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Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel: Welche Chancen KI eröffnet und worauf es jetzt ankommt, erklärt Prof. Dr. Stefan Tewes im Interview. (Foto: Privat I Grafik: Dean Lindner)

Wenn KI den Job verändert

Expertentipps: Was jetzt vor dem Karriereknick schützt

KI schreibt Texte, wertet Daten aus, bereitet Entscheidungen vor – und verändert damit viele Jobs. Alles, was standardisiert, wiederholbar oder datenbasiert ist, kann durch KI schneller erledigt werden. Doch wer die richtigen Fähigkeiten entwickelt, kann den Wandel durch KI gezielt für sich nutzen. Fünf Impulse von FOM Zukunftsforscher Prof. Dr. Stefan Tewes, die zeigen, worauf es jetzt ankommt.

1. Der sichere Beruf ist ein Auslaufmodell

Lange galt die Berufswahl als eine Art Sicherheitsversprechen: Ausbildung oder Studium abschließen, gefragten Job finden, Karriereweg verfolgen. Doch dieses Denken greift in einer Arbeitswelt, die sich durch KI und Digitalisierung ständig verändert, immer weniger.

 

Prof. Tewes: „Zukunftssicherheit entsteht nicht mehr durch einen vermeintlich sicheren Job, sondern durch anschlussfähige Kompetenzen. Wer technische Entwicklungen versteht, Probleme lösen kann und bereit ist, ständig weiterzulernen, bleibt auch dann relevant, wenn sich einzelne Berufsbilder stark verändern.“

 

2. Wer Angst vor KI hat, übersieht die Chancen

Wenn sich Aufgaben durch KI verändern, entsteht schnell Unsicherheit: Was bleibt von meinem Job? Welche Fähigkeiten zählen künftig noch? Genau dann hilft es, den Blick zu drehen – weg von der Sorge, hin zu den neuen Möglichkeiten.

 

Prof. Tewes: „Analysieren Sie selbst, welche Teile Ihrer Arbeit automatisierbar sind und welche dadurch wichtiger werden. Halten Sie nicht zu sehr am bisherigen Jobprofil fest, sondern fragen Sie sich, welchen Wertbeitrag Sie künftig leisten können. Die entscheidende Frage lautet: Welche Probleme kann ich durch KI, Digitalisierung oder neue Geschäftsmodelle künftig besser lösen als bisher?“

 

3. Jetzt lernen – sonst wird es eng

Es geht nicht darum, jedes KI-Tool beherrschen zu können. Entscheidend ist ein Grundverständnis dafür, wie KI und digitale Systeme unsere Arbeit verändern – und welche Rolle Menschen darin übernehmen.

 

Prof. Tewes: „Sie müssen nicht programmieren können, aber Sie sollten verstehen, wie KI-Systeme funktionieren, wo ihre Grenzen liegen und wie Daten zu besseren Entscheidungen führen. Zukunftssicherheit entsteht nicht durch ein einzelnes digitales Werkzeug. Entscheidend ist, daraus bessere Prozesse, kluge Entscheidungen und gute Zusammenarbeit zu machen.“

 

4. Die wichtigste Fähigkeit ist Urteilskraft

KI kann Entscheidungen vorbereiten, doch treffen und verantworten müssen sie am Ende Menschen. In einer Welt voller KI-Antworten werden Fach- und Führungskräfte gebraucht, die die richtigen Fragen stellen und Konsequenzen einschätzen können.

 

Prof. Tewes: „Menschen müssen Technologie, Wirtschaft, Organisation und soziale Folgen zusammendenken können. Wer nur die Technik versteht, aber Kunden, Abläufe und Akzeptanz aus dem Blick verliert, bleibt begrenzt. Wer zwischen diesen Bereichen vermitteln kann, wird extrem wertvoll.“

 

5. Veränderung kann der Karriere-Booster sein

Im Wandel profitieren diejenigen, die nicht abwarten, sondern ihre Entwicklung selbst in die Hand nehmen. Wer neue Anforderungen früh erkennt und sich gezielt weiterqualifiziert, kann aus Veränderung einen echten Karriereschritt machen.

 

Prof. Tewes: „Wenn Sie Veränderung nur als Bedrohung sehen, bleiben Sie defensiv. Wenn Sie sie als Gestaltungsaufgabe verstehen, können Sie karrieretechnisch weiterkommen. Besonders wirkungsvoll kann ein berufsbegleitendes Studium sein: Es verbindet Lernen und Arbeiten und macht neue Kompetenzen unmittelbar im eigenen Unternehmen erprobbar. Man kann den Wandel so ganz strategisch für sich nutzen.“

 

Zur Person

Prof. Dr. Stefan Tewes ist Experte für Future Business, Megatrends und Strategic Foresight. Als Professor für Digitale Transformation & Innovation an der FOM Hochschule, CEO der Future Business Group und CEO der Future Listening Group verbindet er empirische Zukunftsforschung mit strategischer Orientierung für Wirtschaft, Medien und Entscheider.

Mit futurelistening.com und dem Future Listening Institute entwickelt er KI-gestützte Ansätze für algorithmische Trendanalyse und strategische Entscheidungsintelligenz. Als Autor und Entwickler des Future Model, von Megatrend Research und der PWLG-Foresight-Analyse zeigt er, wie Unternehmen Megatrends, KI und neue Geschäftslogiken systemisch verstehen und in Zukunftsfähigkeit übersetzen.

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