Krieg, Flucht, Neubeginn: Fahd formt mit Bildung seine Zukunft
Mit Fleiß, Zielstrebigkeit und einem unbeirrbaren Willen zum Erfolg hat Fahd seinen Weg in Deutschland gefunden.
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Carollyne Valle gibt heute ihr Wissen als Pflegepädagogin bei TalentOrange weiter – der Agentur, die sie einst selbst nach Deutschland vermittelte. (Foto: Privat, Hintergrund mit KI verändert)
Engagement über den Beruf hinaus
Carollyne ist gebürtige Brasilianerin, 2018 kam die ausgebildete Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin nach Deutschland. Heute gibt sie ihr Wissen als Pflegepädagogin an internationale Fachkräfte weiter. Dabei helfen ihr der FOM Master in „Public Health“ (M.Sc.) – und die Erfahrungen, die sie selbst auf ihrem Weg gemacht hat.
Ein Bankkonto eröffnen. Einen Termin beim Bürgerbüro vereinbaren. Einen Handyvertrag abschließen. Was für uns selbstverständlich erscheint, kann zur Herausforderung werden, wenn man in einem neuen Land ankommt – mit einer fremden Sprache und einem Alltag, in dem vieles anders funktioniert als gewohnt. Carollyne Valle ist Lehrkraft an einer internationalen Pflegeschule, unterrichtet Pflegefachkräfte aus aller Welt. Wenn ein neuer Jahrgang startet, hilft sie auch bei ganz praktischen Fragen des täglichen Lebens. „Der Klassiker sind Behördenbriefe, die im ersten Moment überfordern. Oder die Vorbereitung auf wichtige Telefonate. Es geht dabei viel ums Beruhigen, ums Ängste nehmen“, erzählt sie uns. Was ihre Schülerinnen und Schüler in dieser ersten Zeit beschäftigt, ist Carollyne bestens vertraut: Als Brasilianerin, die selbst als ausländische Pflegefachkraft nach Deutschland gekommen ist, kennt sie vieles aus eigener Erfahrung.
Internationale Berufserfahrung sammeln
Carollyne wächst in Rio de Janeiro auf. Sie absolviert ein Pflege-Studium, spezialisiert sich in der Kinder- und Neugeborenen-Medizin und arbeitet auf der Intensivstation. Ihr großer Wunsch: Für zwei Jahre ins Ausland gehen und internationale Berufserfahrung sammeln. Über eine Recruitingagentur bekommt sie 2018 die Möglichkeit, nach Deutschland zu kommen, ans Uniklinikum Münster in die Kinderkardiologie. Sechs Monate lang besucht Carollyne einen Intensivsprachkurs, bevor sie ihre Heimat Richtung Deutschland verlässt. „Gute Deutschkenntnisse sind Voraussetzung, um über die Agentur vermittelt zu werden. B1-Niveau ist das Minimum für den Start, B2 muss aber in jedem Fall folgen. Bei bereits ausgebildeten Pflegekräften spätestens innerhalb von zwei Jahren, bei einer Ausbildung sogar schon bis zum Ende der Probezeit – sonst ist Schluss“, erklärt die 37-Jährige.
Trotz Abschluss umfangreicher Anerkennungsprozess
In Deutschland muss Carollyne einen umfangreichen Prozess durchlaufen, bevor ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin staatlich anerkannt wird. „Die bürokratischen Herausforderungen, dazu die Prüfungen, die ich absolvieren musste – das war schon eine herausfordernde Zeit“, erinnert sie sich. Und dann ist da noch die neue Sprache im Klinikalltag: „Mit Patienten und Angehörigen über gesundheitliche Fragen und Behandlungen zu sprechen, war noch einmal eine andere Hausnummer. Darauf bereitet ein Deutschkurs nicht vor.“
Das deutsche Gesundheitssystem verstehen
2021 beschließt Carollyne, ein berufsbegleitendes Master-Studium anzugehen: „Ich wollte mich fachlich weiterentwickeln und vor allem tiefgreifendes Wissen zum deutschen Gesundheitssystem aufbauen. Im Anerkennungsprozess lernt man zwar etwas dazu, aber nur oberflächig.“ Mit dem berufsbegleitenden Master „Public Health“ (M.Sc.) an der FOM Hochschule findet sie den passenden Studiengang, besucht fortan freitagabends und samstags Vorlesungen am Essener Hochschulzentrum. „Mir war es wichtig, weiter in Vollzeit arbeiten zu können. Daher passte das Studium nicht nur inhaltlich, sondern auch vom Modell her perfekt.“ Für ihre Masterarbeit zur Arzneimittelversorgung in der Krankenhauslogistik wird sie sogar auf der renommierten, internationalen Fachmesse med.Logistica ausgezeichnet.
