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KI kann mehr als nur Antworten liefern: Dr. Stefan Ebener erklärt, wie wir KI gezielt und sinnvoll fürs Lernen einsetzen können. (Foto: Tim Stender/FOM)

Vom Prompt zum Workflow

KI-Techniken, die beim Lernen wirklich weiterhelfen

KI ist längst im Studium angekommen. Doch zwischen „mal schnell etwas zusammenfassen lassen“ und einem wirklich klugen Einsatz liegen Welten. Dr. Stefan Ebener, KI-Experte bei Google Cloud und FOM Dozent, zeigt verschiedene Techniken, mit denen Studierende mehr aus ihren Tools herausholen.

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Bau dir deine eigene Wissensbasis

100 Seiten Skript, mehrere PDFs und diverse Notizen: Wer KI sinnvoll nutzen will, sollte zuerst Ordnung schaffen. Ebener empfiehlt, das Arbeitsmaterial grob zu sortieren, zum Beispiel in Grundlagentexte, Vertiefungen sowie eigene Gedanken und Fragen. Anschließend können die Dokumente zum Beispiel in NotebookLM geladen werden. Diese Einteilung erleichtert später die Arbeit mit der KI, weil sich einzelne Dokumentengruppen gezielt einbeziehen oder ausklammern lassen.
 

Dr. Stefan Ebener: „Es geht hier weniger um ein bestimmtes Tool als um die Idee, mit einem festen Korpus zu arbeiten. Ich würde mir zudem über alle Dokumente hinweg eine Übersicht erstellen lassen. So werden Redundanzen und Lücken schnell sichtbar.“

 

Teste, was wirklich hängen geblieben ist

Die Wissensbasis steht? Perfekt! Jetzt kann die KI ganz unterschiedliche Zugänge zum Lernstoff schaffen – zum Beispiel über Podcasts, Videozusammenfassungen oder Prüfungsaufgaben mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Wichtig ist danach eine Phase ganz ohne KI, sagt Ebener: Tool schließen und drei bis fünf zentrale Punkte aus dem Gedächtnis aufschreiben oder mündlich wiedergeben.
 

Dr. Stefan Ebener: „Genau diesen Teil lassen viele weg, weil sich die KI-Phase schon wie Lernen anfühlt. Aber Inhalte generieren oder konsumieren heißt noch lange nicht, dass ich das Wissen auch selbst abrufen kann.“

 

Erklär du es der KI

Meist übernimmt die KI die Rolle des Erklärenden. Ebener rät, den Spieß auch einmal umzudrehen: Studierende erklären den Stoff selbst und lassen anschließend von der KI prüfen, an welchen Stellen das Verständnis noch hakt.
 

Dr. Stefan Ebener: „Ich muss der KI klar sagen, was sie prüfen soll. Sonst bekomme ich am Ende wieder nur eine wohlwollende Zusammenfassung. Entscheidend ist zudem, den Stoff wirklich frei zu erklären – so, wie ich es auch in einer Prüfung tun würde.“

 

Trainiere die Prüfung im Live-Dialog

Für Präsentationen oder mündliche Prüfungen empfiehlt Ebener die Live-Dialog-Funktionen von Gemini oder ChatGPT. Damit lässt sich ein Gespräch mit einer klar definierten Prüferrolle simulieren. Eine mögliche Anweisung: „Du bist ein kritischer Prüfer, der bei vagen Aussagen sofort nachbohrt.“

 

Dr. Stefan Ebener: „Ich würde die KI ausdrücklich um unbequeme, unerwartete oder provozierende Rückfragen bitten. Vorher kann man auch den Foliensatz oder die Gliederung hochladen und nach Schwächen in der Argumentation oder unbelegten Behauptungen suchen lassen.“

 

Bitte die KI um Gegenwind

Bei einer Hausarbeit oder Case Study kann KI ebenfalls als kritisches Gegenüber dienen. Dafür sollte sie nicht auf Zustimmung, sondern bewusst auf Widerspruch eingestellt werden.
 

Dr. Stefan Ebener: „Da hilft eine klare Ansage. Zum Beispiel: ‚Was ist die schwächste Prämisse in meiner Argumentation, die ein aufmerksamer Leser als Erstes angreifen würde?‘ Oder: ‚Widersprich mir aktiv, wenn du kannst. Ich lerne nichts durch Bestätigung.‘“

 

Lass deine Hausarbeit erst einmal durchfallen

Ebeners persönlicher Profi-Tipp ist die sogenannte Pre-Mortem-Technik. Statt die KI zu fragen, wie sich eine Arbeit verbessern lässt, dreht man die Perspektive um: Die Arbeit gilt gedanklich als gescheitert. Ein Beispiel: „Stell dir vor, diese Hausarbeit hat eine schlechte Note bekommen. Schreibe die Begründung des Prüfers, warum die Arbeit durchgefallen ist. Konkret und unbequem.“

 

Dr. Stefan Ebener: „Damit hole ich die KI aus dem Modus ‚nettes Feedback‘ heraus. Sie muss eine schlüssige negative Begründung liefern – und genau dabei werden oft Schwachstellen sichtbar, die bei einer direkten Prüfung des Manuskripts übersehen werden.“

Was KI dir nicht abnimmt

Prüfen, hinterfragen, selbst denken: Auch der beste KI-Workflow ersetzt nicht die eigene Kontrolle. Dr. Stefan Ebener: „Wer KI wirklich gut nutzt, behandelt jede Ausgabe als Hypothese, nicht als Fakt.“

Das heißt konkret: Zitate und Studienverweise gegenchecken, Argumentationen selbst nachvollziehen und bei Zahlen oder Namen genau hinschauen. Auch typische Schwachstellen sollte man kennen – etwa veraltetes Wissen, eine Tendenz zu Mainstream-Antworten oder Schwierigkeiten bei sehr aktuellen und nischigen Themen.

 

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