits dem wissenschaftlichen Qualitätsanspruch gerecht werden zu können. Das konkrete Thema ist allerdings noch offen und hängt vom jeweiligen Professor ab. Da die FOM leider noch kein eigenes Promotionsrecht hat, muss ich mich noch nach einer Universität umschauen, an der ich promovieren möchte.

Möchten Sie anschließend in der Forschung bzw. Lehre bleiben?

Anna Lemma: Eigentlich ist die Arbeit im Personalbereich mein Ding. Eine Tätigkeit als Dozentin könnte ich mir, auch nebenberuflich, nur dann vorstellen, wenn sie praxisorientiert ist. An einer klassischen Universität – das haben Gespräche mit Bekannten gezeigt – wäre mir das zu trocken und zu praxisfern. An einer Fachhochschule dagegen könnte ich Wissenschaft und Praxis verknüpfen und auch in der Lehre tätig sein. Das wäre für mich eine gute Kombination, weil ich auch schon als Dozentin im Bereich Erwachsenenbildung gearbeitet habe.