Von der Klinik in den Klassenraum
Ihr Wissen aus Beruf und Studium gibt sie heute als Pflegepädagogin bei „TalentOrange“ weiter – der internationalen Pflegeschule jener Recruitingagentur, über die sie damals selbst nach Deutschland vermittelt wurde. Neben Fächern wie Pädiatrie, Public Health und Qualitätsmanagement übernimmt sie auch Praxisbegleitungen und bereitet ihre Schülerinnen und Schüler auf die Anerkennungsprüfungen vor. „Ich wollte schon lange unterrichten. Durch den Master hatte ich nicht nur mehr Fachkenntnisse, sondern fühlte mich auch sprachlich viel sicherer – schließlich habe ich mein komplettes Studium auf Deutsch gemeistert! Also habe ich mich beworben und bekam die Stelle“, so Carollyne, deren offene und positive Art ansteckend ist.
Die ausgebildete Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin kam 2018 in die Kinderkardiologie des Uniklinikums Münster. (Foto: Privat, Hintergrund mit KI erweitert)
Carollyne wird auf der internationalen Fachmesse med.Logistica für ihre Masterarbeit ausgezeichnet. (Foto: Privat)
Ehrenamt eine Herzensangelegenheit
Auch über ihren Beruf hinaus engagiert sich Carollyne mit ihrem Verein „Nurses in Germany“ für Pflegefachkräfte aus dem Ausland. Was zunächst als WhatsApp-Gruppe begann, in der man Fragen stellen und sich austauschen konnte, ist inzwischen zu einem breiten Unterstützungsangebot gewachsen. „Wir bieten kostenlose Konversationskurse auf Deutsch an, ganz spezifisch für den Berufsalltag. Wir helfen bei der Bürokratie im Anerkennungsprozess, bei Fragen zur Verdienstabrechnung und vielem mehr.“
Man merkt, wie sehr Carollyne ihr Projekt am Herzen liegt. Für sie steht fest: Es reicht nicht, Fachkräfte einfach nur nach Deutschland zu holen – entscheidend ist auch, sie beim Ankommen zu begleiten. Nicht selten träfen zudem Erwartungen und Realität aufeinander. Hochqualifizierte Pflegekräfte seien mitunter überrascht, wenn sie trotz Ausbildung und Studium zunächst einfachste Tätigkeiten übernehmen müssten. „Man muss die Leute unterstützen und begleiten, sonst gehen sie wieder zurück“, weiß die FOM Absolventin.
Ein neues Zuhause gefunden
Carollyne selbst ist geblieben. Mittlerweile lebt sie gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn in Frankfurt am Main. „Aus den geplanten zwei Jahren Ausland sind mittlerweile acht geworden“, grinst sie. Ihrer Heimat bleibt sie trotzdem eng verbunden. Carollyne tanzt leidenschaftlich gerne Samba und wird vor allem zur Karnevalszeit etwas wehmütig: In Deutschland sei es dann viel zu kalt, und mit Rio lasse sich der deutsche Karneval nicht vergleichen, sagt sie und lacht. Auch wenn sie manches vermisst, hat sie in Deutschland längst ein neues Zuhause gefunden, ist richtig angekommen. Genau das möchte sie mir ihrem Engagement auch anderen internationalen Pflegefachkräften ermöglichen.
Text: Sissy Niemann
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