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08.11.2016 | Duisburg

Aktuelles

10. FOM Forum Logistik: Mitarbeitende für Weiterbildung begeistern

Fest steht: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Logistikwirtschaft müssen sich regelmäßig qualifizieren, um den (digitalen) Veränderungen ihrer Branche gewachsen zu sein. Offen ist hingegen die Frage, wie das in der Praxis gelingen kann. Mögliche Lösungen standen beim 10. FOM Forum Logistik Ende Oktober in Duisburg zur Diskussion. Eingeladen hatte das ild Institut für Logistik- & Dienstleistungsmanagement der Hochschule, moderiert wurde die Veranstaltung von Hella Abidi.


Warum Logistikqualifikation 2.0?

Zum Einstieg erklärte ild-Direktor Prof. Dr. Matthias Klumpp, was es mit dem Veranstaltungstitel auf sich hat. „Viele haben sich vermutlich gefragt, ob ‚Logistikqualifikation 2.0‘ nicht schon veraltet ist und es nicht eigentlich 4.0 heißen müsste. Aber ich bin überzeugt, dass die Bildungslandschaft schon einen Schritt zu weit gewesen ist.“ Bei Bildung 1.0 habe der Content im Mittelpunkt gestanden. Aktuell liege der Schwerpunkt dagegen auf der Überprüfung dessen, was am Ende einer Qualifizierung herauskomme. „Vergessen wurde meiner Meinung nach das, was dazwischen liegt: der Mensch. Und genau da setzt Logistikqualifikation 2.0 an: Was sind das für Leute, die weitergebildet werden müssen? Was motiviert sie? Und wie lernen sie?“

Ein Blick auf die Weiterbildungs-Zielgruppe

Auf die Suche nach Antworten hat sich Julian Sanders von Bohnen Logistik gemacht. Im Rahmen einer Befragung interviewte er Zielgruppen, bei denen der Fachkräftemangel da oder bereits vorhersehbar ist: Lageristen, Stapel- und Berufskraftfahrer. Ergebnis: „Die Motivation, sich weiterzubilden, um im Beruf up to date zu bleiben, ist durchaus vorhanden. Was fehlt, sind zum einen ansprechende Angebote, zum anderen die richtigen Rahmenbedingungen.“ So seien die knapp 60 Befragten nur dann bereit, sich zu qualifizieren, wenn die Weiterbildungsmaßnahmen innerhalb der Arbeitszeit stattfinden und Spaß machen. Frontalunterricht beispielsweise komme für viele gar nicht in Frage. Ein weiteres interessantes Detail: „Mit einem Zertifikat allein geben sich die Befragten nicht zufrieden“, so Julian Sanders. „Sie wollen auch, dass ihr Engagement vom Arbeitgeber wertgeschätzt wird.“

eLearning und Gamification in der Logistik

Eine Organisation, die sich bereits abseits der klassischen Weiterbildungspfade bewegt, ist Dachser: Das Logistikunternehmen setzt in der Personalentwicklung seit längerem auf eLearning – als Ergänzung zu anderen Qualifizierungsformen. Wie das in der Praxis aussieht und wie das Angebot ankommt, schilderte Thu Nguyen in ihrem Vortrag. „Wir nutzen eine sehr ausgereifte Technik und gestalten die Lernumgebungen so ansprechend für die Mitarbeitenden wie möglich.“ Ein Beispiel seien ca. 20-minütige Sales-Support-Kurse für Vertriebler. „Die sind sowohl interaktiv als auch realitätsnah aufgebaut, was bei den Lernenden sehr gut ankommt“, betonte Thu Nguyen.

Noch einen Schritt weiter geht der TÜV Rheinland. „Für unsere Kunden entwickeln wir individuelle eLearning-Lösungen mit einem Ansatz aus dem Edutainmentbereich“, erläuterte Arne Gels. „Dabei entstehen spielbasierte Lernanwendungen, die sich sowohl zur Wissens- und Kompetenzvermittlung als auch zur -überprüfung eignen.“ Diese Möglichkeiten der Gamification seien auch für den Einsatz in der Logistikqualifikation geeignet…

Weiterbildung via App

Und genau da setzt das Forschungsprojekt „CreateMedia in Mobility and Logistics – Innovative Weiterentwicklung der Logistik-Aus- und Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen“ – kurz: MARTINA – an, das Wilhelm Koop (paluno) und Thomas Neukirchen (ild) vorstellten. Gestartet mit der Zielsetzung, ein Weiterbildungs-Tool für Trainings- und Schulungsprojekte im Logistikbereich zu entwickeln, haben sich die Projektpartner – das ild, das Institut für Kunst- und Designwissenschaft der Folkwang Universität der Künste, die TÜV Rheinland Akademie, die T.W.O.-Agentur für Werbung und Markenprofil sowie paluno – The Ruhr Institute for Software Technology (Universität Duisburg-Essen) – für einen spielbasierten Lernansatz entschieden. „Er erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Logistik-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motiviert sind, sich mit dem Content auseinanderzusetzen“, erklärte Thomas Neukirchen.

Entstanden ist eine mobile Lernanwendung, abrufbar via Smartphone. „Die App ist einfach bedienbar und zielgruppengerecht aufgemacht“, erläuterte Wilhelm Koop. „Weitere Vorteile sind die problemlose Ergänzung neuer Inhalte sowie die Übertragbarkeit auf andere Bereiche.“ Wie das in der Praxis aussieht, zeigten die beiden Experten anhand eines ersten Prototyps mit dem inhaltlichen Schwerpunkt „Sicherheit und Compliance in der Logistik“. Im Rahmen des Spiels muss der Nutzer bzw. die Nutzerin verschiedene Aufgaben erfüllen. Ein Beispiel ist der virtuelle Gang durch ein Lager. Angezeigt wird dabei ein Bild mit mehreren unsicheren Ladungssituationen, die identifiziert werden müssen. Für jede richtige Antwort gibt es Punkte…

Bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Logistik Forums kam der Prototyp gut an: Der spielerische Ansatz wurde ebenso gelobt wie die technische Umsetzung. „Natürlich gab es auch konstruktiv-kritisches Feedback, das auf jeden Fall in unsere weitere Arbeit einfließt“, kommentierte Prof. Dr. Matthias Klumpp den ersten Testlauf der App. „Aber alles in allem können wir sehr zufrieden mit unserer Arbeit sein: Das Projekt ist erst im Januar 2016 gestartet, und wir haben schon jetzt einen Prototyp vorzuweisen. Das kann sich durchaus sehen lassen.“

MARTINA wird übrigens im Rahmen des NRW-Leitmarktwettbewerbs „Medien und Kreativwirtschaft“ vom Land Nordrhein-Westfalen unter Einsatz von Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) 2014-2020 „Investitionen in Wachstum und Beschäftigung“ gefördert. Das Projekt läuft bis zum 30. Juni 2018.