Elizabeth Mwikya

„Ohne das Studium hätte ich nicht den Mut gehabt, ein eigenes Unternehmen zu gründen“, sagt Elizabeth. (Foto: privat)

Kaffee mit Wirkung

Wie FOM Absolventin Elizabeth Kaffeebauern in Kenia stärkt

Zwischen den Kaffeefeldern Ostafrikas und dem Hörsaal in Deutschland entsteht bei Elizabeth Mwikya die Idee, globale Lieferketten neu zu denken. Mit ihrem jungen Start-up SAVALION will die FOM Absolventin dazu beitragen, dass mehr Wertschöpfung dort bleibt, wo Kaffee wächst. Dabei verbindet sie wirtschaftliches Wissen mit persönlicher Überzeugung.

Warum ein Kaffeebauer seine Plantage rodet
Zwischen sattgrünen Kaffeepflanzen fällt eine Entscheidung, die zunächst kaum zu begreifen ist: Ein kenianischer Kleinbauer rodet seine gesamte Plantage. Über Jahre wird seine Arbeit so schlecht vergütet, dass der Kaffeeanbau seine Familie nicht mehr ernähren kann. Schließlich sieht er keinen anderen Ausweg, als sich von den Pflanzen zu trennen.

Heute wachsen auf seinem Land Mangos, Zitronen und Orangen. Für Elizabeth Mwikya wird dieses Gespräch zu einem Schlüsselmoment. Auf Reisen durch Kenia, Uganda, Tansania und Ruanda begegnet sie immer wieder Produzenten, die monatelang auf ihr Geld warten oder den Kaffeeanbau ganz aufgeben. Dabei treiben sie zentrale Fragen an: „Wer macht die Arbeit? Was bekommt er dafür? Und wo entsteht der Wert?

Unternehmergeist wächst zu Hause
Elizabeth wächst im Südosten Kenias auf. Unternehmertum gehört von klein auf zu ihrem Alltag. Ihre Mutter handelt auf lokalen Märkten und setzt immer wieder neue Geschäftsideen um. „Dieses unternehmerische Denken – dass ich etwas machen und umsetzen kann – habe ich von zu Hause mitbekommen“, erzählt Elizabeth.

Diese Haltung prägt auch ihren Bildungsweg. Mit Disziplin, Neugier und Eigeninitiative schafft sie sich die Voraussetzungen für den Besuch einer von Ordensschwestern geführten Internatsschule. Dort kommt sie erstmals mit der deutschen Sprache und Kultur in Berührung. Später studiert sie Anthropologie in Nairobi, besucht Deutschkurse am Goethe-Institut und reist mehrmals nach Deutschland, wo sie ihren späteren Ehemann kennenlernt.

In Starnberg beginnt ein neues Kapitel
Die beiden werden in Starnberg bei München sesshaft und bekommen zwei Kinder. Für Elizabeth wird die Familie zu ihrem neuen Lebensmittelpunkt und verändert ihren Blick auf die Zukunft. Gleichzeitig möchte sie auch beruflich Fuß fassen. Nach mehreren Jahren, in denen sie sich um ihre Kinder kümmert, steht für sie fest: „Mutter zu sein macht mir viel Freude. Aber ich möchte in meinem Leben etwas in Bewegung setzen.“ Da ihr erster Hochschulabschluss in Deutschland nur begrenzte berufliche Perspektiven eröffnet, entscheidet sie sich deshalb für ein weiteres Studium.

Die FOM eröffnet neue Perspektiven
Nach dem Besuch eines Studienkollegs und ersten Erfahrungen an einer staatlichen Universität wechselt Elizabeth für ein Studium in „Business Administration“ an die FOM Hochschule in München. Das flexible Studienmodell ermöglicht es ihr, Studium, Job und Familienleben miteinander zu verbinden. Eine Zeit lang arbeitet sie im Business Development eines deutschen Unternehmens, das Projekte im Carbon-Market-Umfeld mit Bezug zu Afrika entwickelt.

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An der FOM beschäftigt sie sich in ihrem Bachelor-Studium mit Unternehmensführung und globalen Lieferketten. Ergänzend absolviert sie ein Hochschulzertifikat im Supply-Chain-Management. Dabei lernt sie, wie Beschaffung, Verarbeitung und Vertrieb ineinandergreifen und an welchen Stellen einer Lieferkette wirtschaftlicher Wert entsteht. Während eines Praktikums beim Nord Süd Forum München vertieft Elizabeth ihr Wissen über nachhaltiges Wirtschaften, Menschenrechte und internationale Handelsbeziehungen. So kann sie das Gelernte unmittelbar in der beruflichen Praxis anwenden. Ihr Bachelor-Studium schließt sie schließlich erfolgreich ab.

Das Studium gibt Mut zur Gründung
In ihrem anschließenden Master-Studium „Sustainable Transition“ vertieft sie ihr Wissen über Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Veränderungsprozesse. Jetzt greift alles ineinander: Das Bachelor-Studium an der FOM bildet die wirtschaftliche Grundlage, der Master schärft ihren Blick dafür, wie sich bestehende Strukturen langfristig und nachhaltig verändern lassen.

Rückblickend ist die Zeit an der FOM für Elizabeth die entscheidende Wegmarke: „Ohne das Studium hätte ich nicht den Mut gehabt, ein eigenes Unternehmen zu gründen“, sagt sie. Das wirtschaftswissenschaftliche Wissen, der Praxisbezug und die intensive Beschäftigung mit Lieferketten geben ihr das Selbstvertrauen, ein eigenes Start-up aufzubauen.

Mehr Wertschöpfung soll in Ostafrika bleiben
Mit ihrem Unternehmen SAVALION will Elizabeth erreichen, dass Kaffee nicht nur in Kenia angebaut, sondern dort auch geröstet und verpackt wird. So sollen Arbeitsplätze, Wissen und wirtschaftliche Erträge im Herkunftsland bleiben. Für sie geht es dabei nicht um Wohltätigkeit, sondern um wirtschaftliche Selbstbestimmung und um die Würde der Menschen, deren Arbeit am Anfang der Lieferkette steht.

Veränderung braucht kleine Schritte
Elizabeth weiß, dass sich etablierte Lieferketten nicht von heute auf morgen verändern lassen. Deshalb beginnt sie bewusst klein, arbeitet mit einer Kooperative und sucht Partner, die ihre Vision teilen. Zunächst sollen Röstung und Verpackung in Kenia stattfinden. Langfristig möchte sie möglichst alle Verarbeitungsschritte vor Ort ansiedeln.

Verantwortung für die nächste Generation
Elizabeth Mwikya möchte mehr als guten Kaffee verkaufen. Sie will zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung zusammengehören können: Gemeinwohlorientierung ist dabei ein Wort, das sie häufig verwendet. Als Unternehmerin beschäftigt sie die Verteilung globaler Wertschöpfung, als Mutter die Frage, welche Strukturen kommende Generationen übernehmen. Aus persönlicher Erfahrung, akademischem Wissen und unternehmerischem Mut entsteht so ein klares Zukunftsbild: Kaffee soll nicht nur dort wachsen, sondern auch dort wirtschaftliche Perspektiven schaffen, wo er seinen Ursprung hat.

Text: David Knapp

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